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·24. Juli 2026

WM-Enttäuschung 2026: Tunesiens Absturz, Deutschlands Schmerz

Artikelbild:WM-Enttäuschung 2026: Tunesiens Absturz, Deutschlands Schmerz

Zwölf Plätze verlor Tunesien in der neuen FIFA-Weltrangliste – so viele wie keine andere Nation dieser WM. Zwei Plätze verlor Deutschland. Und trotzdem redet in dieser Woche niemand über Tunesien.

Am Tag nach dem Finale hat der Weltverband sein Ranking neu berechnet. Spanien führt, Argentinien rutscht auf zwei, dahinter Frankreich und England. Spannender als die Spitze ist diesmal aber der Blick nach unten – dorthin, wo Turniere zu Bilanzen werden und Enttäuschung plötzlich eine Zahl bekommt.


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Der Rekord-Absturz: Tunesien, –12

Rein rechnerisch ist der Fall eindeutig. Tunesien büßte zwölf Positionen ein, der größte Rückgang aller 48 Teilnehmer. Panama, Usbekistan und Jordanien folgen mit je zehn verlorenen Plätzen. Wer nur auf die roten Pfeile in der Tabelle schaut, hat seinen Sieger der traurigen Kategorie schnell gefunden.

Nur: Ein Rutsch aus dem hinteren Mittelfeld der Weltrangliste erschüttert kein Fußballland in seinen Grundfesten. Tunesien reiste ohne Achtelfinal-Garantie an, ein früher Abschied lag im Bereich des Erwartbaren. Die zwölf Plätze sind ein statistischer Ausschlag, kein nationaler Trauerfall.

Der gefühlte GAU: Deutschland, –2

Deutschland verlor exakt zwei Plätze und fiel von Rang zehn auf Rang zwölf. Nüchtern betrachtet ein Kratzer. Emotional betrachtet der schlechteste Wert seit Juli 2018 – und der Beleg, dass hier etwas grundsätzlich schieflief.

Das DFB-Team scheiterte im Sechzehntelfinale an Paraguay. Nicht im Halbfinale, nicht im Viertelfinale. In der ersten K.-o.-Runde eines auf 48 Mannschaften aufgeblähten Turniers, das selbst durchwachsene Gruppenphasen noch mit dem Weiterkommen belohnt. Genau das macht die zwei Plätze so schwer: Sie sind wenig, weil zwischen Deutschland und dem Abgrund kaum noch Luft war.

Ein Blick auf die Fallhöhe. Rang zwölf bedeutet, dass Kolumbien, Mexiko und ein wiedererstarktes Marokko vorbeigezogen sind. Für eine Nation, die vor Turnieren reflexartig den Titel ausruft, ist das keine Momentaufnahme – das ist eine Einordnung.

Uruguay: Wenn Bielsa nichts hinterlässt

Vier Plätze verlor Uruguay, runter auf Rang 20 – und die Zahl untertreibt das Drama. Zwei Punkte aus drei Spielen, kein einziger Sieg, als schlechtester Gruppendritter raus. Zum zweiten Mal nacheinander in der Vorrunde gescheitert, diesmal mit einem Muslera-Patzer als Sinnbild und einer Spielerrevolte als Nachspiel.

Trainer Marcelo Bielsa rechnete anschließend schonungslos mit sich selbst ab: Seine Zeit werde als Phase in Erinnerung bleiben, „die nichts hinterlassen hat“. So klingt kein Ausrutscher, so klingt ein Bruch. Die uruguayische Presse sprach von einem „harten Realitätsschock“ – vier Plätze in der Rangliste bilden davon nur den Bruchteil ab, der sich rechnen lässt.

Zahl gegen Gefühl – die Absteiger im Vergleich

Die Frage ist nicht, wer am tiefsten fällt

Die Frage ist nicht, wer die meisten Plätze verloren hat. Die Frage ist, wessen Absturz mit dem eigenen Anspruch kollidiert. Tunesiens Minus zwölf ist eine Fußnote im internationalen Kleingedruckten. Deutschlands Minus zwei ist ein Offenbarungseid.

Enttäuschung entsteht nicht dort, wo die Pfeile am längsten sind. Sie entsteht in der Lücke zwischen dem, was ein Land von sich erwartet, und dem, was am Ende auf der Anzeigetafel steht. Bei Tunesien ist diese Lücke klein. Bei Uruguay ist sie groß und schmerzhaft. Bei Deutschland ist sie ein Krater.

Wenig verloren, viel offenbart

Eine Weltrangliste misst Punkte, keine Erwartungen. Sie kennt keinen Unterschied zwischen einem Land, das im Sechzehntelfinale scheitert, und einem, das genau dort hingehört. Deshalb fiel Deutschland nur zwei Plätze – und stürzte trotzdem tiefer als jeder andere. Wer darin einen Widerspruch sieht, hat nicht verstanden, wovon diese Nation redet, wenn sie „Enttäuschung“ sagt.

FIFA-Weltrangliste nach der WM 2026 – die Top 15

  • Spanien – Weltmeister, neu an der Spitze (+1)
  • Argentinien – 1970 Punkte (–1)
  • Frankreich – 1949 Punkte (–)
  • England – 1923 Punkte (–)
  • Brasilien – 1805 Punkte (+1)
  • Marokko – 1804 Punkte (+1)
  • Portugal – 1788 Punkte (–2)
  • Belgien – 1778 Punkte (+1)
  • Niederlande – 1776 Punkte (–1)
  • Mexiko – 1754 Punkte (+4)
  • Kolumbien – 1740 Punkte (+2)
  • Deutschland – 1726 Punkte (–2)
  • Kroatien – 1723 Punkte (–2)
  • Schweiz – 1711 Punkte (+5)
  • Italien – 1705 Punkte (–3)

Stand: 20. Juli 2026. Quelle: FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste.

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