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·27 June 2026
Aufgefressen in den Zweikämpfen: Wie Jürgen Klopp die Nationalelf seziert

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·27 June 2026

Der mögliche Nagelsmann-Nachfolger kritisiert Zweikampfverhalten und Ballverluste. Müller und Hummels stützen den Befund mit eigenen Worten.
Wenn Jürgen Klopp im MagentaTV-Studio das Wort „aufgefressen" benutzt, ist das eine bedeutende Diagnose. Nach dem 1:2 gegen Ecuador im letzten Gruppenspiel hat der frühere Klub-Trainer das deutsche Nationalteam mit einer Schärfe seziert, die man von einem TV-Experten dieser Statur nicht zwangsläufig erwartet hätte. „Wir müssen jetzt die Pace aufnehmen. Wir müssen mindestens mit der gleichen Intensität zu Werke gehen. Wir wurden in den Zweikämpfen aufgefressen", sagte Klopp. Das ist die Kurzformel für ein Auftreten, das im Turnier offenbar nicht reicht.
Die Pointe an diesem Befund ist, dass ihn ausgerechnet jener Mann formuliert, der seit Wochen als möglicher Nachfolger von Bundestrainer Julian Nagelsmann gehandelt wird. Klopp redet hier nicht als neutraler Beobachter aus der Distanz, sondern als jemand, dessen Name längst in die Personaldebatte hineingezogen worden ist. Umso bemerkenswerter, dass er nichts wegmoderiert. Er zielt auf die Substanz: auf das Verhalten ohne Ball, auf die Räume, auf das, was in der Bundestrainer-Sprache gern „Restverteidigung" heißt und in seiner Sprache schlicht Ordnung.
An den Ballverlusten macht er den ersten Punkt fest. „Die sind nicht cool – aber in den falschen Räumen sind sie eine Katastrophe", sagte Klopp. Der zweite Punkt betrifft die Positionierung der Kreativen: „Wirtz und Musiala waren überall – aber bei jedem Ballverlust war niemand nirgendwo." Das ist die Beschreibung eines Teams, das in der Offensive Personal hat, aber die Gegenbewegung nicht organisiert bekommt. Und es ist, ob gewollt oder nicht, eine sehr konkrete Trainer-Kritik, weil Positionierung und Absicherung nun einmal in die Verantwortung der Bank fallen.
Klopp hängt seiner Analyse einen Satz an, der für ihn typisch ist und der das Problem aus dem Taktischen ins Mentale zieht. Fußball müsse „gewürzt werden mit Leidenschaft, Intensität und Emotionalität. Wenn es für dich einfach nur Kicken ist, dann wirst du nicht weit kommen." Das ist kein Lehrbuchsatz, das ist ein Vorwurf. Und er trifft eine Mannschaft, die im entscheidenden Gruppenspiel nicht den Zugriff gefunden hat, den sie braucht, um in einem WM-Turnier zu bestehen.
Dass Klopp mit dieser Lesart nicht allein steht, macht den Befund schwerer. Thomas Müller, Weltmeister von 2014, spricht von „Naivität" und verweist auf Argentinien, das „auf einem abgezockteren Level unterwegs" sei. „Wir haben halbseidene Ballbesitzphasen, wo Ballverluste wehtun", sagt Müller. Mats Hummels, ebenfalls Weltmeister von 2014, vermisst die Aktivität gegen den Ball: „Wenn du tief verteidigst, muss dein Mittelfeld ultra-aktiv angreifen. Du musst sie stressen. Das fehlt mir bei der Mannschaft."
Hummels formuliert das, was Klopp und Müller in eigenen Worten ebenfalls ansteuern, am deutlichsten als Charakterfrage. Es sei „eine Frage der Eingespieltheit, aber auch des Wollens, eine Charakterfrage". Es gebe „deutsche Spieler, die das machen würden. Aber wir haben eine Mannschaft, die da ein bisschen zaghaft ist." Drei Stimmen, drei Karrieren, ein Vorwurf: Es fehlt nicht das Talent, es fehlt der Zugriff. Wer am Ende den Bundestrainer stellt, ist eine andere Debatte. Diese hier hat das Turnier dem deutschen Fußball mitten ins Heft geschrieben.







































