„Wenn ihr mich findet“, hatte er im Mai gesagt – nun meldet sich Guardiola selbst: „Mehr als je zuvor“ | OneFootball

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·30. September 2026

„Wenn ihr mich findet“, hatte er im Mai gesagt – nun meldet sich Guardiola selbst: „Mehr als je zuvor“

Artikelbild:„Wenn ihr mich findet“, hatte er im Mai gesagt – nun meldet sich Guardiola selbst: „Mehr als je zuvor“

Manchester. Als Pep Guardiola im Mai gefragt wurde, ob er sich öffentlich äußern werde, wenn das Urteil im Verfahren um die 115 Anklagepunkte eines Tages falle, antwortete er mit einem Lächeln: „Wenn ihr mich findet.“ Er stand damals kurz vor seinem Abschied von Manchester City, das Urteil lag noch in weiter Ferne. Jetzt ist es da – und Guardiola hat sich selbst gemeldet, ohne dass ihn jemand finden musste.

Was Guardiola geschrieben hat

Auf Instagram veröffentlichte der 55-Jährige eine Botschaft an die Anhänger seines früheren Klubs. Jeder City-Fan auf der Welt solle wissen: „Ich bin hier, mehr als je zuvor.“ Er stehe hinter seinem Klub, seinem Eigentümer, seinem Vorsitzenden, Ferran, den Spielern, dem Staff, Enzo – „und euch, unseren einzigartigen Fans“. Dann der Satz, auf den es ihm ankam: „Lasst mich eines klarstellen: Wir werden das gemeinsam durchstehen.“ Und zum Schluss: „Ich liebe euch alle.“


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Gemeint sind Ferran Soriano, der Vorstandschef, und Enzo Maresca, sein Nachfolger auf der Trainerbank. Die Aufzählung ist aufschlussreich: Guardiola nennt den Eigentümer vor den Spielern. Es ist keine Distanzierung, sondern das Gegenteil – eine Solidaritätserklärung an die Führung, gegen die sich die Vorwürfe richten.

Der Klub klingt jetzt anders

Auch Manchester City hat seine Tonlage verändert. Nach Bekanntwerden der Berichte hatte der Klub zunächst lediglich erklärt, das Verfahren sei weiterhin laufend und strikt vertraulich. Die jüngste Mitteilung ist deutlicher: Man sei „enttäuscht und überrascht von der Einschätzung der Premier-League-Kommission“ und verfüge weiterhin über „unwiderlegbare Beweise“ für die eigene Position.

Das Urteil selbst ist nicht veröffentlicht. Nach Berichten von The Athletic und CNN wurde City in 114 der 115 Anklagepunkte schuldig gesprochen; einige Medien sprechen von allen Punkten. Über Sanktionen ist noch nicht entschieden, City will Berufung einlegen.

Was er früher gesagt hat

Guardiolas Haltung ist nicht neu, sie ist nur lauter geworden. Als die Anhörung im September 2024 begann, sagte er: „Jeder ist unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist.“ Er freue sich, dass das Verfahren beginne, damit es endlich ende. Und er fügte hinzu, er stimme „zum ersten Mal Javier Tebas zu“ – der La-Liga-Präsident hatte erklärt, der Rest der Liga wolle City bestraft sehen. Guardiola meinte das nicht als Lob.

Im Mai 2026, kurz vor seinem Abschied, formulierte er es persönlicher: Wenn City Verstöße gegen das Financial Fair Play vorgeworfen würden, frage er die Vereinsführung. „Ich vertraue ihnen.“

Nun hat eine unabhängige Kommission nach fast zwei Jahren Prüfung anders entschieden als die Führung, der er vertraute. Guardiola hat darauf mit Loyalität reagiert – nicht mit Zweifeln.

Die Frage nach dem Vermächtnis

Genau daran entzündet sich jetzt die Debatte. Guardiola kam 2016 zu City und gewann nach Angaben von Sporting News 17 große Titel, darunter sechs Meisterschaften, vier davon in Folge, und das Triple mit der Champions League 2023. NBC schreibt, Gegner nutzten das Urteil massenhaft, um sein Vermächtnis infrage zu stellen.

Die Faktenlage ist differenzierter, als die Debatte vermuten lässt. Die Finanzvorwürfe betreffen den Zeitraum von 2009 bis 2018; der Großteil davon liegt vor Guardiolas Amtszeit. Hinzu kommen Anklagepunkte wegen mangelnder Kooperation mit den Ermittlungen, die sich auf die Zeit danach beziehen. Seine erste Meisterschaft 2017/18 fiel allerdings genau in die letzte Saison des beanstandeten Zeitraums.

Das heißt nicht, dass Guardiola etwas mit den Vorgängen zu tun gehabt hätte – ein Trainer verantwortet keine Sponsorenverträge. Es heißt aber, dass die Frage, auf welcher finanziellen Grundlage seine Mannschaften gebaut wurden, nicht verschwinden wird, solange das Verfahren läuft.

Die anderen Stimmen

Seine früheren Konkurrenten halten sich auffallend zurück. Jürgen Klopp sagte vor dem Länderspiel gegen Serbien, er habe „großen Respekt vor Pep Guardiola und dem Fußball von City“, mit dem Verfahren habe er nichts zu tun, er warte ab. Thomas Tuchel beließ es bei „kein Kommentar“. Beide wissen, wie es sich anfühlt, gegen diese Mannschaften zu verlieren. Keiner von beiden wollte am Urteil mitwirken.

Guardiola hat seine Seite gewählt, und er hat sie laut gewählt. Ob sich das als richtig erweist, entscheidet nicht er, sondern die Berufungsinstanz. Bis dahin steht ein Satz im Raum, den er selbst geschrieben hat: Wir werden das gemeinsam durchstehen. Wie lange das dauert, weiß niemand.

90PLUS Redaktion

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