Vor 39 Jahren: Der T(h)on macht die Musik | OneFootball

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·1. Mai 2026

Vor 39 Jahren: Der T(h)on macht die Musik

Artikelbild:Vor 39 Jahren: Der T(h)on macht die Musik

Im September 1986 sieht sich Königsblau auf einem aufsteigenden Ast. Die Mannschaft von Chef-Trainer Rolf Schafstall ist Derbysieger, weiß einen brillierenden Nationalspieler in ihren Reihen und findet sich in der Bundesliga endlich wieder da, wo sie selbst hinzugehören glaubt. Gegen Fortuna Düsseldorf liefert der S04 nun sogar Spektakel – ist aber nicht nur während der 90 Minuten zu leichtsinnig.

Die Stimmung auf Schalke? Sie war gewiss schon mal schlechter. Kein Wunder: Gerade erst bejubelt Königsblau im Parkstadion beim „wichtigsten Spiel des Jahres“ so Vereinspräsident Dr. Hans-Joachim Fenne – gegen Borussia Dortmund einen 2:1-Sieg. Noch erfreuter als über den sportlichen Erfolg im Derby zeigen sich die Verantwortlichen dieser Tage allerdings über die mehr als 40.000 Zuschauer, die nach Gelsenkirchen pilgerten. Sie lassen die chronisch klammen Kassen klingeln – von 660.000 D-Mark ist die Rede. Manager Rudi Assauer, der im Sommer ausgerechnet für den früheren BVB-Stürmer Jürgen Wegmann tief in die Tasche gegriffen hatte, seufzt erleichtert: „Das Geld war bitter nötig.“


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Einer, der den Massen stets den Eintritt wert ist, bleibt gegen den Reviernachbarn zwar blass, schreibt dafür aber wenig später positive Nachrichten: Olaf Thon kehrt nach seinem persönlichen Verletzungsfiasko bei der Weltmeisterschaft in Mexiko zurück in den Kreis der Nationalmannschaft. Alle Ungereimtheiten mit Teamchef Franz Beckenbauer, der trotz Thons Muskelfaserrisses nicht begeistert von dessen frühzeitiger Abreise aus Lateinamerika war, scheinen vom Tisch. „Olaf ist eine feste Größe im Team“, gibt der „Kaiser“ zu verstehen: „Er ist jetzt an der Reihe.“

Der 20-Jährige nimmt den Ball auf und liefert beim ersten Kick nach der Finalniederlage gegen Argentinien auf Anhieb: In Kopenhagen köpft er das 1:0 selbst, den Treffer von Klaus Allofs zum 2:0-Endstand bereitet er vor. An der Seite von Star-Libero Lothar Matthäus bestaunt die ganze Republik die Fähigkeiten des schmächtigen Knappen, der nicht erst seit der Gala gegen Dänemark Begehrlichkeiten weckt. Thon aber scheint nicht von schillernden Eliteclubs zu träumen, sondern will sich bei seinem Herzensverein für kommende Turniere wie die Europameisterschaft 1988 im eigenen Land empfehlen: „Ich glaube, wir haben bei Schalke jetzt alle Bedingungen, um eine Spitzenmannschaft zu werden.“

Nach der enttäuschenden Vorsaison, in der es statt um die Europapokal-Qualifikation lange Zeit einzig um den Klassenerhalt ging, präsentierten die Bosse Coach Schafstall als Nachfolger von Diethelm Ferner. Mit ihm an der Seitenlinie scheint Thons Prämisse für einen langfristigen Verbleib erfüllt – zumindest im Ansatz: Königsblau besitzt vor dem achten Spieltag nur drei Zähler weniger als Branchenprimus Bayern München und wittert als Tabellensechster Morgenluft. Schafstall tönt vor der Begegnung mit Fortuna Düsseldorf: „Wir kommen immer besser in Fahrt – ein Punkt ist mir im Rheinstadion zu wenig.“

Dabei steht der S04 auswärts immer noch ohne Sieg da. Macht aber nichts, laut des Coachs wird es der blau-weiße Ausnahmekönner schon richten: „Olaf Thon hat seit der Weltmeisterschaft doch einiges mit sich herumgeschleppt. Die Aussprache mit Franz Beckenbauer und die tolle Leistung haben ihm deshalb gutgetan. Er wird jetzt auch bei uns noch besser zum Zuge kommen.“

Begleitet von rund 12.000 Schalker Anhängern behält der Fußballlehrer in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens recht: Das frühe 1:0 durch Michael Blättel (3.) egalisiert der DFB-Rückkehrer per abgefälschtem Schuss nur vier Zeigerumdrehungen später selbst und beflügelt auch seine Teamkameraden. Wegmann dreht nach 13 Minuten die Partie, Bernd Dierßen (43.) und Mathias Schipper (45.) erhöhen noch vor der Pause auf 4:1. Schalke wie im Rausch. Doch noch nicht am Ziel.

Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff verkürzt die Fortuna in Person von Manfred Bockenfeld. Zahlreichen Chancen zum Trotz steht es gut 20 Minuten vor Ende plötzlich 3:4 – Ralf Dusend lässt die Knappen noch mal richtig zittern. Weil sie Düsseldorfs Führungstorschützen Sekunden vor Schluss noch mal völlig frei vor Torwart Walter Junghans gewähren lassen, sehen viele Zaungäste den Auswärtssieg dahinschwinden. Doch Blättel vergibt. Und Schalke bleibt oben dran.

Mit der Darbietung nach dem Seitenwechsel zeigt sich Schafstall dennoch überhaupt nicht einverstanden. „Ich habe in der Pause noch gewarnt: Werdet jetzt nicht überheblich“, zetert er. „Aber plötzlich wollten sie mit Spitze und Hacke zaubern.“ Sein größter Befürworter, Präsident Fenne, klingt da schon euphorischer. Auf der drei Tage später folgenden, ungewohnt reibungslos verlaufenden Jahreshauptversammlung spricht er von einem „richtig guten Weg“, auf dem sich sein Verein befinden würde. Der Obmann untermalt das mit dem Bild eines zarten Pflänzchens, das schon bald wieder zum ausgewachsenen Baum ausreife.

Der Schein trügt jedoch. Die Wackelpartie im Rheinland verstehen die Verantwortlichen zwar nicht als Warnzeichen, sie entpuppt sich aber als solches. Bis Ende November gewinnt der S04 kein Spiel mehr, rutscht am Ende auf Platz 13 und schneidet damit schlechter als im Vorjahr ab. In der Folgesaison schmeißt der anfangs so überzeugende Schafstall hin. Schalke steigt 1988 zum dritten Mal aus der Bundesliga ab. Clubikone Olaf Thon bleibt nichts anderes übrig, als den Verein zu verlassen. Das zarte Pflänzchen ist verwelkt.

Statistik

27.9.1986 | Fortuna Düsseldorf – FC Schalke 04 3:4 (1:4) | Rheinstadion Düsseldorf: Schmadtke – Fach – Kaiser, Keim, Wojtowicz – Bockenfeld, Weikl, Jakobs, Grabotin (32. Dusend) – Blättel, Demandt (79. Preetz) | Schalke: Junghans – Hannes – Roth, Schipper, Prus (75. Kruse) – Dierßen (46. Grabosch), Kleppinger, Thon, Jakobs – Wegmann, Täuber Tore: 1:0 Blättel (3.), 1:1 Thon (7.), 1:2 Wegmann (13.), 1:3 Dierßen (43.), 1:4 Schipper (45.), 2:4 Bockenfeld (49.), 3:4 Dusend (67.) | Zuschauer: 20.000 | Schiedsrichter: Neuner (Leimen)

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