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·14. September 2026

Zehn Fragen an Laporta – fünf Tage vor der Abrechnung

Artikelbild:Zehn Fragen an Laporta – fünf Tage vor der Abrechnung

Barcelona meldet erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz und einen Überschuss. Fünf Tage vor der Mitgliederversammlung legt die Opposition eine Rechnung daneben, die dasselbe Geschäftsjahr beschreibt – und zu einem anderen Ergebnis kommt.

Ein Zehn-Punkte-Katalog als Zündung

Die Gruppe „Som el Clam“ um Joan Camprubí hat am Montag eine Analyse der Klubfinanzen veröffentlicht, verbunden mit zehn Fragen an den Vorstand. Man wolle konstruktiv fragen und keine Vorwürfe erheben, heißt es im Begleittext. Der Katalog selbst liest sich anders: Er ist eine Anklage in Fragezeichenform.


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Kernvorwurf ist ein Widerspruch, der sich nicht wegargumentieren lässt. Neue Finanzierungen über 354,4 Millionen Euro, und trotzdem sank die verfügbare Liquidität um 91,5 Millionen. Der operative Cashflow blieb negativ. Die Gesamtverschuldung beziffert die Gruppe auf 2,441 Milliarden Euro, ein Plus von 357 Millionen binnen eines Jahres, davon 676,7 Millionen kurzfristig fällig. Finanzaufwendungen von 114,2 Millionen fraßen den Zuwachs beim operativen Ergebnis auf.

Wo die Fragen wehtun

Das negative Eigenkapital ist dabei der heikelste Posten, weil es nicht nur eine Zahl ist, sondern eine Frist auslöst. Die UEFA-Regeln zur finanziellen Nachhaltigkeit sind damit verletzt, 15 Millionen Euro Strafe sind laut der Gruppe bereits fällig, bis zu 45 Millionen könnten folgen. Und Artikel 67 der Klubstatuten verpflichtet einen Vorstand eigentlich, Verluste auszugleichen und das Eigenkapital binnen zweier Geschäftsjahre wiederherzustellen – andernfalls droht die vorzeitige Abberufung. Die Anwendung dieses Artikels ist seit 2021 ausgesetzt.

Barça Studios, Gehälter, Struktur

Die übrigen Fragen sind nicht harmloser. Warum erhöhte der Klub seinen Anteil an Barça Studios von 53,4 auf 63,14 Prozent, obwohl der Vermögenswert bereits um 69 Prozent abgeschrieben wurde? Warum liegt das Personalbudget für 2026/27 mit 633 Millionen Euro wieder fast auf Vor-Pandemie-Niveau? Warum wuchs der nichtsportliche Apparat in fünf Jahren um 60 Prozent? Und ist der regelmäßige Spielerverkauf inzwischen der einzige Weg zum Ausgleich – ist Barcelona strukturell ein verkaufender Klub geworden?

Beim Espai Barça will die Gruppe Termine statt Absichtserklärungen: Was steht noch aus, wann ist der Umbau fertig, was wird aus dem Palau Blaugrana, ob man den Bauträger für die Verzögerung in Regress nimmt – und wann Mitglieder erfahren, wo sie künftig sitzen und was die Dauerkarte kostet. Das ist der Teil, der an der Basis am schnellsten zündet, weil er jeden Einzelnen betrifft.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall

Laporta hat im März mit 68,18 Prozent die Wiederwahl gewonnen und ist bis 2031 im Amt – Camprubí gehörte zu jenen Bewerbern, die es nicht bis zur Abstimmung schafften. Machtpolitisch ist der Präsident abgesichert wie lange nicht. Genau deshalb zielt diese Offensive nicht auf Stühle, sondern auf Deutungshoheit vor der Versammlung am Samstag, dem 19. September.

Der Klub kann sein Zahlenwerk verteidigen: 1,060 Milliarden Euro Ertrag, 1,022 Milliarden Aufwand, 38 Millionen Überschuss. Nur verändert sich das Bild, sobald man die Zinslast des Stadionprojekts dagegenrechnet. Und die Finanzierungsarchitektur wächst weiter – im Juli brachte eine von Goldman Sachs begleitete Anleihe 105 Millionen Euro bei 5,14 Prozent über zehn Jahre, im November soll eine zweite Tranche in gleicher Höhe folgen.

Am Samstag zählt, wer antwortet

Zehn Fragen bringen keinen Präsidenten ins Wanken, der eben erst 68 Prozent geholt hat. Sie bringen ihn in die Lage, entweder konkret zu werden oder sichtbar auszuweichen. Ein Klub, der seinen Mitgliedern Rekordumsätze präsentiert, muss ihnen auch erklären können, warum trotzdem weniger Geld in der Kasse liegt als im Jahr zuvor. Wer diese Antwort schuldig bleibt, gewinnt die Versammlung und verliert das nächste Argument.

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