REAL TOTAL
·10. Juli 2026
Vor Mourinhos Comeback am Montag: Soy de Mou

In partnership with
Yahoo sportsREAL TOTAL
·10. Juli 2026

Am 1. Juni 2013 stand José Mourinho letztmals an Real Madrids Seitenlinie – Foto: Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images
4.790 Tage. So viel Zeit ist vergangen nicht nur seit José Mourinhos letztem Spiel mit Real Madrid, sondern auch seit einem besonderen Moment. Dem des oben stehenden Fotos. Dabei stellte sich Mourinho nach einigen Kritiken – zwei Wochen vorher wurde das Pokalfinale verloren, und das ausgerechnet im Bernabéu gegen Stadtrivale Atlético, sodass eine Saison ohne großen Titel besiegelt wurde – vor Anpfiff den Fans, damit sie ihm ihre Pfiffe und Wut widmen können, statt den Spielern. Wie so oft stellte sich der Portugiese direkt in den Gegenwind hinein, doch es waren keine Pfiffe, die ihn erreichten, es war eine 90-minütige Liebeserklärung. Etliche Sprechchöre, kleine wie große Plakate, Fans, die auch weit nach Abpfiff noch um den scheidenden Trainer heraus baten, sowie Spieler, die beim 4:2-Sieg über Osasuna mit ihm ihre Tore bejubelten, zeigten, welchen Stellenwert José Mourinho bei Real Madrid hatte. Und teilweise auch immer noch hat.
Er unterbrach nicht nur die Herrschaft des FC Barcelona, sondern er brachte Real Madrid nach sieben frühen Ausscheiden in der Champions League (darunter sechs Mal Achtelfinal-Aus in Folge) wieder zurück in die Erfolgsspur, räumte auch im Umfeld des Klubs auf, legte sich mit vielen an – Verantwortlichen, Medien, Barça und sogar Spielerlegenden wie Iker Casillas. Diese Polarisierung – intern sogar „Dschihad“ genannt und beispielsweise von Mourinho-„Aktivist“ Álvaro Arbeloa so veröffentlicht – und schlussendliche Teilung der Kabine sorgte zwar schlussendlich auch für das Ende der dreijährigen Amtszeit. Doch Mourinhos Ziel war erfüllt: er machte Real Madrid wieder wettbewerbsfähig, ließ den Traum von „La Décima“ wieder erreichbar erscheinen – immerhin war es nur ein Jahr nach Mourinhos Abschied schon so weit mit dem zehnten Champions-League-Titel. Oder wie es der Portugiese selbst formuliert hatte: „Ich wäre gerne in dem Moment zu Real Madrid gekommen, als ich ging. Warum? Weil es ein Traum ist, eine Mannschaft von José Mourinho zu übernehmen. Ich bin ein Maurer des Fußballs. (…) Nach mir war Real bereit zu explodieren!“
Einer der Belege für die Zersplittung unter Mourinho: Arbeloas Tweet aus 2012 mit Mourinho, gewidmet dem „Dschihad der Madridistas“ – dem Kampf auf „ihrem Weg“
Und etwas über 13 Jahre später ergeben sich einige Parallelen, ehe Mourinho am Montag seine zweite Amtszeit übernimmt. Denn auch bis zum Sommer 2010 gab es hier und da mal Erfolge, trotzdem fehlte den Blancos einiges an Biss und Einheit, stattdessen gab es zu viele äußere Einflüsse und teilweise auch keine optimale Kaderplanung. Mourinho räumte auf, so wie er aktuell auch schon bei Transfers mitzureden scheint, so scheinen Marc Cucurella, Bernardo Silva und Denzel Dumfries wohl mit auf sein Konto zu gehen, während Ibrahima Konaté schon länger als Kandidat galt. Aber für alle lässt sich sagen: erfahrene Spieler, gute Soldaten. Die „Jugend forscht“-Zeit ist vorerst vorbei, sodass quasi alle vier Neuzugänge der Vorsaison „ersetzt wurden“. Und idealerweise gilt das auch für die Zeit, in der primär nach Namen aufgestellt wurde, wenn sich die Stars nicht sogar selbst aufstellten und über Wechsel, aber auch Trainingsumfang entschieden. Die Hoffnung des Madridismo lautet, dass Mourinho das Leistungsprinzip zurück bringt und ebenfalls unangenehme Entscheidungen trifft, wie in seiner ersten Amtszeit. Das wird nicht gleich der Fall sein, weder Vinícius Júnior noch Federico Valverde muss jetzt Angst und Bange sein, so erklärte der Portugiese im Juni bereits: „Ich muss mir selbst ein Bild machen. Ich muss Dinge verstehen, die ich im Moment noch nicht weiß. Was ich derzeit weiß, stammt aus den Medien oder von dem, was ich im Fernsehen sehe. Ich muss die Spieler kennenlernen. Jetzt ist nicht die Zeit für große Aussagen. Jetzt ist die Zeit, ruhig zu bleiben, zu analysieren, zu kommunizieren, Fragen zu stellen, Fragen zu beantworten und einen offenen, ehrlichen und konstruktiven Dialog zu führen.“
Mourinho bei Real
Von 2010 bis 2013:
Gleiche Chancen für alle. Jeder darf mit paddeln, aber wem das Paddel zu schwer ist, der dürfte es genauso schwer haben unter dem 63-Jährigen. Auch deswegen holt Florentino Pérez ihn zurück, nachdem beide 2013 im Positiven auseinander gegangen waren, wissend, dass Mourinho zu viel Druck aufgebaut hatte und dass nun die Zeit gekommen war für einen sympathischen Star-Manager. Der Plan mit Carlo Ancelotti ging entsprechend voll auf, so wie jetzt auch der Mourinho-Plan das Team (vorerst) wieder zusammenführen soll. Rund um den Trainingsauftakt soll es dann auch Mourinhos offizielle Vorstellung geben, wenn auch scheinbar nur im kleinen Rahmen in Valdebebas, angeblich um 13 Uhr. Offiziell bestätigt ist das noch nicht, aber es würde ins Bild machen: keine Zeit für Show und Sprüche, sondern erstmal harte Arbeit. So ist auch noch nicht viel bekannt zu Real Madrids Saisonvorbereitung, aber auch hier sind namhafte Show-Testspiele gegen Chelsea und Co. nicht abzusehen, so gibt es bisher nur ein Testspiel am 12. August gegen Deportivo, dazu sollen Tests in Österreich und Deutschland kommen – keine USA-Tournee oder generell weite Reisen. Vieles bleibt so noch im unklaren, auch Sami Khediras Rolle, aber Mourinho dürfte am Montag die eine oder andere Antwort geben.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Nils Kern (@nilskern)
So viele Zweifel ich auch noch habe am Kader (Mittelfeldchef, Neuner-Backup, Rechtsaußen), aber auch hinsichtlich der Hierarchie und ob wirklich wieder der Trainer der Wichtigste in der Kabine ist (von internen Veränderungen, auch im Medizinstab ganz zu schweigen, aber auch hier soll es bereits Bewegung geben), trotzdem freue ich mich auf Mourinhos Comeback. Auch ich habe am 1. Juni 2013 nicht gepfiffen, sondern mich bedankt. Und schon als kurz vorher die Trennung bekannt gegeben wurde, war für mich klar: „Soy de Mou“, ich stehe zu Mou, wie einer meiner allerersten Posts auf meinem damals noch jungen Instagram-Profil zeigt. Mourinho mag in den letzten Jahren nicht mehr allzu erfolgreich gewesen sein, aber das galt für Ancelotti ebenfalls. Der Portugiese hat Ecken und Kanten, aber genau das ist gewollt und gesucht – kein Kuschelkurs mehr. Oder wie es die Fans damals auf einem Plakat schrieben: „Mourinho, gracias por luchar contra viento y marea!“ Danke für den Kampf gegen jede Hindernisse, die es auch aktuell geben dürfte, aber Mourinho wird ihn wieder aufnehmen, notfalls auch den Zorn der Öffentlichkeit, und Real Madrid auch so wieder in die Erfolgsspur zurück bringen.
Verwandte Beiträge
Heute vor elf Jahren: Mourinho-Transfer zu Real Madrid. weiterlesen







































