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·4. April 2026

Wie der magische Sieg den FCB mit voller Energie ins Real-Duell trägt

Artikelbild:Wie der magische Sieg den FCB mit voller Energie ins Real-Duell trägt

Als die allerletzte Minute der Nachspielzeit hoch oben von der Stadionuhr lief, sprang der Ball noch einmal zu Joshua Kimmich. Die Freiburger standen längst tief vor dem eigenen Tor, manche waren stehend K.o., gezeichnet von einem unglaublich laufintensiven, packenden und mitreißenden Bundesligaspiel. Das drohte ihnen nun inklusive einer 2:0-Führung bis in die 80. Minute hinein noch vollends aus den Händen zu gleiten. Denn Kimmich drehte sich, hob den Kopf – und schickte den Ball perfekt in die Schnittstelle der Heimdefensive auf den gestarteten Alphonso Davies.

Karl mit dem Siegtor

Der Kanadier war erst Minuten vorher von Cheftrainer Vincent Kompany eingewechselt worden. Der Cheftrainer, er versuchte in diese wilde Schlussphase hinein irgendwie von der Bank so viele Kohlen in die glutheiße Schlussoffensive zu schaufeln, wie irgendwie möglich. Davies erreichte das Zuspiel von Kimmich, er leitete den Ball scharf, flach, perfekt weiter vors Freiburger Tor. Oben auf den Rängen, wo sie zuvor gefeiert, getanzt und voller Glück lauthals gesungen hatten ob einer unglaublichen Leistung samt unglaublicher Heimführung, dort oben unterm Stadiondach, da hielten sie nun alle den Atem an – Freiburgfan wie Bayernanhänger. Die Hereingabe von Davies, sie passierte unbehelligt den Fünfmeterraum. Noah Atubolu, der zuvor einige Male fantastisch gegen Michael Olises und Luis Díaz‘ Kunstschüsse pariert hatte, er sah das Unheil als Erster kommen. Der Torhüter des SCF, er erkannte, wie sich Lennart Karl von seinem Gegenspieler löste wie ein Wassertropfen von einem Blatt, wie er sich einschussbereit postierte – und dann eiskalt mit seinem rechten Fuß vollstreckte: „Mein rechter Fuß hat zum Glück funktioniert, dann war es ein unbeschreibliches Gefühl“, meinte der Siegtorschütze und strahlte. 3:2 für den FC Bayern. Neunte Minute der Nachspielzeit.


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Es war ein Schuss tief hinein ins Freiburger Fußballherz. Und ein Treffer, der bei den Gästen einen riesigen Knall der Erlösung auslöste, eine gewaltige Welle der Energie lostrat, die den kompletten FC Bayern erst überflutete und dann raketenartig hochfliegen ließ, so hoch, dass man den Torschrei vermutlich bis auf die spanische Ferieninsel ins Stadion des RCD Mallorca hörte. Dort unterlag Real Madrid seine Generalprobe des alles elektrisierenden Viertelfinal-Hinspiels der Champions League am kommenden Dienstag mit 1:2.

Ein Sieg, an den niemand mehr gedacht hätte

An einen Bayern-Sieg in Freiburg hatte allerdings auch sehr lang selbst die größten Optimisten nicht mehr gedacht. „Das gibt uns natürlich großes Vertrauen: Wir können jeden schlagen! Das war ein enorm wichtiger Sieg, das war etwas sehr, sehr Besonderes - das haben wir auch in der Kabine gerade gesagt!“, verriet Lennart Karl. Vorher aber, da hatten Johan Manzambi und dann auch noch Lucas Höler bis zur 81. Minute für Freiburg einen nicht unverdienten 2:0-Vorsprung herausgeschossen. „Ich bin schon lang im Verein und habe noch nie ein Spiel erlebt, das wir so gegen Bayern gespielt haben“, freute sich Freiburgs Lucas Höler. „Du musst mutig sein, wir haben sie hoch gepresst die ganze Zeit. Wir mussten viel mehr laufen. Dass am Ende die Kräfte ausgehen, ist klar.“

Freiburg rannte und lief, grätschte und kämpfte, als hätte man die Gastgeber mit Anpfiff weg wie einen Windhund auf der Hasenjagd von der Leine gelassen. Freiburg tauchte aggressiv in jeden Zweikampf, die Freiburger Spieler verfolgten ihre Gegner vom FC Bayern – selbst Innenverteidiger Matthias Ginter Bayerns Harry-Kane-Ersatz Serge Gnabry bis in den Münchner Strafraum. „Die erste Halbzeit war brutal. Wir wussten, dass sie uns verfolgen werden, sie spiele ähnlich wie wir, Mann-gegen-Mann. Sie sind uns über den ganzen Platz gefolgt, das war sehr intensiv“, gestand Tom Bischof. Die Folge: Bayern tat sich enorm schwer, Luft zum Atmen zu bekommen, geschweige denn, einen geordneten Spielaufbau zu kreieren. Stattdessen unterliefen Abspielfehler, die Freiburg clever für Torchancen nutzte – ohne jedoch bis zur Pause zu treffen.

29 Sekunden nach Wiederanpfiff

Wer sich gewundert hatte, als Vincent Kompany im Vorfeld von einem der „schwierigsten Auswärtsspiele in der Bundesliga“ gesprochen hatte, sah sich spätestens bestätigt, als jenes Freiburg 39 Sekunden nach dem Seitentausch per platziertem Fernschuss in Führung ging – das früheste Gegentor in Halbzeit zwei für den FC Bayern in diesem Jahrtausend. Freiburg konterte weiter frech, blieb griffig und mutig, erzielte nach einem Eckball sogar noch das 2:0 (71.). Es war erst das vierte Mal überhaupt, dass die Kompany-Bayern in der Liga mit mindestens zwei Toren Unterschied zurücklagen. Es schien, ein aus Freiburger Sicht mehr als perfekter Nachmittag zu werden. „Wir wären aber nicht Bayern, wenn wir nicht immer an uns glauben würden“, erinnerte Tom Bischof.

Kompany brachte in einem Dreifachwechsel frische Beine, warf Jamal Musiala in die Partie, Aleksandar Pavlović, Alphonso Davies, Konrad Laimer und natürlich auch Michael Olise, den er lange geschont hatte. Was folgte – vor allem Dank Olises immensem Tordrang -, war ein kontrolliertes, immer zwingenderes Anrennen aufs Heimtor. Der FC Bayern stemmte sich nun wuchtig gegen die drohende Niederlage im letzten Spiel vor dem Kräftemessen mit Real Madrid wie die Mauer eines Staudamms gegen die drückenden Wassermassen. Der Druck für die abgekämpften Freiburger, die offensiv nach dem Tor zum 2:0 gar nicht mehr stattfanden, nahm minütlich zu wie in einem Schnellkochtopf. „Vielleicht ist es am Ende auch deswegen zu uns gedreht, weil sie so viel Energie verbraucht haben“, sagte Vincent Kompany. „Du gehst mit 2:0 in Führung, nach 90 Minuten führst du immernoch 2:1“, haderte Freiburgs Lucas Höler: „Und am Ende verlierst du noch. Das ist schon extrem bitter.“

Zwei fast identische Fernschüsse ins Glück

Es war Tom Bischof, der den FC Bayern mit zwei fast identischen Fernschusstreffern erlöste – einmal schickte der Neuzugang aus Hoffenheim den Ball mit rechts flach ins linke Toreck zum 1:2, dann mit links flach ins rechte Toreck zum 2:2. Es waren die beiden ersten Bayerntore für den 20-Jährigen überhaupt und die Treffer 98 und 99 für die Torrekordjagd seiner Mannschaft. „So ein Spiel ist das perfekte Spiel für das kommende Spiel gegen Real. Wir merken, war wir für ein Team sind, wir halten zusammen, das schweißt uns brutal zusammen“, freute sich der Münchner Doppeltorschütze. Freiburg taumelte im Gegentorschock wie ein angeschlagener Boxer dem Spielende entgegen – und Joshua Kimmich, der drehte sich, hob den Kopf - und schickte den Ball perfekt in die Schnittstelle der Heimdefensive auf den gestarteten Alphonso Davies.

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