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·9. Mai 2026

Weber: "Wir haben noch ambitionierte Ziele"

Artikelbild:Weber: "Wir haben noch ambitionierte Ziele"

Nur noch zwei Spieltage, dann ist die Bundesliga-Saison 2025/26 Geschichte. Für Benni Weber endet damit zugleich seine erste Spielzeit als Sportdirektor des FC Augsburg. Im Interview vor dem Duell mit Borussia Mönchengladbach spricht der 42-Jährige über seine ersten Monate beim FCA, über die Besonderheiten des Klubs und über die Themen, die ihn im Saisonendspurt sowie mit Blick auf die kommende Spielzeit beschäftigen.

Benni, vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Wenn du deine erste Saison als Sportdirektor mit nur einem Wort beschreiben müsstest – welches wäre es? Die Saison ist ja noch nicht vorbei, deshalb habe ich mir darüber noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Die vergangenen Monate waren auf jeden Fall sehr ereignisreich: viele neue Erfahrungen, viele neue Menschen, viele neue Eindrücke. Ich habe sehr schnell das Gefühl entwickelt, ein neues Zuhause gefunden zu haben. Die Zeit ist unglaublich schnell vergangen und auch sportlich sind wir auf einem sehr guten Weg. Wenn ich meine erste Saison am Ende mit einem Wort beschreiben dürfte, dann möchte ich am Abend des 16. Mai sagen können: erfolgreich.


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Nimm uns doch einmal mit durch deine ersten zehn Monate beim FCA: Welche Momente sind dir besonders in Erinnerung geblieben?  Sportlich bleiben vor allem die Siege in Erinnerung. Der Auswärtserfolg in München war etwas ganz Besonderes, aber auch der Heimsieg gegen Heidenheim kam zu einem wichtigen Zeitpunkt. Besonders freut es mich, wenn Spieler aus unserem Nachwuchsleistungszentrum den Sprung in die Bundesliga schaffen – wie Tim Schnitzer in Leipzig. Oder wenn Noki Banks gegen Wolfsburg nach einer Flanke von Mert Kömür das 1:0 erzielt und Mert im selben Spiel ebenfalls trifft. Solche Momente stehen sinnbildlich für unsere Arbeit im Verein. Darüber hinaus sind es aber auch die vielen kleinen Dinge im Alltag: das tägliche Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen, das mir sehr viel Freude macht.

Du hast einen spannenden Karriereweg hinter dir: Angefangen als Videoanalyst in Mainz unter Jürgen Klopp, später unter Thomas Tuchel DFB-Pokalsieger mit Borussia Dortmund, zweimal französischer Meister mit Paris und Champions-League-Sieger mit Chelsea. Wie blickst du auf diese Stationen zurück? Ich habe versucht, aus jeder Station etwas für mich mitzunehmen – beruflich wie privat. Gleichzeitig war es mir immer wichtig, auch etwas zurückzugeben. Das war immer mein Anspruch: dass man an den jeweiligen Stationen gerne auf die gemeinsame Zeit zurückblickt und dass man dort jederzeit wieder willkommen ist.

Über den SC Paderborn bist du im Sommer beim FC Augsburg gelandet. Wenn du den FCA mit anderen Klubs vergleichst, die du im Laufe deiner Karriere kennengelernt hast: Was zeichnet diesen Verein besonders aus? Ich habe das Gefühl, dass hier noch sehr viel möglich ist. Der Verein hat in den 15 Jahren Bundesliga eine sehr stabile Basis geschaffen und trotzdem ist dieser Hunger nicht verloren gegangen – im Gegenteil. Auch in dieser Saison haben wir wieder die Chance, etwas Besonderes zu erreichen. In unserer Bundesliga-Zeit ist uns erst zweimal ein einstelliger Tabellenplatz gelungen. Gleichzeitig entwickelt sich der Verein kontinuierlich weiter – in der Infrastruktur, im sportlichen Bereich und auch in vielen anderen Themen rund um den Klub. Dieses ständige Streben nach Verbesserung zeichnet den FCA aus.

Mit Blick auf das Saisonende bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, gleichzeitig laufen die Planungen für die neue Spielzeit sicher bereits auf Hochtouren. Wie gelingt dir der Spagat zwischen dem Fokus auf die verbleibenden Spiele und dem Blick nach vorn? Es muss immer unser Anspruch sein, im Hier und Jetzt das Beste zu leisten und gleichzeitig strategisch für den Klub zu denken. Es ist ganz wichtig, nicht nur vom Tagesgeschäft bestimmt zu werden, sondern auch an der übergeordneten Strategie zu arbeiten und eine klare Vision davon zu haben, wohin wir uns als Verein entwickeln wollen. Dafür braucht es Mut – und den wollen und müssen wir haben.

Zunächst richtet sich der Blick voll auf den Saisonendspurt: Wie zufrieden warst du mit dem 3:1-Auswärtssieg in Bremen? Nach einem Sieg ist man natürlich immer sehr zufrieden. In der Bundesliga ist es extrem schwer, auswärts zu punkten – gerade bei einer Mannschaft, für die es sich wie ein Finalspiel angefühlt hat. Wir haben die Tore zum jeweils richtigen Zeitpunkt erzielt und das Momentum auf unsere Seite gezogen. So etwas muss man sich erarbeiten. Natürlich hätten wir in einigen Phasen noch besser spielen können, aber genau das ist ja auch das Schöne: Auch nach dem Spiel gegen Frankfurt war spürbar, dass wir uns mit dem Punkt nicht zufriedengegeben haben.

Dass Anton Kade in Bremen mit zwei Treffern zum Matchwinner wurde, unterstreicht den Augsburger Weg, auf entwicklungsfähige Spieler zu setzen und sie gezielt zu fördern. Neben den Eigengewächsen Noahkai Banks und Mert Kömür finden sich mit Fabian Rieder, Han-Noah Massengo und Rodrigo Ribeiro weitere Beispiele dafür im Kader. Wichtig ist, dass wir einen Weg gehen, der zu uns und zu unserem Klub passt. Dazu gehört, eigene Spieler auszubilden und von innen heraus zu wachsen. Gleichzeitig wollen wir auch Talente von außen dazunehmen und erfahrene Spieler integrieren, um verschiedene Profile im Kader abzudecken und uns nicht nur auf eine Sache zu fokussieren. Vielleicht sind wir in manchen Bereichen nicht so groß wie andere Vereine, aber in den Zielmärkten, in denen wir aktiv sind, wollen wir die Besten und Schnellsten sein.

Der FCA ist inzwischen seit fünf Spielen ungeschlagen. Was zeichnet die Mannschaft aktuell besonders aus? Wille, Demut, Hunger und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Im Englischen gibt es dafür das Wort relentless – also eine gewisse Unnachgiebigkeit und Widerstandsfähigkeit. Genau das macht uns aktuell stark und genau das soll auch künftig unsere Basis sein.

Mit Borussia Mönchengladbach wartet im letzten Heimspiel ein Gegner, der den eigenen Ansprüchen in dieser Saison etwas hinterherhinkt, sich zuletzt aber den Klassenerhalt durch einen 1:0-Sieg gegen Dortmund sichern konnte. Das wird wieder ein sehr starker Gegner. Gladbach hat gegen Dortmund gewonnen – das ist uns in dieser Saison zweimal nicht gelungen. Auch dieses Spiel wird auf Kleinigkeiten ankommen und darauf, wie sehr wir es wollen. Wir haben noch ambitionierte Ziele. Der Samstag bietet einen großartigen Rahmen, um das noch einmal zu zeigen. Wir müssen es schaffen, in den entscheidenden Momenten hungriger und gieriger zu sein – und unsere Zuschauer mitzunehmen.

Wenn wir zum Ende noch einmal die Perspektive wechseln: Wie gefallen dir und deiner Familie Augsburg und das Leben in der Region bisher? Sehr gut. Die Lebensqualität ist hier enorm hoch. Ich liebe es, aus dem Büro auf die Berge zu schauen. In Augsburg spielt sich viel draußen ab und das verleiht der Stadt einen ganz besonderen Flair.

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