FC Bayern München
·9. Mai 2026
Warum der Wolfsburg-Sieg für Bayern mehr als drei Punkte wert ist

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Zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten, ein überragender Jonas Urbig zwischen den Pfosten und ein Traumtor von Michael Olise – dank eines am Ende verdienten 1:0-Sieges bei einem überraschend starken VfL Wolfsburg bleibt der FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison in fremden Stadien unbesiegt. Und doch war der knappe Erfolg bei den abstiegsbedrohten Wölfen nur vier Tage nach dem bitteren Champions League-Aus ein Kraftakt für den Deutschen Meister. „Es ging wieder bei null los heute, der Mittwoch hatte sehr weh getan, ist doch klar. Aber wir müssen nicht mehr lange drüber nachdenken oder in Trauer verfallen, es geht weiter“, meinte Urbig, der beste Münchner an diesem Samstagabend.
Der FC Bayern fand im ersten Durchgang gut ins Spiel, besaß deutlich mehr Ballbesitz, wurde aber vor allem im Mittelfeld bei Ballverlusten immer offener. Das Bayernspiel, es wirkte bald hektisch, unsauber und fehleranfällig. „Wir haben gut begonnen, aber schnell die Geduld verloren“, haderte Bayern-Trainer Vincent Kompany. Wolfsburg, vor der Saison mit einem starken Kader und dem Ziel Europapokalplatz gestartet, konterte dagegen zielgerichtet, blitzschnell und mit höchster Torgefahr.
Gleich mehrfach war in der Startphase Jonas Urbig zwischen den Bayern-Pfosten gefordert, immer wieder ließ der 22-Jährige mit Blitzreflexen die Angreifer der Gastgeber verzweifeln. Einmal rettete der Keeper sogar für Mitspieler Leon Goretzka in höchster Not, der unglücklich den Ball aus nächster Nähe aufs eigene Tor abgefälscht hatte. „Ulle (Sven Ulreich, d. Red.) und Manu (Manuel Neuer) kamen direkt und haben mir gratuliert zum Spiel, das hat mich sehr gefreut“, verriet Urbig später, dem es gelungen war, dass der FC Bayern erstmals nach vier Spielen wieder zu null spielte. Auch Tom Bischof lobte seinen Keeper: „Brutal“, sagte er auf Urbigs Leistung angesprochen und schüttelte ungläubig den Kopf, „wie er Manu (Neuer, d. Red.) jedes Mal vertritt, wenn er die Chance bekommt.“
So blieben die Gäste – man muss es so sagen – im Spiel, das sie rein optisch auch bestimmten. Und sie hatten die Riesenchance zur Führung, als Bischof nach einem Eckball die Querlatte traf. Kurz darauf war Michael Olise im Strafraum gefoult worden – Harry Kane aber scheiterte erstmals in der Bundesliga vom Elfmeterpunkt, nachdem er zuvor 24 Mal sicher getroffen hatte. Allerdings war der englische Nationalspieler mit dem Standbein beim Abschluss auch folgenschwer weggerutscht. Ein Wolfsburger, das verrieten die Fernsehbilder, hatte zuvor mit seinen Stollen den Elfmeterpunkt „bearbeitet“: „Es geht für Wolfsburg um alles, daher bin ich nicht böse, dass da jemand den Elfmeterpunkt manipuliert hat“, sagte Bayern-Torwart Jonas Urbig: „Es geht um Existenz, die haben alles reingeworfen und ein super Spiel gemacht. Daher kann ich darüber hinwegsehen." Ähnlich sah es sein Coach: „Was soll der Spieler machen, einfach absteigen, ohne alles zu versuchen? Das geht nicht!“
Es blieb damit ein packendes, spannendes und aufregendes Spiel im ausverkauften Wolfsburger Stadion. Die Heimmannschaft präsentierte sich keinesfalls wie ein Absteiger und zeigte ihre vielleicht beste Saisonleistung. Vor allem an der Aggressivität der Wölfe hatte der FC Bayern zu knabbern, 15 Torschüsse in Durchgang eins waren Saisonrekord für den Gastgeber – so viele Versuche auf den eigenen Kasten hatte auch der FC Bayern in dieser Runde bislang nie hinnehmen müssen.
Kompany reagierte zur Pause, brachte mit Konrad Laimer und Dayot Upamecano für die angeschlagenen Minjae Kim und Leon Goretzka zwei Spieler, die gegen Paris noch in der Startformation gestanden hatten. Und sofort veränderte sich die Statik der Begegnung: Die Bayern erkämpften sich wichtige Räume, erstickten Wolfsburgs Konterversuche geschickt im Keim und holten sich dadurch zunehmend Sicherheit und Spielkontrolle. Der Ball lief flüssiger, besser, runder. „Wir hatten das Momentum heute, wo wir die Partie auf unsere Seite ziehen können“, ärgerte sich Dieter Hecking, Wolfsburgs Cheftrainer. „In dieser Phase haben wir leider das Gegentor bekommen.“
In der 57. Minute wusste jeder, was nun kommen würde, als Michael Olise den Ball von Laimer auf der rechten Außenbahn zugespielt bekam und parallel zur Strafraumkante nach innen zog. Mit seinem linken Zauberfuß streichelte der Franzose den Ball sehenswert ins Tordreieck, das Spielgerät „küsste“ noch die Unterkante der Latte und flog zum 1:0 für die Bayern mitten ins Herz der Wolfsburger – zum 117. Saisontor der Münchner.
Die zunehmende Dominanz und nun auch der Rückstand zog den Gastgebern sichtlich den Zahn, kein einziges Mal in dieser Spielzeit hatte der VfL ein 0:1 noch in einen Sieg drehen können. „Wenn du fast 120 Tore schießt, glaubt jeder, dass er vorn automatisch reinfliegt. Das ist falsch. Wir müssen warten, bis die Beine des Gegners müde werden, dann kriegst du deine Räume“, erklärte Vincent Kompany hinterher.
Hatte man im ersten Durchgang noch überraschende 15:5-Torversuche für Wolfsburg notiert, hatte sich das Blatt mit dem Halbzeitpfiff vollends gewendet: Nun bestimmte der FC Bayern das Geschehen und die Statistiken – 10:0 Torschüsse und 21:1 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum waren Zeugnisse der erdrückenden Dominanz des Tabellenführers. „Wir hatten es gar nicht leicht“, sagte Kompany. „Wir müssen Respekt davor haben, dass sie uns gegen die Füße treten. Wir müssen nicht überrascht sein, wenn es dreckig wird – die kämpfen um alles, das müssen wir respektieren. Die zweite Hälfte, rauszukommen und wieder zu gewinnen, das ist nicht einfach. Das müssen wir schätzen!“
Doch einen allerletzten, ganz großen Augenblick hatte Wolfsburg noch: Nach einer Unachtsamkeit in der Bayern-Defensive war plötzlich Svanberg völlig frei auf und davon in Richtung Bayern-Tor. Jonas Urbig verkürzte im Herauslaufen geschickt den Winkel – und der Flachschuss des Wolfsburgers klatschte an den Pfosten. Es war der dramatische Schlusspunkt in einem packenden Aufeinandertreffen, indem die Bayern beweisen konnten, dass sie nach dem Ausscheiden in der Champions League wieder nach vorne schauen.
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