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Philipp Overhoff·20. September 2026
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Philipp Overhoff·20. September 2026
Die ersten drei Spieltage dieser neuen Bundesliga-Saison hatten viele Überraschungen hervor gebracht. Der SC Freiburg war zwischenzeitlich Tabellenführer, der FC Augsburg grüßt einem CL-Platz und auch der FC Schalke 04 ist als Aufsteiger hervorragend in den Spielzeit gekommen.
Für die wohl größte Sensation sorgte allerdings die SV 07 Elversberg. Der Provinzklub aus der beschaulichen 13.000-Einwohner-Gemeinde im Herzen des Saarlandes setzte mit Siegen über Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach zwei echte Statements. Am vergangenen Wochenende hielt der Liganeuling beim 1:2 gegen den FC Bayern zudem mehr als gut mit. Nur folgerichtig grüßt die SVE aktuell von Tabellenplatz sechs, ergo von einem Europapokalrang.
Und als wäre dieser Erfolg nicht schon beeindruckend genug, setzten die Elversberger sogar noch einen drauf. Das Ganze gelingt der Mannschaft von Trainer Vincent Wagner trotz durchaus vorhandener finanzieller Möglichkeiten nämlich mit dem zweitgeringsten Kader-Marktwert aller Vereine.
Neben einigen hochbegabten Talenten wie Maurice Krattenmacher, Noah Darvich oder Francis Onyeka verfügt "die Elv" über eine ganze Reihe an Spielern, die es andernorts nicht geschafft haben, oder denen man den Sprung zum Bundesliga-Spieler schlichtweg nicht zugetraut hätte.
Bestes Beispiel ist ein Trio mit HSV-Vergangenheit. So kickten Jan Gyamerah, Maximilian Rohr und Lukasz Poreba zu teils unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Karriere allesamt bei den Rothosen – und das in der 2. Liga wohlgemerkt. Sie eint außerdem, dass sie beim HSV aussortiert wurden.
Dabei war insbesondere Gyamerah mit großen Hoffnungen in die Hansestadt gewechselt. Der Rechtsverteidiger unterschrieb im Sommer 2019 nach dem ersten von sechs gescheiterten Aufstiegsversuchen. So wirklich an kam Gyamerah im Volkspark jedoch nie. Drei Jahre und drei gescheiterte Aufstiegsversuche später, wechselte er ablösefrei zum 1. FC Nürnberg.
📸 Selim Sudheimer - 2021 Getty Images
Zwischen 2020 und 2022 kreuzten sich seine Wege beim HSV mit Maximilian Rohr. Die Hanseaten verpflichteten den Defensivmann 2020 von Carl-Zeiss Jena und planten ihn ursprünglich für die Regionalliga-Mannschaft ein. Mit harter Arbeit und einer vorbildlichen Einstellung, mauserte er sich jedoch zum Profi. So wirklich warm wurden die HSV-Fans mit Rohr aber nicht. Dem zuweilen etwas behäbigem 1,93-Meter-Mann wurde die Klasse für die heiß ersehnte Mission Wiederaufstieg abgesprochen. Das sah auch die Vereinsführung nicht anders und verscherbelte ihn 2023 für 500.000 Euro an den SC Paderborn.
Der Einzige aus dem heutigen Elversberger Trio, der mit dem HSV aufstieg, war Lukasz Poreba. Der vom RC Lens verpflichtete Pole wurde an der Elbe zwar nie zum Stammspieler, stand beim entscheidenden Aufstiegsspiel gegen den SSV Ulm am 10. Mai 2025 aber immerhin von Beginn an auf dem Platz. Doch nach der geschafften Bundesliga-Rückkehr musste auch Poreba gehen. Genau wie es zuvor bei Gyamerah und Rohr der Fall war, wurde er für nicht gut genug befunden.
Und so landete der Mittelfeld-Stratege im vergangenen Jahr in Elversberg. Dort mauserte er sich sofort zum Stammspieler und trug entscheidend zum sensationellen Aufstieg in die Bundesliga bei. Gleiches galt für die beiden anderen Ex-HSVer Gyamerah und Rohr. Zusammengerechnet machten sie 93 von 102 möglichen Spielen.
An ihrer Wichtigkeit hat sich auch in dieser Saison nichts geändert. In allen drei Partien standen Poreba, Gyamerah und Rohr in der Startelf. Unweigerlich haben sie also einen immensen Anteil am Elversberger Traumstart.
Ganz besonders trifft das auf Poreba zu. Der 26-Jährige ist das Herzstück des saarländischen Spiels. In der Schaltzentrale fungiert er als unumstrittener Lenker und Denker, dirigiert das Spiel als stiller Anführer. Oder wie es sein Trainer vor wenigen Wochen gegenüber der 'Saarbrücker Zeitung' formulierte: "Lukasz spricht mit seinen Füßen."
Über Rohr lässt sich das nur bedingt behaupten. Viel mehr punktet der Innenverteidiger über seine enorme Körperlichkeit. Dass er es talentmäßig nur begrenzt mit den Superstars der Bundesliga aufnehmen kann, weiß der langjährige Regionalliga-Spieler selbst nur gut genug. "Ich bin einfach glücklich, gegen so eine Mannschaft gespielt zu haben", erklärte er nach der knappen Niederlage gegen Bayern. Über direkte Duelle mit Ausnahmekönnern wie Harry Kane sagte er zudem: "Im Normalfall hast du einfach keine Chance und das ist das Schöne daran." Seiner bescheidenen Analyse zum Trotz hatte Rohr dem deutschen Rekordmeister einiges entgegenzusetzen und blockte insgesamt sechs Schussversuche.
Man muss dementsprechend wahrlich kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass es der 31-Jährige an der Seite von Poreba und Gyamerah noch dem einen oder anderen Bundesligisten so richtig schwer machen wird.
📸 Alex Grimm - 2026 Getty Images
Natürlich sollte man nicht davon ausgehen, dass sich der Klub vom Dorf noch allzu lang in Europapokal-Sphären aufhalten wird. Doch eine Sache hat die SVE bereits geschafft: Schon lange ist ein Bundesliga-Aufsteiger den Großen nicht mehr mit einem derart selbstbewussten und lebensbejahendem Spielstil gegenübergetreten – und hatte dabei auch noch Erfolg.
Selbiges lässt sich vom HSV aktuell nicht behaupten. Die Norddeutschen stehen nach drei Spieltagen mit null Punkten und einer katastrophalen Tordifferenz von 0:12 auf dem letzten Tabellenplatz. Da ergeht es den drei aussortierten Ex-Hamburgern im saarländischen Exil doch wesentlich besser.
📸 Alex Grimm - 2026 Getty Images















