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·31. Januar 2026
Wer ist Taichi Hara? – Ein Spielerprofil

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Kurz vor Ende der Transferperiode hat der FC St. Pauli mit Taichi Hara einen Offensivspieler verpflichtet, der Mobilität und Torgefahr vereint.(Titelfoto: FC St. Pauli)
Taichi Hara ist der vierte Winter-Neuzugang des FC St. Pauli und mit ihm sind die Mannschaftsteile komplett. Denn der FCSP hat in Emil Gazdov einen Torhüter verpflichtet, mit Tomoya Andō jemanden für die Abwehr, Mathias Rasmussen verstärkt das Mittelfeld – und nun wird Taichi Hara versuchen, den Angriff zu verstärken. Der 26-jährige kommt ablösefrei aus der J-League von Kyoto Sanga, wo sein Vertrag Ende Januar 2026 auslief.
Taichi Hara wurde im Mai 1999 in Hino geboren, etwa 40km westlich von Tokio. Seine Fußball-Laufbahn nahm ab 2017 so richtig Fahrt auf. Damals war er beim FC Tokyo aktiv und machte dort mit fünf Treffern in 18 Spielen für die U23 in der J3-League (dritte Liga Japans) auf sich aufmerksam. Auch in der Folgesaison spielte er hauptsächlich für die U23 (23 Einsätze, sechs Torbeteiligungen), kam aber auch erstmals für die erste Mannschaft zum Einsatz (im Ligapokal, keine Torbeteiligung). 2019 gelang Taichi Hara dann der große Durchbruch: In der J3-League kam er in 30 Einsätzen auf 19 Treffer (drei Vorlagen). Als Lohn spielte er die Saison 2020 (in Japan läuft die Saison im Kalenderjahr) in der ersten Mannschaft, kam dort vor allem als Einwechselspieler zum Einsatz und erzielte in 26 Spielen drei Treffer.
Dann wagte der damals 20-jährige Taichi Hara den Sprung nach Europa, wechselte im Februar 2021 nach Kroatien zu NK Istra. Dort war er sofort erfolgreich, kam in insgesamt 18 Einsätzen auf acht Treffer und drei Vorlagen. Nach nur einem halben Jahr ging es für ihn bereits weiter. Deportivo Alavés verpflichtete ihn. Hara befand sich somit im Kader eines Clubs, der in einer der Top5-Ligen aktiv ist. Gespielt hat er in Spanien zuerst allerdings nicht. Kurz nach Saisonstart (er stand bei der Niederlage gegen Real Madrid am ersten Spieltag noch im Kader) wurde Taichi Hara nach Belgien verliehen.
Dort spielte Taichi Hara für VV St. Truiden. Denselben Club, für den auch Joel Fujita spielte, ehe es ihn zum FC St. Pauli zog. Das ist kein Zufall, St. Truiden ist so etwas wie die japanische Botschaft des Fußballs in Europa. Seit 2018 findet sich dort jede Saison rund ein halbes Dutzend Japaner im Kader, so auch Hara ab Spätsommer 2021. Mit Erfolg: Im Oktober 2021 erzielte er seinen ersten Treffer für St. Truiden beim 1:1 gegen KV Oostende, den Club, der damals trainiert wurde von… Alexander Blessin!Taichi Hara erarbeitete sich bis Ende des Jahres 2021 einen Stammplatz in Belgien und war mit insgesamt acht Treffern (sieben davon in den letzten 14 Spielen) einer der Leistungsträger des Teams.
Im Sommer 2022 ging es zurück nach Spanien. Deportivo Alavés war in der Zwischenzeit in die zweite Liga abgestiegen. Taichi Hara konnte dort aber nicht so richtig Fuß fassen. Nach 16 Einsätzen (zwei Treffer) ging es Anfang 2023 wieder zurück nach Belgien zu St. Truiden. Dort konnte er aber nicht mehr an die Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen (zwei Vorlagen, kein Treffer).Im Sommer 2023 wechselte Taichi Hara wieder nach Japan, zu Kyoto Sanga. Bis Ende des Jahres kam er dort auf starke elf Torbeteiligungen in 13 Einsätzen und wirkte so entscheidend daran mit, dass der Club den Klassenerhalt schaffte. Das gelang Kyoto Sanga auch in der Folgesaison 2024mit Hara als Stammspieler (41 Spiele, zehn Treffer, zwei Vorlagen). In der im Dezember 2025 beendeten Saison war Taichi Hara ebenfalls Stammspieler und trug mit 15 Torbeteiligungen (fünf Treffer) dazu bei, dass der Club die Spielzeit auf dem dritten Platz beendete.
Vor Ende der letzten Saison, im Sommer 2025, feierte Taichi Hara sein Debüt für die japanische Nationalmannschaft. So könnt Ihr Euch natürlich ausmalen, dass mit dem Wechsel zurück nach Europa vermutlich auch die Hoffnung verbunden ist, im kommenden Sommer für Japan im Einsatz zu sein. Mit seinem Wechsel zum FC St. Pauli gerät Hara auf jeden Fall in einen besonderen Fokus, da mit Tomoya Andō und Joel Fujita bereits zwei Nationalspieler für den Club aktiv sind. Die Chancen auf eine Nominierung im Sommer dürften dadurch sicher nicht gesunken sein. Sollte er beim FCSP ein erfolgreiches Halbjahr spielen, dann würden sie sogar massiv steigen.

Taichi Hara feierte im Sommer sein Debüt für die japanische Nationalmannschaft und hofft sicherlich, dass sich durch den Wechsel zum FC St. Pauli seine Chancen auf eine Nominierung kommenden Sommer steigen.
(Koji Watanabe/Getty Images/via OneFootball)
Um Taichi Hara und seine Fähigkeiten auf dem Platz besser einschätzen zu können und auch um herauszufinden, ob er dem FC St. Pauli sofort helfen kann, haben wir Ryo Nakagawara geprochen. Er betreibt den Newsletter „shogunsoccer“ und ist Experte für japanischen Fußball, die J-League und entsprechend auch japanische Spieler. Wir haben ihm ein paar Fragen zu Taichi Hara stellen dürfen.
Millernton: Moin Ryo, Taichi Hara ist zum FC St. Pauli gewechselt. Meinst Du, dass dieser Wechsel passt?Ryo Nakagawara: Da bereits zwei andere japanische Spieler im Team sind, dürfte er sich wohl ziemlich wohl fühlen, zumal er bereits in verschiedenen europäischen Ländern gespielt hat. Hara spielte für eine Mannschaft aus Kyoto, die normalerweise gegen den Abstieg kämpft (bis zu einem überraschenden Titelkampf im Jahr 2025), daher weiß er, was für St. Pauli auf dem Spiel steht und welcher Druck damit verbunden ist.
MT: Was sind seine Stärken auf dem Platz?RN: Er ist am besten, wenn er sich auf dem Platz frei bewegen kann und als eine Art mobiler Zielspieler agiert. Seine größte Stärke ist sein Kopfballspiel, und er nutzt seinen Größenvorteil gegenüber Mittelfeldspielern und Außenverteidigern, um Kopfbälle auf seine Mitspieler weiterzuleiten. Nach diesen Kopfballduellen sollte man ihn bei zweiten Bällen/abgefälschten Bällen stark unterstützen, da er dann mit seinem guten technischen Spiel mit seinen Mitspielern im letzten Drittel kombinieren und zusammenarbeiten kann.
MT: In welchen Bereichen kann er sich noch verbessern?RN: Seine Torausbeute kann eher unbeständig sein, andererseits kann er sowohl mit beiden Füßen als auch natürlich mit dem Kopf abschließen. Er ist eher ein unterstützender Stürmer als ein produktiver Torjäger, eine Nummer 9. Er ist nicht der kreativste Passgeber, da er keine die Verteidigung spaltende Steilpässe spielt. Seine Torvorlagen für andere kommen in der Regel durch Flanken oder schnelle Kombinationen zustande. Auch wenn er dies nicht ohne Weiteres verbessern kann, ist Hara nicht besonders schnell (was meiner Meinung nach die meisten Leute automatisch von japanischen Stürmern annehmen), aber er läuft viel und sprintet während des gesamten Spiels.
MT: Taichi Hara war bereits vor einigen Jahren in Europa. Warum ist er damals wieder nach Japan zurückgekehrt?RN: Er war nicht gut genug, um bei Alaves in der spanischen zweiten Liga Spielzeit zu bekommen, und wurde zweimal ausgeliehen. Als er nach Japan zurückkehrte, war ihm klar, dass er sich weiter verbessern wollte und dass er beabsichtigte, nach Europa zurückzukehren. Nach zweieinhalb Jahren in der J.League, in denen er sehr gute Leistungen zeigte, in die Nationalmannschaft berufen wurde und nun zu St. Pauli wechselt, hat er dieses Versprechen eingelöst.
„Hara spielte für eine Mannschaft aus Kyoto, die normalerweise gegen den Abstieg kämpft (bis zu einem überraschenden Titelkampf im Jahr 2025), daher weiß er, was für St. Pauli auf dem Spiel steht und welcher Druck damit verbunden ist.“ Ryo Nakagawara
MT: Der FC St. Pauli benötigt eine Soforthilfe in der Offensive – kann Taichi Hara direkt helfen?RN: Ich habe in dieser Saison eine ganze Reihe von St. Pauli-Spielen gesehen, daher glaube ich, dass er das kann. Auch wenn Hara selbst vielleicht keine Tore schießt, sollte er den anderen Stürmern helfen können, zu Toren zu kommen. Hara ist bereits 26 Jahre alt und steht direkt vor dem Abstiegskampf, ähnlich wie Andō. Die Verantwortlichen von St. Pauli haben ihn offensichtlich verpflichtet, damit er sofort Wirkung zeigt.Vielen Dank für die ausführliche Einschätzung, Ryo!
Es ist sehr unwahrscheinlich, zumindest, wenn man Hara als Startelfspieler betrachtet, dass er direkt voll einsatzfähig sein wird. Taichi Hara bestritt am 06. Dezember sein letztes Pflichtspiel. Es wäre ein mittelschweres Wunder, wenn er innerhalb weniger Tage körperlich auf einem Level ist, um in der Bundesliga mitzuhalten. Allerdings ist die Angriffs-Position besonders und Spieler können ihren Teams bereits helfen, wenn es bei ihnen nur für wenige Minuten reicht. Ob Taichi Hara dieses Leistungsniveau bereits besitzt, um für den FC St. Pauli nun recht zeitnah zumindest als Joker zum Einsatz zu kommen? Die Antwort von Ryo Nakagawara lautet: Selbst, wenn er nicht direkt als Torschütze aufwarten kann, so könne er dem Team trotzdem sofort helfen.
Mein persönlicher Eindruck von Taichi Hara ist ähnlich: Er mag auf den ersten Blick nicht wie der schnellste und aufregendste Stürmer wirken. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass er dem FC St. Pauli nicht weiterhelfen kann. Seine Körperlichkeit und insbesondere sein Kopfballspiel suchen im Kader ihresgleichen. Zudem ist seine Mobilität zusammen mit seinem Zug zum Tor äußerst interessant und es ist gut vorstellbar, dass er dem FCSP in vielen Spielphasen mit dieser Kombination an Eigenschaften weiterhelfen kann.Herzlich willkommen am Millerntor, Taichi Hara!// Tim
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