ZDF-Politbarometer: Wie die Deutschen unsere WM-Chancen einschätzen | OneFootball

ZDF-Politbarometer: Wie die Deutschen unsere WM-Chancen einschätzen | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: feverpitch.de

feverpitch.de

·8. Juni 2026

ZDF-Politbarometer: Wie die Deutschen unsere WM-Chancen einschätzen

Artikelbild:ZDF-Politbarometer: Wie die Deutschen unsere WM-Chancen einschätzen

Laut ZDF-Politbarometer rechnen nur 15 Prozent mit dem WM-Triumph. 90 Prozent werfen der FIFA vor, Kommerz über den Sport zu stellen.

Die Zahlen aus dem ZDF-Politbarometer sind kein Donnerschlag, eher eine nüchterne Bestandsaufnahme. 72 Prozent der Befragten trauen der deutschen Nationalmannschaft den WM-Titel nicht zu, nur 15 Prozent rechnen mit einem Triumph. Wer im DFB heute noch glaubt, eine Welle der Euphorie sei eine Frage von ein paar guten Testspielen, der verkennt, wie tief das Misstrauen sitzt. Das ist keine Stimmung, die kippt, weil ein Stürmer trifft. Das ist ein Befund.


OneFootball Videos


Interessant wird es, wenn man die Skepsis aufdröselt. 33 Prozent sehen das Viertelfinale als Endstation, je 15 Prozent das Achtelfinale und das Halbfinale, drei Prozent erwarten sogar das Aus vor dem Achtelfinale. Nur zwei Prozent halten eine Finalniederlage für das wahrscheinlichste Szenario. Das ergibt ein Bild, das sich deutlich von der Selbstwahrnehmung unterscheidet, die man im Umfeld des DFB gerne pflegt: Die Republik traut Julian Nagelsmanns Mannschaft eine ordentliche Runde zu, mehr nicht. Eine Halbfinalreise wäre, gemessen an dieser Erwartungshaltung, schon ein gelungenes Turnier.

Man kann darüber streiten, ob 1274 Befragte ein verlässliches Stimmungsbild ergeben. Man kann auch darüber streiten, ob eine Umfrage Wochen vor dem ersten Spiel überhaupt etwas wert ist. Aber die Richtung ist eindeutig, und sie passt zu dem, was viele Fans seit Jahren empfinden. Der Glaube an die Selbstverständlichkeit deutscher Turniererfolge ist verbraucht. Was bleibt, ist eine vorsichtige Hoffnung, gepaart mit der Bereitschaft, beim ersten Stolpern wieder das Schlimmste anzunehmen.

Der zweite Befund der Umfrage ist in seiner Wucht fast bemerkenswerter. 90 Prozent halten den Vorwurf für zutreffend, dass es der FIFA bei der WM mehr um Geld und Kommerz als um den Sport geht. Nur vier Prozent sehen das anders. In einer Zeit, in der man sich über praktisch nichts mehr einig ist, herrscht in dieser Frage eine fast unheimliche Geschlossenheit. Das ist kein Stimmungstief, das ist ein Vertrauensproblem, das die FIFA mit ihrem aktuellen Personal und ihrer aktuellen Politik nicht mehr eingefangen bekommt.

Die Zahl wirkt umso schärfer, wenn man sie neben das Turnier selbst legt. Erstmals nehmen 48 Mannschaften teil, gespielt wird in den USA, Mexiko und Kanada. Die Aufblähung des Teilnehmerfelds ist die sichtbarste Antwort der FIFA auf eine Frage, die niemand sportlich gestellt hat. Wer 90 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass es nicht mehr um den Sport geht, hat als Weltverband ein Glaubwürdigkeitsproblem, das durch keine Eröffnungszeremonie und kein Marketingbudget zu lösen ist. Es ist ein Befund, den die FIFA sich selbst eingebrockt hat.

Bleibt die Frage, was diese beiden Zahlen miteinander zu tun haben. Vielleicht das: Wer den Veranstalter für unredlich hält und der eigenen Mannschaft den Titel nicht zutraut, geht anders in ein Turnier. Distanzierter, abwartender, weniger emotional gebunden. Am 14. Juni trifft Deutschland zum Auftakt auf Curacao, danach folgen die Elfenbeinküste am 20. Juni und Ecuador am 25. Juni. Drei Spiele, die zeigen werden, ob die Skepsis berechtigt ist – oder ob die 15 Prozent am Ende klüger waren als die Mehrheit. Die größere Baustelle aber liegt nicht beim DFB. Sie liegt in Zürich.

Impressum des Publishers ansehen