DFB
·26. Februar 2026
Wissenschaftliche Studie zum Handspiel erschienen

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·26. Februar 2026

Schiedsrichter*innen im deutschen Profifußball bewerten Handspiele im Strafraum in hohem Maße in Übereinstimmung mit der geltenden Regelauslegung. Bei Spielern und Trainern ist das in geringerem Umfang der Fall, ihre Maßstäbe sind jedoch teilweise andere, und sie würden insgesamt weniger streng entscheiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel "Strafstoß oder nicht? Unterschiede in der Interpretation von Handspielen im Profifußball" (im englischen Original: "Penalty kick or not? Differences in the interpretation of handball incidents in professional association football").
Die Arbeit entstand unter der Federführung von Tobias Bauch, Manager für Daten- und Innovationsprojekte in der DFB Schiri GmbH. In zwei aufeinanderfolgenden Studien untersuchte er gemeinsam mit den Wissenschaftlern Daniel Leyhr, David Schmidt, Daniel Brinkmann und Oliver Höner, wie Unparteiische, Trainer und Spieler im deutschen Profifußball der Männer Handspielsituationen im Strafraum bewerten, wo die Unterschiede liegen und welche Ursachen die wiederkehrenden Diskussionen über Handspiele haben.
Zu den Teilnehmer*innen gehörten 154 Unparteiische aus der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga sowie 46 Spieler und 31 Trainer aus dem deutschen Profifußball. Sie bewerteten Videoszenen aus Spielen in UEFA-Wettbewerben, in denen jeweils ein Verteidiger im eigenen Strafraum ein Handspiel begeht. Als Referenz für die richtige Entscheidung dienten die offiziellen Regelauslegungen der UEFA.
Die Entscheidungen der Schiedsrichter*innen stimmten in beiden Studien in hohem Maße mit den Vorgaben der UEFA überein (84 Prozent beziehungsweise 81,5 Prozent). Spieler (67,5 Prozent) und Trainer (63,8 Prozent) - sie nahmen nur an der zweiten Studie teil - kamen auf deutlich geringere Werte. Insbesondere tendierten sie dazu, seltener auf Strafstoß zu entscheiden als die Unparteiischen. Sie empfinden die aktuelle Regelauslegung demnach oftmals als zu streng.
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass die Gruppen ihre Entscheidungen auf unterschiedliche Weise begründen. Die Referees orientierten sich stark am Regeltext und nannten als Hauptgrund signifikant häufiger die Natürlichkeit respektive Unnatürlichkeit der Armbewegung. Spieler und Trainer argumentierten dagegen wesentlich häufiger über den Kontext, speziell die Vermeidbarkeit und die Auswirkung des Handspiels (zum Beispiel Torverhinderung oder Einfluss auf die Flugbahn des Balles), auch wenn diese Aspekte im Regelwerk nicht als Entscheidungskriterien benannt sind.
Die Arbeit zeigt, dass das Konfliktpotenzial bei Handspielsituationen nicht allein in möglichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter liegt, sondern auch in unterschiedlichen Erwartungshaltungen begründet ist. Selbst laut Regelwerk korrekte Entscheidungen treffen nicht durchweg auf Zustimmung.
"Um die Akzeptanz von Entscheidungen zu erhöhen, sind objektivere Kriterien notwendig, insbesondere für Situationen mit aktuell großem Interpretationsspielraum", schlussfolgern die Wissenschaftler um Tobias Bauch. "Zudem sollte diskutiert werden, ob das Kriterium der Auswirkung explizit im Regelwerk stärker berücksichtigt werden muss, um die Lücke zwischen technischer Regelanwendung und gefühlter Gerechtigkeit zu schließen."
Die internationalen Verbände IFAB, FIFA und UEFA wurden bereits über die Ergebnisse der Studien informiert. Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, bezeichnet die Arbeit als "überaus hilfreich und nützlich, um im Fußball trotz unterschiedlicher Sichtweisen zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen". Dazu sei ein noch intensiverer Austausch aller Beteiligten notwendig. Kircher ergänzt: "Von großer Bedeutung ist für uns aber auch und vor allem, dass unsere Schiedsrichter Handspiele gemäß der geltenden Regelauslegung bewerten. Dass sie das in hohem Maße tun, belegt die Arbeit."









































