FC Bayern München
·15. September 2026
Wieder Alara, wieder Leverkusen: Wie sich Geschichte nahezu wiederholte

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·15. September 2026

Manche Fußballgeschichten wirken erfunden, gerade weil sie sich so bereitwillig wiederholen. Alara stand in der 88. Minute am Rand des Leverkusener Strafraums, nahm den Ball von Klara Bühl an und schob ihn mit bemerkenswerter Ruhe ins lange Eck. Ein Déjà-vu. Vor knapp zwei Jahren hatte die heute 19-Jährige an gleicher Stelle ihr erstes Bundesligator für den FC Bayern erzielt, ebenfalls zum 3:2, damals in der 90. Minute. Nun also ihr zehntes Tor, wieder gegen Leverkusen, wieder zum 3:2. Der Fußball hatte sich seine Pointe aufgehoben. Doch der Reihe nach: Dieser furiose Abend im Rheinland begann lange, bevor Alara in der 88. Minute den Schlusspunkt setzte.
Der Weg zum vierten Sieg im vierten Spiel war weit weniger geradlinig, als es das Ergebnis und die Statistik viellleicht vermuten lässt. Die FCB-Frauen hatten den Ball beinahe ständig - 76 Prozent Ballbesitz standen am Ende zu Buche - bewegten ihn geduldig durch die Reihen und drängte Leverkusen tief in die eigene Hälfte. Die Werkself verteidigte mit großer Disziplin, verdichtete die Räume und machte aus beinahe jeder Angriffssituation eine Geduldsprobe. Die Doublesiegerinnen spielten dabei über weite Strecken ordentlich, bisweilen gut, aber nicht durchgehend mit jener Präzision, die aus Überlegenheit zwingende Torchancen entstehen lässt. Es fehlte das gewisse Etwas, manchmal der Mut. „Am Ende hat nur der letzte Pass oder der letzte Abschluss gefehlt“, sagte Franziska Kett, die nach ihrer Verletzungspause erstmals wieder von Beginn an auf dem Platz stand.
José Barcala sah jene Halbzeit dennoch als einen der stärksten Abschnitte in der bisherigen Spielzeit. „Die ersten 45 Minuten waren wahrscheinlich die besten in dieser Saison, wir hatten eine enorme Kontrolle“, sagte der Spanier. Es war die Dominanz, die sich aber nicht vollständig in Gefahr übersetzte. Und genau darin lag die kleine Unruhe dieses Spiels: Bayern bestimmte die Richtung, Leverkusen bestimmte die Geduld.
Die Highlights der Partie im Video:
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Es passte zu diesem Abend, dass Leverkusen ausgerechnet in einer Phase zuschlug, in der Bayern kaum etwas zugelassen hatte. Paulina Tomasiak, Leverkusens Neuzugang, traf mit einem abgefälschten Freistoß zur Führung. Kurz darauf, nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich, nutzte sie einen Fehler im Münchner Aufbau und stellte auf 2:1. Zwei Chancen, zwei Tore. Und eine Spielerin, die Bayern immer wieder vor Aufgaben stellte.
Die Polin gehörte an jenem Septemberabend zu den auffälligsten Leverkusenerinnen. Sie lief, presste, verteidigte und schloss ihre Möglichkeiten mit bemerkenswerter Konsequenz ab. Bianca Rech hob nach dem Spiel Leverkusens Kollekitv- aber auch ihre Leistung hervor: Gerade ihre Sprintfähigkeit sei ein Ausrufezeichen gewesen. Es gehört zur Einordnung dieses Abends dazu, auch die Stärke des Gegners anzuerkennen. Leverkusen machte Bayern das Leben schwer – und Tomasiak stach dabei hervor.
Inmitten dieses turbulenten Spiels schrieb auch Giulia Gwinn ihre eigene kleine Geschichte. Ihr 150. Pflichtspiel für den FC Bayern war nicht nur eine Zahl am Spielfeldrand. Die 27-Jährige prägte die Partie mit ihrer Dynamik auf der rechten Seite und wurde zur wichtigsten Vorlagengeberin des Abends. In der 51. Minute fand ihre Hereingabe Vanessa Gilles, die zum Ausgleich einköpfte. In der 68. Minute war es erneut Gwinn, die mit einem präzisen Ball Edna Imade bediente. Zwei Vorlagen in ihrem Jubiläumsspiel – und damit ein wesentlicher Anteil daran, dass Bayern nach zweimaligem Rückstand in dieses Spiel zurückfand.
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Für Gilles war der Treffer mehr als nur ein Ausgleich – er war die Fortsetzung einer bemerkenswerten Serie. Zum dritten Mal in Folge traf die Kanadierin in der Bundesliga, bereits zum dritten Mal in den ersten vier Ligaspielen dieser Saison. Ausgerechnet eine Innenverteidigerin, die ihr Geld eigentlich mit dem Verhindern von Toren verdient, findet derzeit auffallend zuverlässig den Weg ins gegnerischen Netz. Bei Gilles gilt offenbar: Wer hinten dichtmacht, darf vorne ruhig aufmachen.
Nach dem zweiten Leverkusener Treffer wurde das Spiel offener. „Nach dem erneuten Rückstand ist die Kontrolle aufgrund der Emotionen etwas verloren gegangen“, räumte Barcala ein. Doch genau in diesem Moment zeigte sich eine Qualität, die nicht in Ballbesitzstatistiken zu finden ist: die Tiefe des Kaders. Edna Imade kam, und kaum zwei Minuten später köpfte sie nach Gwinns Flanke zum 2:2 ein. Alara kam ebenfalls von der Bank. Später sollte sie das Spiel entscheiden.
„Es spricht für uns, dass wir dann diese Mentalität und Bank haben, um noch zwei Tore zu schießen“, sagte die Siegtorschützin im Anschluss an die Partie. Rech sprach ebenfalls von der zusätzlichen Power, die die Münchnerinnen mit ihren Einwechselspielerinnen auf den Platz bringen konnten. Es war kein Abend, an dem alles funktionierte. Aber es war einer, an dem Bayern Lösungen fand.
Dann kam die 88. Minute. Tanikawa spielte den Ball auf Bühl, Bühl sah Alara zentral am Strafraum. Ein Kontakt, ein kurzer Blick, ein platzierter Schuss. Der Ball strich am Innenpfosten vorbei ins Netz. 3:2. Es war wohl kein Zufall, dass am Ende ausgerechnet sie die Geschichte dieses Spiels schrieb. Vor zwei Jahren hatte sie in Leverkusen ihr erstes Bundesliga-Tor für Bayern erzielt, damals in der letzten Minute. Am Montag war es ihr zehntes – zwei Jahre später, zwei Jahre reifer, zwei Jahre erfahrener. Wieder Leverkusen. Wieder 3:2. Wieder Alara.
Die Münchnerinnen werden aus diesem Spiel deshalb nicht mit dem Gefühl gehen, eine perfekte Vorstellung abgeliefert zu haben. Dafür war der Auftritt über weite Strecken zu wenig konsequent, dafür ließ sich die Mannschaft nach dem zweiten Gegentreffer zu sehr aus ihrer Ordnung bringen. Aber genau deshalb ist dieser Sieg womöglich wertvoller, als es ein glatter Erfolg gewesen wäre. Kett kehrte zurück. Gwinn feierte ihr 150. Spiel mit zwei Vorlagen. Gilles traf zum dritten Mal in Serie. Edna Imade und Alara kamen von der Bank und veränderten die Partie. Und eine Mannschaft, die zweimal einem Rückstand hinterherlaufen musste, fand zweimal zurück. „Die Mädels haben Moral gezeigt und sind zurückgekommen“, sagte Kett. „Das ist eine sehr große Stärke von uns.“
Vielleicht ist das die passendste Beschreibung dieses Abends: kein Spiel, das die Bayern mit Leichtigkeit gewann, sondern eines, das sie sich erarbeiten mussten. Ein Spiel, in dem Leverkusen lange standhielt, Tomasiak glänzte und der FCB nicht immer die Kontrolle in Klarheit übersetzen konnte. Aber eben auch eines, in dem Erfahrung, Widerstandskraft und die Qualität von der Bank am Ende den Unterschied machten. Und so steht am Ende die Zahl, die bei Bayern inzwischen fast beiläufig wirkt und gerade deshalb bemerkenswert ist: 46 Bundesliga-Spiele in Folge ungeschlagen. Dazu zwölf Punkte aus vier Spielen. Und Alara? Sie hat in Leverkusen offenbar ihren ganz eigenen Fußballort gefunden.
🗞️ Der Spielbericht zum Sieg in Leverkusen:
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