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·4. März 2026

WM 2026 doch nicht ausverkauft? Das Gigantismus-Problem der FIFA

Artikelbild:WM 2026 doch nicht ausverkauft? Das Gigantismus-Problem der FIFA

Trotz 508 Millionen Ticketanfragen sind für mindestens 64 der 104 WM-Partien noch Karten erhältlich. Das 48-Teams-Format stößt offenbar an Grenzen.

508 Millionen Ticketanfragen, jedes Spiel ausverkauft – als Gianni Infantino diese Zahlen vor einer Woche verkündete, klang das nach einem historischen Triumph. Ich habe sofort gestutzt. Denn wer den FIFA-Präsidenten kennt, weiß: Seine Superlative sind oft größer als die Realität dahinter.


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Jetzt zeigt sich, dass jede Skepsis berechtigt war. Für mindestens 64 der 104 WM-Partien in den USA, Mexiko und Kanada sind offenbar noch oder wieder Eintrittskarten erhältlich. Das ist mehr als die Hälfte aller Spiele. Von einem kompletten Ausverkauf kann also keine Rede sein. Infantino hat die Öffentlichkeit mit einer Zahl geblendet, die bei genauerer Betrachtung ein verzerrtes Bild zeichnet.

Die 508 Millionen Anfragen mögen real sein. Doch sie konzentrierten sich offensichtlich auf die Topspiele, auf die Partien mit den großen Namen, den etablierten Fußballnationen. Für Begegnungen ohne Spitzenmannschaften sieht die Nachfrage deutlich anders aus. Das wirft eine unbequeme Frage auf: Hat die FIFA mit dem aufgeblähten 104-Spiele-Format ein Turnier geschaffen, das größer ist als das Interesse daran?

Ich sehe hier ein strukturelles Problem. Die Erweiterung auf 48 Mannschaften und über hundert Partien folgt einer Logik, die mit sportlichem Mehrwert wenig zu tun hat. Es geht um mehr Spiele, mehr Übertragungsrechte, mehr Sponsorenslots, mehr Einnahmen. Die FIFA hat ein Produkt designt, das maximale Vermarktung verspricht. Ob die Fans mitziehen, wurde offenbar nachrangig kalkuliert.

Hinzu kommen die Ticketpreise. Marketingexperten nennen sie als möglichen Grund für den schleppenden Verkauf bestimmter Kategorien. Das überrascht mich nicht. Die Kommerzialisierung des Weltfußballs hat längst ein Niveau erreicht, bei dem normale Fans an ihre finanziellen Grenzen stoßen. Wer für ein Gruppenspiel zwischen zwei Außenseitern Hunderte Dollar zahlen soll, überlegt sich das zweimal.

Infantino verkauft die WM 2026 als das größte Fußballfest aller Zeiten. Die Zahlen, die er präsentiert, sollen diese Erzählung stützen. Doch wenn die Hälfte der Spiele nicht ausverkauft ist, bröckelt die Fassade. Die FIFA hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, das sie sich selbst eingebrockt hat – durch Übertreibung, durch Gigantismus, durch die Priorität von Profit über Publikum.

Die Frage ist nicht, ob diese WM ein kommerzieller Erfolg wird. Das wird sie, die Geldströme sind längst gesichert. Die Frage ist, ob der Weltfußball auf Dauer ein Format trägt, das mehr Spiele produziert, als Menschen sehen wollen. Infantino hat sich für Wachstum um jeden Preis entschieden. Die leeren Plätze bei den Gruppenspielen werden zeigen, was dieser Preis ist.

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