Wirtz, Urbig, Bisseck: Warum der 1. FC Köln aus seinen vermeintlichen Fehlern bei den Nationalspielern nichts gelernt haben kann | OneFootball

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·27. September 2026

Wirtz, Urbig, Bisseck: Warum der 1. FC Köln aus seinen vermeintlichen Fehlern bei den Nationalspielern nichts gelernt haben kann

Artikelbild:Wirtz, Urbig, Bisseck: Warum der 1. FC Köln aus seinen vermeintlichen Fehlern bei den Nationalspielern nichts gelernt haben kann
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Wirtz, Urbig, Bisseck: Warum der 1. FC Köln aus seinen vermeintlichen Fehlern bei den Nationalspielern nichts gelernt haben kann

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Matthias Wilhelm

27 September, 2026

Im ersten DFB-Aufgebot von Jürgen Klopp stehen insgesamt vier Spieler, die zumindest Teile ihrer Ausbildung in den Nachwuchsmannschaften des 1. FC Köln verbracht haben. Obwohl die Situationen höchst unterschiedlich waren, bleibt die Frage, warum diese Spieler die entsprechende Entwicklung nicht in Köln nehmen konnten. Stattdessen haben alle den Club jung verlassen und den Durchbruch anschließend woanders geschafft. Konnte der FC aus diesen Fehlern etwas mitnehmen, oder lag es womöglich gar nicht an den Geißböcken?

Der 1. FC Köln glänzte speziell in den vergangenen Jahren durch hervorragende Jugendarbeit. Die U19 erreichte zuletzt zweimal hintereinander das Finale um die Deutsche Meisterschaft und auch die U17 gehört zu den besten Teams des Landes. Es dürfte also wenig überraschen, dass auch in der deutschen A-Nationalmannschaft einige Spieler am Geißbockheim ausgebildet wurden. Mit Yann-Aurel Bisseck, Florian Wirtz, Jonas Urbig und Chris Führich sind es insgesamt vier. Beim FC selbst durchsetzen, konnte sich damals jedoch keiner von ihnen.

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Jonas Urbig im DFB-Dress

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Obwohl die Bedingungen im Kölner Grüngürtel mit vielen anderen Nachwuchsleistungszentren nicht vergleichbar sind, gehören die Jugendteams des 1. FC Köln seit einigen Jahren schon zu der deutschen Elite. Beispiele der letzten Jahre für Spieler, die sich beim FC selbst durchsetzen konnten sind Jan Thielmann, Timo Horn oder Salih Özcan. Dennoch schaffen den Sprung in den Profibereich in der Regel nur die allerwenigsten. Die Kunst ist jedoch, die größten Talente in den eigenen Reihen zu halten. Mit Blick auf die heutigen Nationalspieler muss konstatiert werden, dass das nicht immer der Fall war. Trotzdem ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst den Anschein hat. Die Antwort ist mindestens vielschichtig.



Aussortierte Talente

Führich und Bisseck debütierten beide in der Saison 2017/18 für den FC in der Bundesliga. Während die Mannschaft über das ganze Jahr hinweg mit großen Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, wurden immer wieder junge Spieler eingesetzt, um dem drohenden Abstieg entgegenzuwirken. Ändern konnte keiner von ihnen etwas und am Saisonende stiegen die Kölner abgeschlagen ab.

Bisseck galt damals als Top-Talent in der Innenverteidigung. Bei seinem Debüt gegen Hertha BSC wurde er zum damals zweitjüngsten Bundesligaspieler aller Zeiten. Durchsetzen konnte sich der gebürtige Kölner beim FC jedoch nie. Dreimal wurde er verliehen, bevor er 2021 endgültig abgegeben wurde. Bei keinem seiner Leihclubs überzeugte er und wurde häufig sogar in die zweite Mannschaft verwiesen. Der Verkauf an Aarhus GF im Sommer 2021 überraschte zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr. Der Entwicklungsschub wurde dem Innenverteidiger lange zugetraut, tatsächlich folgte dieser jedoch erst in Dänemark. An eine Entwicklung, wie sie später folgte, glaubte in Köln damals keiner mehr.

Bei Führich war die Situation eine andere. Nach seiner Zeit in der A-Jugend von Rot-Weiß Oberhausen wechselte der Außenspieler 2017 zunächst in die zweite Mannschaft des FC. Trotz einiger Kaderberufungen spielte er am Ende nur zweimal für die Profis. 2019 trennten sich die Wege und Führich wechselte zu Borussia Dortmund. Die Erwartungen des Vereins und auch von ihm selbst konnte er nie erfüllen. Sein Abgang bekam damals kaum Aufmerksamkeit. Nach einer guten Saison in der zweiten Mannschaft des BVB und einigen Einsätzen im Profitraining ging es für den Techniker später über Paderborn nach Stuttgart. Beim VfB gelang ihm der Durchbruch und der Aufstieg zum Nationalspieler. Dass er überhaupt einmal für die Kölner gespielt hat, war vielen Fans bis dahin wohl gar nicht mehr bewusst. Auch bei Führich war es zu diesem Zeitpunkt also nicht absehbar, dass er irgendwann für Deutschland spielen würde.

Thronfolger ohne Chance

Bei Wirtz und Urbig handelt es sich hingegen um Spieler, deren Talent nie in Frage gestellt wurde. Beide verbrachten ihre gesamte Jugend beim FC und galten früh als Ausnahmetalente. Bei beiden Talenten wurde jedoch eine frühzeitige Karriereplanung verpasst, wodurch sie den Club verließen und woanders in kürzester Zeit zu Champions-League-Spielern wurden.

Urbig galt in ganz jungem Alter bereits als die Zukunft im FC-Tor. Nachdem er während seiner Leihen nach Regensburg und Fürth bereits in der 2. Liga auf sich aufmerksam machte, wurde er im Sommer 2024 nach dem Kölner Abstieg zur neuen Nummer eins erklärt. In den ersten Spielen leistete sich Urbig allerdings immer wieder kleine Wackler, die zu Gegentoren oder dem Verlust von defensiver Sicherheit führten. Zudem war Marvin Schwäbe noch da, der in der Bundesliga stets einen guten Job gemacht hatte. Nach einigen Spielen kam es zum Torhüterwechsel und von da an auch zum Aufschwung. Für Urbig war die Situation alles andere als zufriedenstellend, weshalb er den Verein verlassen wollte. Im Januar 2025 folgte der Wechsel zum FC Bayern. Der FC bekam eine stolze Ablöse von rund zehn Millionen Euro für seinen Ersatztorwart, während der eigene Torwart lieferte. Aus Kölner Sicht wohl der bestmögliche Deal – denn der Vertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Die besseren Verhandlungskarten hatte der FCB, der den Spieler im Sommer ablösefrei geholt hätte.

Das Drama um Florian Wirtz

Bei den Kölner Fans gehört Wirtz wohl nicht gerade zu den Lieblingen. Doch auch beim Offensivmann war die Situation kompliziert. In der U19 der Geißböcke war der heutige Liverpool-Star der absolute Leistungsträger. Trotzdem ließ sich der Verein lange Zeit, um an den Spieler bezüglich einer Vertragsverlängerung heranzutreten. Womöglich waren sich die Verantwortlichen zu sicher, dass der Kölner in Köln bleiben würde. Stattdessen wechselte Wirtz auf die andere Rheinseite zu Bayer Leverkusen. Dort wurde er in kürzester Zeit ein elementarer Bestandteil des Profi-Kaders. Nach dem Triumph bei der U21-Europameisterschaft ließ auch der erste Einsatz in der A-Nationalmannschaft nicht lange auf sich warten. Während Wirtz innerhalb weniger Monate zu den besten Spielern Deutschlands aufstieg, blieb in Köln vor allem eine Frage: Wie konnte man es verschlafen, diesen Spieler frühzeitig an den eigenen Verein zu binden?

Verträge und Ablösen

Ein zentraler Aspekt bei Transfers junger Spieler ist häufig die Vertragslage. Natürlich können auch Talente versuchen, sich durch langes Abwarten eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen. Anstatt Gespräche mit dem Verein führen zu müssen, können sich interessierte Clubs direkt an den Spieler wenden und ihn nach Ablauf seines Vertrags verpflichten, wobei Talent und Berater zusätzlich ein ordentliches Handgeld winkt. Für den abgebenden Verein stellt sich dadurch ein Jahr vor Vertragsende häufig eine schwierige Frage: Wird der Spieler gehalten, mit dem Risiko eines ablösefreien Abgangs im nächsten Jahr, oder wird versucht, den Youngster zu verkaufen, so lange noch die Chance besteht? Situationen, in denen Spieler über Jahre ausgebildet werden und schließlich ablösefrei wechseln, sollen wohl im Idealfall vermieden werden. Solche unangenehmen Erfahrungen hat der FC unter anderem schon bei Spielern wie Tim Lemperle, Justin Von der Hitz oder Justin Diehl machen müssen.

Im professionellen Fußball spielen zudem Berater und Egos eine sehr große Rolle. Junge Spieler sehen sich oft zu Höherem bestimmt, als den aufgezeigten Weg über Leihen und die zweite Mannschaft. Die Berater, die an den Transfers üppig mitverdienen, befeuern die Wechselgedanken oft zusätzlich. Die Vereine geraten dadurch in Situationen, in denen der Verkauf des wechselwilligen Spielers häufig der beste Ausweg ist.

Aber auch wenn die Spieler den Verein nur auf Leihbasis verlassen, setzen sie sich nicht zwangsläufig langfristig durch.  Gerade bei Talenten, die mehrfach verliehen werden, muss irgendwann entschieden werden, wie lange dieser Weg noch fortgesetzt werden soll. Neben der Beteiligung am Gehalt blockiert der Spieler auch einen potenziellen Kaderplatz für die Zeit nach seiner Rückkehr. Das Vertrauen in die Entwicklung nimmt ebenfalls mit der Zeit ab. Ein Verkauf ist dementsprechend häufig die logische Konsequenz. Die Entwicklung danach ist dennoch nicht absehbar. Manchmal benötigt es wohl einen Tapetenwechsel, um sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Die Zukunft der Talente beim 1. FC Köln

Aus FC-Sicht ist es schade, Spieler in der Nationalmannschaft zu sehen, die im eigenen Verein nie diese Rolle gespielt haben. Dennoch gehört es zu der Arbeit eines Fußballvereins dazu, dass sich auf der einen Seite nicht jeder Spieler so entwickelt wie verhofft und auf der anderen Seite Spieler abgegeben werden, die woanders aufblühen. Gleichzeitig ist mindestens offen, ob sich all diese Spieler in Köln genauso entwickelt hätten. Bisseck und Führich suchten lange nach der passenden Station, während Urbig und Wirtz bei ihren neuen Clubs unter ganz anderen Bedingungen trainiert haben. Beim Blick auf die DFB-Auswahl stellt sich für FC-Fans daher nicht nur die Frage nach eigenen Versäumnissen. In einigen Fällen kommt auch der Gedanke: Wären diese Fehler überhaupt alle vermeidbar gewesen?

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