„Wie einst bei Luca Toni“: Arianna Caruso im exklusiven Interview | OneFootball

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·29. August 2025

„Wie einst bei Luca Toni“: Arianna Caruso im exklusiven Interview

Artikelbild:„Wie einst bei Luca Toni“: Arianna Caruso im exklusiven Interview

Seit Februar spielt Arianna Caruso beim FC Bayern. Die Italienerin, die zuvor siebeneinhalb Jahre das Trikot von Juventus Turin trug, spricht im Interview über Anpassungsprobleme in München, ihre Rolle auf dem Platz und die Europameisterschaft in der Schweiz.

Manchmal im Leben muss es schnell gehen und es bleibt einem nicht viel Zeit, nachzudenken. Als sich Georgia Stanway Ende Januar schwer am Knie verletzt, ist so eine Situation eingetreten. Der FC Bayern muss handeln und verpflichtet Arianna Caruso aus Turin.


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Ein Wechsel, der im wahrsten Sinne des Wortes von einem Tag auf den anderen über die Bühne geht. Knapp sechs Monate sind seit der Verpflichtung der italienischen Nationalspielerin vergangen. Zeit, zurückzublicken auf ereignisreiche Wochen in München und eine historische Europameisterschaft für die Squadra Azzurra.

Miasanrot hat mit der Italienerin gesprochen.

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Arianna Caruso über EM 2025: „Haben etwas erreicht, mit dem Niemand gerechnet hat“

Hinweis: Das Interview wurde vor dem Testspiel gegen Lyon geführt.

Miasanrot: Es ist noch nicht allzu lange her, da sind Sie im Halbfinale der Europameisterschaft gegen England ausgeschieden. Die Pause bis zum Trainingsauftakt beim FC Bayern war entsprechend kurz. Wie geht es Ihnen persönlich, sind Sie bei 100 Prozent?

Arianna Caruso: Es war ehrlich gesagt nicht ganz einfach nach einem solchen Großereignis wie der Europameisterschaft wieder mit dem Training anzufangen, da die Intensität aber auch die mentale Belastung rund um das Turnier doch sehr hoch war. Aber hier beim FC Bayern trainieren wir sehr gut und ich fühle mich von Tag zu Tag besser.

Die Niederlage gegen England im EM-Halbfinale war sehr unglücklich. Wie schwierig war es danach sich wieder für neue Aufgaben zu motivieren?

Ich denke das Schöne am Fußball ist: Egal wie ein Spiel ausgeht, wir haben im Grunde jede Woche eine neue Herausforderung, eine Chance, es besser zu machen.

Natürlich war es traurig, so aus der Europameisterschaft auszuscheiden. Aber jetzt blicke ich nach vorne. Schließlich haben wir noch viel mit dem Verein vor. Deshalb bin ich natürlich motiviert und kann es kaum erwarten, dass die Saison endlich losgeht.

Was sind Ihre Ziele in München?

Ich möchte natürlich Titel gewinnen. Und auf mich persönlich bezogen: Ich hoffe, dass ich meine beste Version zeigen kann. Als ich nach München gekommen bin, war es am Anfang nicht ganz leicht für mich, ich bin quasi von einem Tag auf den anderen hierhergezogen und war noch nicht in Bestform.

Wir kommen später noch auf Ihren Start in München zu sprechen. Zuerst noch einmal zurück zur Nationalmannschaft. Der italienische Fußball der Frauen war in den 1990er Jahren recht erfolgreich. Zwei vierte Plätze und zwei Finalteilnahmen bei Europameisterschaften konnten erreicht werden. Was bedeutet es für Sie, dass Italien nach schwierigen Jahren wieder an die Erfolge von früher anknüpfen konnte?

Das Abschneiden bei der Europameisterschaft macht mich sehr stolz. Wir haben etwas erreicht, was Niemand von uns erwartet hat. Es stimmt, die letzten Turniere waren wirklich nicht gut, deshalb bin ich sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben etwas Großartiges geschafft und wir müssen darauf aufbauen, damit auch die nächsten Turniere erfolgreich werden.

Kommen wir zum FC Bayern: Die Saison beginnt Ende August mit dem Supercup gegen den VfL Wolfsburg. Wie läuft die Vorbereitung bisher?

Es läuft gut. Das Spiel gegen Real Madrid zuletzt war wirklich gut, wir waren sehr zufrieden mit unserer Leistung. Aber wir können uns noch weiter verbessern, haben noch Arbeit vor uns. Das Testspiel gegen Zürich hat uns beispielsweise nicht so gut gefallen, aber das ist nicht ungewöhnlich während einer Saisonvorbereitung.

Wir haben einen neuen Trainer und neue Spielerinnen, daher kann man nicht erwarten, dass alles gleich einhundertprozentig klappt. Aber wir haben eine tolle Mannschaft und ich bin mir sicher, dass wir zeigen werden, dass wir gemeinsam Großes leisten können.

Wechsel zum FC Bayern? Caruso will als Mensch und Spielerin wachsen

Ihr Abschied aus Turin war ziemlich emotional. Für die „alte Dame“ haben sie über 200 Spiele bestritten. Warum haben Sie Ihre Heimat verlassen?

Ein Wechsel ins Ausland war schon immer etwas, was ich im Hinterkopf hatte. Ich glaube, dass man dadurch als Mensch aber auch als Spielerin wachsen kann. Natürlich war die Situation eine große Herausforderung für mich, schließlich war alles neu: Das Land, die Umgebung, die Teamkolleginnen.

In der Serie A spielt mit Lina Magull eine Spielerin, die lange beim FC Bayern aktiv war. Linda Sembrant, die letzte Saison den Klub verlassen hat, hat man Ihnen zusammen bei Juventus gespielt. Haben Sie sich mit Jemandem vor Ihrem Wechsel nach München ausgetauscht?

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich keine Zeit dafür. Ich habe den Anruf abends erhalten und bin am nächsten Tag nach München gereist. Es ging alles sehr schnell. Aber ich hatte das Gefühl, dass es für mich die richtige Entscheidung war, umzuziehen. Und deshalb habe ich es dann auch getan.

Bei Juventus waren sie Stammspielerin, sogar Kapitänin, in München haben sie anfangs nicht so viel Spielzeit erhalten. Hat Sie das überrascht?

Nein, überhaupt nicht. Als ich hierher kam wusste ich, dass die Konkurrenz groß sein wird. Es hat mich nicht überrascht, dass es am Anfang schwer war, Spielzeit zu bekommen. Mir war schnell klar, dass ich, bevor ich in der Startelf stehen kann, die bestmöglichste Leistung von mir zeigen muss.

Das war ein Prozess und ich bin ruhig mit der Situation umgegangen. Es ist ja nicht so, dass ich zu irgendeinem beliebigen Verein gewechselt bin, sondern zu einem bedeutenden Klub, der viele tolle Spielerinnen hat. Ich musste mich also beweisen und erst einmal zeigen, dass ich in die Startelf gehöre.

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Arianna Caruso: „Will die beste Version von mir zeigen“

Sie sprechen davon, die beste Version von sich selbst zu sein. Inwieweit hat Ihnen der Erfolg bei der Europameisterschaft und das Tor im ersten Gruppenspiel gegen Belgien dabei geholfen?

In der Nationalmannschaft fühle ich mich, so wie damals bei Juventus, in einer Komfortzone. Da ist es für mich etwas einfacher. Das ist etwas, woran ich in München noch arbeite.

In Turin haben sie oft auf der Zehn hinter zwei Spitzen gespielt, in München war das System in der letzten Saison ein 4-2-3-1 mit nur einer klaren Spitze. In welcher Formation würde die Trainerin Caruso aufstellen?

Das ist eine gute Frage. Ich denke ich würde drei Spielerinnen im Mittelfeld aufstellen, da ich mich eher in der Nähe des Tores sehe, nicht in der Defensive, sondern im Angriff.

Ich denke, wenn ich näher am gegnerischen Tor spiele, kann ich dem Team mehr helfen, weil ich vielleicht mit Vorlagen oder Toren beitragen kann. Eine offensivere Rolle entspricht eher meinen Qualitäten als die Position vor der Abwehrreihe.

Also eine Position, die Sie auch in der Nationalmannschaft innehaben?

Ja genau. Wobei ich überall spiele, wo mich der Trainer aufstellt. Zur Not auch in der Innenverteidigung, wobei ich nicht weiß, ob das so sinnvoll wäre (lacht).

Zur neuen Saison haben sich die Vorzeichen geändert. Julia Zigiotti Olme und Sydney Lohmann haben den Verein verlassen, Georgia Stanway und Lena Oberdorf sind wieder fit. Wo sehen Sie sich in diesem stark besetzten Mittelfeld?

Wir haben einen sehr gut besetzten Kader und haben gleichzeitig viele Spiele in der Saison zu bestreiten. Deshalb denke ich, dass jede Spielerin im Kader wichtig ist und zu Einsätzen kommen wird, denn wir brauchen jede einzelne Spielerin im Kader.

Wenn Sie eine Fähigkeit von Ihren Konkurrentinnen im Mittelfeld haben könnten, welche wäre das?

Von Lena Oberdorf hätte ich gerne ihre Physis, von Sarah Zadrazil die Mentalität und von Georgia Stanway die Schusskraft und Präzision.

Ihre Schusstechnik ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern, Sie konnten für Juventus einige Treffer aus der Distanz erzielen…

Das stimmt. Ich hoffe, dass es mir demnächst auch für Bayern gelingen wird. Wobei es mir eigentlich egal ist, wie ich treffe. Hauptsache, der Ball ist drin.

Wie ist Ihr erster Eindruck vom neuen Trainer José Barcala und was macht er anders als Vorgänger Straus?

Mir gefällt die Spielidee von José. Er liebt es den Ball zu haben, wir spielen sehr offensiv. Aber ein Vergleich mit Alexander ist schwierig, da ich ihn nicht so gut kannte und nur drei Monate unter ihm trainiert habe. Auch José kenne ich noch nicht lange. Wir werden sicherlich im Laufe der Saison ein paar Dinge verbessern, aber auch Sachen beibehalten, die in den vergangenen Jahren gut gelaufen sind.

Nach dem Supercup in Karlsruhe erwartet Sie ein nächstes Highlight-Spiel. Die Bundesliga wird in der Allianz Arena eröffnet. Wie groß ist die Vorfreude im Team?

Das wird ein großartiges Spiel. Ich bin sehr auf die Atmosphäre mit so vielen Fans gespannt. Aktuell sind über 45.000 Tickets verkauft – so viele waren es in der Frauen-Bundesliga noch nie. Gleichzeitig geht im Fußball alles so schnell und sportlich gesehen denken wir von Spiel zu Spiel. Jetzt fokussieren wir uns auf Lyon, dann auf den Supercup und dann auf das Spiel gegen Leverkusen. Ich hoffe, dass wir in beiden Pflichtspielen eine starke Leistung zeigen und gewinnen können.

Artikelbild:„Wie einst bei Luca Toni“: Arianna Caruso im exklusiven Interview

Neuer Verein, selbes Bild: Arianna Caruso mit einer Trophäe.(Foto: Lars Baron/Getty Images)

Sie sind seit Februar beim FC Bayern, sind mitten in der Saison gewechselt, danach ging es Schlag auf Schlag: Bundesliga, Pokal, Champions League, viele Reisen. Anschließend die Meisterfeierlichkeiten, das Turnier in Portugal, die Europameisterschaft: Wie schwierig ist es bei solch einem Zeitplan, in einer neuen Stadt anzukommen?

Das ist natürlich nicht ganz einfach, aber Teil unseres Jobs. Unsere Aufgabe ist es von Spiel zu Spiel zu schauen, uns auszuruhen und zu erholen, da bleibt nicht viel Zeit für andere Dinge.

Konnten Sie denn schon ein bisschen München erkunden?

Ja, ein wenig. Meine Eltern waren zu Besuch und sie wollten etwas Sightseeing machen, da habe ich sie begleitet. Ich hoffe, dass ich in den kommenden Monaten noch öfter die Gelegenheit haben werde, mehr von der Stadt und der Umgebung zu sehen.

Auf Social Media sieht man, dass einige Ihrer Mitspielerinnen vor den Spielen Pasta-Partys feiern. Sind Sie als Expertin mittlerweile auch eingeladen?

(Lacht). Nein noch nicht. Ich war einmal bei Magdalena und Pernille in der Wohnung, da habe ich gekocht. Die beiden wollten, dass ich Carbonara zubereite. Sie müssten also die Beiden fragen, ob es geschmeckt hat oder nicht.

Ist das Ihr Lieblingsessen?

Wenn ich Pasta esse, ja.

Und wie kommen sie mit der deutschen Küche zurecht?

Natürlich vermisse ich die italienische Küche. Ich finde, wir haben das beste Essen der Welt. Aber ja, ich bin offen für Neues. Das deutsche Essen ist schon okay, ich lebe noch (lacht).

Arianna Caruso will es beim FC Bayern wie Luca Toni machen

Man sagt ja gerne, das München die nördlichste Stadt Italiens sei. Können Sie das bestätigen?

Wenn ich bisher in der Stadt unterwegs war, habe ich immer einige Italiener getroffen. Also wahrscheinlich ist da etwas dran. Ich finde auch, dass wir Italiener manchmal etwas klischeehaft über Deutschland denken, dass es dunkel und kalt ist. Aber das kann ich nicht bestätigen, ich mag es sehr hier.

Haben Sie schon einen Lieblingsort in München?

Nein, wenn ich frei habe, laufe ich durch die Stadt und versuche immer etwas Neues zu entdecken, gehe Brunchen oder mache etwas anderes. Ich suche mir immer neue Orte, die ich entdecken kann. Deshalb gibt es noch nicht den einen, besonderen Fleck. Der Rathaus-Balkon hat mir allerdings schon gefallen.

Arianna, welche Schlagzeile würden Sie gerne in einem Jahr über sich lesen?

Ich hoffe, dass mich die Bayern-Fans in einem Jahr so in ihr Herz geschlossen haben wie es einst bei Luca Toni der Fall gewesen ist. Das würde ich mir wünschen. Ich hoffe, dass ich dasselbe für diesen Verein und diese Mannschaft leisten kann und wir dann erfolgreich sein werden.

Dafür müssten Sie vielleicht seinen Torjubel nachahmen?

Ja, ich werde ihn fragen, ob ich das darf (lacht).

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