FC Bayern München
·10. September 2026
Wie der FCB aus Geduld wieder Glanz machte

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·10. September 2026

Michael Olise atmete tief durch, blies die Backen auf, wischte sich etwas Schweiß vom Gesicht und richtete den Blick geradeaus in Richtung Südkurve. Große Emotionen und Worte nach dem Spiel sind nicht seine Art. Der Schlusspfiff war gerade verklungen, dann kamen Alphonso Davies und Jamal Musiala zu ihm, sie unterhielten sich, ein Lächeln huschte über Olises Gesicht. In diesem Moment war zu erkennen, was dieser Abend für ihn und den FC Bayern bedeutete.
Das 5:0 am Donnerstagabend zum Start in die Champions League-Saison gegen FK Bodø/Glimt war ein glänzender Start. Der erste Schritt auf einer langen Reise. „Wir wollten gewinnen und am Ende haben wir gewonnen. Deshalb sind wir glücklich“, analysierte Olise so präzise, wie er zuvor zwei Schüsse ins gegnerische Tor gezaubert hatte.
Vor allem aber war dieser Abend eine Antwort. Nach dem torlosen Bundesliga-Spiel auf Schalke wurde dieses Mal aus Kontrolle wieder Konsequenz. Aus Ballbesitz wurden Tempo und wunderschöne Tore.
„Wir hätten in der ersten Halbzeit ein oder zwei Tore machen können. In der zweiten Halbzeit haben wir dann zum richtigen Zeitpunkt das Tor gemacht und sind dadurch in Schwung gekommen. Der Gegner musste etwas mehr Druck machen und wir konnten nachlegen“, sah Trainer Vincent Kompany.
Die erste Hälfte hatte tatsächlich noch einmal gezeigt, wie anspruchsvoll es sein kann, gegen einen brutal tiefen Block anzulaufen. Die Norweger versuchten, den Münchnern ähnlich wie Schalke den Weg ins Zentrum zu versperren. Bayern blieb in der richtigen Richtung unterwegs, aber noch fehlte der perfekte Tiefenlauf, die letzte Schärfe im Abschluss. Die Zahlen zur Pause beschrieben dieses Bild ziemlich genau: 72 Prozent Ballbesitz, elf Abschlüsse, fünf Schüsse aufs Tor. Die Partie verlangte Geduld und irgendwann den Moment, in dem man das Tempo entscheidend erhöht.
Genau diesen Moment fand Bayern nach der Pause durch mehr Entschlossenheit. Musiala (47.) brachte mit seinem wunderschönen Schuss aus der Drehung die Erleichterung in die Allianz Arena.
Danach war der Offensivakteur „richtig glücklich“. Sein Fazit: „Ich freue mich, jetzt wieder im Rhythmus zu sein. Es war ein super Moment und ich bin sehr glücklich für mich persönlich und das Team. Ich weiß, dass noch Schritte zu gehen sind, aber der Spaß, mit der Mannschaft auf dem Platz zu sein, ist das schönste Gefühl“, sagte er.
Die schönsten Bilder und Fotos vom Heimspiel des FC Bayern gegen FK Bodø/Glimt am 1. Spieltag der Champions League-Saison 2026/27.





























Mit seiner Freude war Musiala nicht alleine, wie Kompany treffend einordnete: „Ich glaube, ich habe mich genauso gefreut wie die Menschen im Stadion und wahrscheinlich noch viele mehr vor dem Fernseher. Jetzt wünsche ich mir, dass der Fokus wieder auf seiner Leistung liegt. Alles andere ist Teil seines Lebens, er weiß, wie er damit umgehen muss, und bekommt von uns die volle Unterstützung.“
Einmal in Schwung, legte der FCB durch Harry Kane nach (61.). Davies traf mit einem Distanzhammer (78.). Olise setzte mit zwei Treffern den glänzenden Schlusspunkt (83./90.+2). Der Knoten platzte, weil Bayern ruhig blieb und gleichzeitig zwingender wurde.
Darin lag auch der große Unterschied zur Schalke-Partie. Auch dort hatte der FCB den Ball, die Kontrolle und die Feldüberlegenheit. Gegen Bodø/Glimt kam die Konsequenz dazu. Die Flügel wurden besser eingebunden. Bayern vertraute auf die eigene Qualität.
Dass dieser Champions-League-Auftakt am Ende so eindeutig wurde, war das Ergebnis einer Mannschaft, die sich in ein Spiel hineinarbeitete. 25 Abschlüsse, zwölf Schüsse aufs Tor, 2,49 Expected Goals und 37 Ballaktionen im gegnerischen Strafraum belegten die Münchner Dominanz. Noch bemerkenswerter: Bodø/Glimt brachte keinen einzigen Schuss auf das Tor von Manuel Neuer. Bayern kontrollierte also nicht nur den Ball, sondern auch das Risiko.
„In der Halbzeit war die Botschaft: Wir müssen weiter an die Tür klopfen. Das frühe Tor nach der Pause hat das Spiel dann geöffnet. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass wir mit zunehmender Spieldauer stärker werden. Das hat man wieder gesehen“, resümierte Kane.
Für ihn war es ein weiterer Abend, der seine außergewöhnliche Rolle im Bayern-Trikot unterstrich. Im 39. Champions League-Spiel für den FC Bayern erzielte er bereits sein 34. Tor in diesem Wettbewerb. Seit seinem Wechsel nach München im Sommer 2023 traf kein Spieler häufiger in der Königsklasse. Zudem traf Kane nun im achten Champions League-Spiel in Serie. Das gelang vor ihm nur Robert Lewandowski, Cristiano Ronaldo und Ruud van Nistelrooy. Kane bleibt damit Bayerns europäische Konstante: verlässlich, wenn ein Spiel geöffnet werden muss, und eiskalt, wenn es entschieden werden kann.
Noch stärker blieb Olise im Gedächtnis, weil seine Art so gut zu diesem Spiel passte. Erst geduldig, dann präzise, am Ende beinahe spielerisch leicht. Sein linker Fuß gab diesem Auftakt den Glanz, den sich Bayern nach der Pause erarbeitet hatte.
Dass in der Schlussphase „Gute Freunde kann niemand trennen“ von den Rängen schallte, passte zu einem Abend, an dem Mannschaft und Fans spürbar gemeinsam in diese europäische Saison starteten.
Der Anfang auf der Reise zum ersehnten Henkelpott ist gemacht. Und er zeigte: Wenn Bayern aus Kontrolle Konsequenz macht, kann aus Geduld sehr schnell Glanz werden.
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