Xabi Alonso zu Chelsea: Eine Wette mit vollem Risiko | OneFootball

Xabi Alonso zu Chelsea: Eine Wette mit vollem Risiko | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: feverpitch.de

feverpitch.de

·17. Mai 2026

Xabi Alonso zu Chelsea: Eine Wette mit vollem Risiko

Artikelbild:Xabi Alonso zu Chelsea: Eine Wette mit vollem Risiko

Laut Berichten steht Xabi Alonso kurz vor einem Vierjahresvertrag bei Chelsea. Der Ex-Coach von Leverkusen und Real Madrid trifft auf einen unruhigen Klub.

Manchmal endet eine Trainersuche genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet hätte. Xabi Alonso, der nach Berichten von The Athletic und BBC kurz vor einem Engagement beim FC Chelsea steht, war über Monate der begehrteste Name auf dem europäischen Markt. Ein Vierjahresvertrag soll es werden, der Vertrag sei „finalisiert", eine offizielle Verkündung werde „in Kürze" erwartet. Dass Alonso laut The Athletic bereits in der vergangenen Woche in London war, deutet darauf hin, dass die Entscheidung längst gefallen ist, bevor sie ausgesprochen wird.


OneFootball Videos


Die Wahl überrascht, weil sie einige naheliegendere Optionen ausschlägt. Alonso kennt die Premier League aus seiner Zeit beim FC Liverpool, wo er von 2004 bis 2009 spielte, und Gerüchte über eine Rückkehr an die Anfield Road hielten sich zuletzt hartnäckig. Stattdessen entscheidet er sich für ein Projekt, das in den vergangenen Monaten alles andere als geräuschlos verlief. Wer als Trainer vom Weltklub Real Madrid kommt und seinen Marktwert in Leverkusen mit dem Double 2024 zementiert hat, kann sich seine nächste Station aussuchen. Dass diese Wahl auf Chelsea fällt, ist eine Aussage – und zwar eine, die Risiko über Sicherheit stellt.

Denn Chelsea ist in der abgelaufenen Saison vor allem durch seine Personalpolitik aufgefallen. Drei Trainer in einer Spielzeit, das ist auch im Premier-League-Alltag eine Hausnummer. Enzo Maresca, immerhin Sieger der Klub-WM mit den Blues, verließ den Verein nach einem Zerwürfnis mit der Vereinsführung zum Jahresbeginn. Sein Nachfolger Liam Rosenior wurde trotz eines bis 2032 datierten Vertrages nach weniger als vier Monaten entlassen, dazwischen sprang der Engländer Calum McFarlane zweimal interimsweise ein.

Wer sich diese Abfolge anschaut, sieht einen Klub, der seine eigene Geduld nicht kennt. Ein Vertrag bis 2032 ist im Fußballgeschäft eher ein Symbol als eine Verpflichtung, aber dass dieses Symbol nach knapp vier Monaten zerrissen wird, sagt viel über die internen Maßstäbe aus. Maresca holte einen Titel und ging im Streit. Rosenior bekam kaum Zeit, um überhaupt eine Handschrift erkennen zu lassen. In dieses Klima tritt nun ein Trainer ein, dessen letzte zwei Stationen ihn als geduldigen Aufbauarbeiter ausgewiesen haben – der in Leverkusen aus einem Mittelfeldteam einen Meister formte und der in Madrid bis Januar arbeitete.

Es ist deshalb eine wechselseitige Wette. Chelsea wettet darauf, dass Alonso jene Stabilität bringt, die der Klub durch sein eigenes Handeln zuletzt verhindert hat. Alonso wiederum wettet darauf, dass ihm die Vereinsführung ausgerechnet jenen Spielraum gewährt, den sie Maresca und Rosenior verweigert hat. Vier Jahre Laufzeit klingen nach einem klaren Bekenntnis, doch der Fall Rosenior zeigt, was Vertragslängen bei Chelsea wert sein können.

Sportlich ist die Personalie für Alonso kein Selbstläufer. Er übernimmt einen Kader, der unter drei verschiedenen Trainern gespielt hat, mit unterschiedlichen Vorstellungen, unterschiedlichen Hierarchien und einer Vereinsführung, die schnell ungeduldig wird. Andererseits: Wer in Leverkusen aus einer Mannschaft eine Idee gemacht hat, dem traut man auch in London zu, dass er Ordnung in Unordnung bringt. Ob diese Konstellation zusammenpasst, wird sich nicht in Wochen, sondern in Monaten zeigen. Die Verkündung soll, wenn die Berichte stimmen, jedenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Impressum des Publishers ansehen