VfL Osnabrück
·14 March 2026
Brückenschlag (140): Fußball im Radio und Essen in Schwarz-Weiß

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·14 March 2026

Vor genau 100 Jahren, am 14. März 1926, wurde das erste Fußballspiel mit VfL-Beteiligung im Rundfunk übertragen. Der Journalist und Rundfunkpionier Paul Laven meldete sich live aus Münster, wo die Osnabrücker in der sogenannten „Endrunde der westdeutschen Zweiten“ auf eine Mannschaft aus Essen trafen, der sie – im Gegensatz zu ihrem rot-weißen Stadtrivalen – nicht mehr allzu oft begegnen sollten.
Wenige Monate zuvor hatte die erste Liveübertragung überhaupt stattgefunden. Von einem Medienereignis, das die ganze Nation in ihren Bann zog, konnte am 1. November 1925 allerdings noch nicht die Rede sein. Als die „Westdeutsche Funkstunde“ mit der Partie Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld auf Sendung ging, waren rund eine Million Menschen in Deutschland als offizielle Rundfunkteilnehmer registriert. Wie viele von ihnen den 5:0-Erfolg der Ostwestfalen verfolgten, ist nicht überliefert. Im Verlauf der Übertragung kam es zu einer Reihe technischer Probleme, die Kommentar Bernhard Ernst schließlich zwangen, zum Telefon zu greifen. Doch der Siegeszug des neuen Mediums war nicht mehr aufzuhalten. Hatte es 1923 noch weniger als 10.000 Rundfunkgeräte gegeben, betrug ihre Zahl nur zehn Jahre später über fünf Millionen!
Im März 1926 hätten die Osnabrücker eine niedrige Einschaltquote allerdings begrüßt, denn dem Führungstreffer durch Heini Hüggelmeyer folgte kein Galaauftritt des VfL, sondern ein Sturmlauf der schwarz-weißen Essener, die das Spiel am Ende mit 6:1 für sich entschieden. Ein gutes Jahr später kam es zu einer weiteren Begegnung, die mit 7:1 an die Kicker aus dem Ruhrgebiet ging. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass sich die Lila-Weißen für die Debakel ein halbes Jahrhundert später in angemessener Höhe revanchieren würden. Am 10. September 1977 trafen Gerd-Volker Schock, Reinhold Nordmann und der vierfache Torschütze Herbert Mühlenberg an der Bremer Brücke – Essens Manfred Priewe gelang nur der Ehrentreffer.
Es war eines von acht Duellen, die sich beide Vereine zwischen 1974 und 1978 in der 2. Bundesliga Nord lieferten. Langweilig war kein einziges, denn die Schwarz- und Lila-Weißen hatten offenbar wenig Interesse an Defensivstrategien oder taktischem Geplänkel. Gleich das erste Spiel am 15. Dezember 1974 gewann der VfL mit 6:0, während das Rückspiel im stimmungsvollen, bis heute genutzten Stadion am Uhlenkrug mit 4:1 an Schwarz-Weiß Essen ging. 1975/76 gewannen die Kontrahenten ihre Heimspiele vergleichsweise unspektakulär mit 2:0, ehe der VfL einen 4:2-und Essen einen 3:1-Heimsieg landete. Letztmals trafen sich beide Vereine 1977/78, als Essen die 1:6-Hinspielniederlage mit einem 3:2-Erfolg im Rückspiel konterte.
37 Tore in acht Spielen – da hätte kein Fußballfan etwas gegen eine Neuauflage einzuwenden. Doch der Essener Turnerbund Schwarz-Weiß, der mit dem Gewinn des DFB-Pokals 1959 und der Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga 1967 einst große Erfolg feierte, stieg 1978 nach nur vier Siegen in 38 Spielen aus der 2. Bundesliga Nord ab, während der Stadtrivale – wenn auch erfolgslos – in der Aufstiegsrelegation zur Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg antrat.
Von diesem Rückschlag hat sich der Verein nie wirklich erholt. Seit langem wird am Uhlenhorst nur noch viert- oder fünftklassig gespielt. Aktuell sind die Schwarz-Weißen in der Oberliga Nordrhein zuhause und treten hier gegen Schonnebeck, Biemenhorst oder Jüchen-Garzweiler an. Die große Geschichte ist aber immer noch lebendig und in der opulenten Vereinschronik nachzulesen, die 2024 in der elften überarbeiteten Auflage erschienen ist. Hier geht es zur kostenlosen Ansicht und Download.
Text: Thorsten Stegemann Beitragsbild: Vier Männer beim Hören einer Rundfunkübertragung mit Rundfunkgerät und der Programmzeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“ (um 1925) © CC BY SA 4.0 Museumsstiftung Post und Telekommunikation / Foto: unbekannt Bild im Text: Heiner Odenwald/Gerd Krausenbaum. „Schwarz und Weiß. Die Geschichte des ETB Schwarz-Weiß Essen“
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