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·27 January 2026

Der FC Bayern und die Problemposition Außenverteidiger

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Beim FC Bayern scheint es Bewegung im Kader zu geben. Sacha Boey steht angeblich vor einem Abgang aus München. Miasanrot analysiert, warum die Position heikel ist.

Sacha Boey steht beim FC Bayern auf dem Abstellgleis. Der Franzose, vor zwei Jahren für 30 Millionen aus Istanbul verpflichtet, hat im Kader der Münchner eher keine Zukunft mehr. Gerüchte um seinen Abgang gibt es seit Wochen.


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Anfang des Jahres ließ Max Eberl aufhorchen als er rund um das Testspiel gegen Salzburg angesprochen auf die Rückkehr von Davies und Ito zu Protokoll gab, dass man dann im Kader „Außenverteidiger en masse von sehr großer Qualität“ habe.

Und der Ex-Profi, ohne den Namen Boey in den Mund zu nehmen, formulierte sogleich eine Warnung: „Dann kann es für den einen oder anderen Spieler echt schwer werden.“

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Sacha Boey ohne Zukunft beim FC Bayern

Seit dem 1. November, dem 3:0-Heimsieg gegen Leverkusen, stand Boey nicht mehr für den FC Bayern auf dem Platz. Es ist fraglich ob der 25-Jährige seine Statistik von bisher 37 Pflichtspielen noch aufbessern kann. Seine Zeit in München war geprägt von Verletzungen, fehlendem Rhythmus und letztlich zu wenigen guten Leistungen, wenn er die Chance bekam, sein zweifellos vorhandenes Talent zu zeigen.

Und sollte im Wintertransferfenster tatsächlich noch ein Abnehmer für den Verteidiger gefunden werden, würde sich der ehemalige französische Juniorennationalspieler beinahe nahtlos in eine Reihe von gescheiterten Außenverteidigern einreihen, die beim FC Bayern nach kurzer Zeit wieder das Weite suchten.

Im Sommer 2024 verließ Noussair Mazraoui den FCB nach zwei Jahren und 55 Pflichtspielen wieder, Daley Blind zog im Sommer 2023 nach nur sechs Monaten und fünf Einsätzen im rot-weißen Trikot weiter, Omar Richards wurde ein Jahr in München getestet (17 Einsätze) und auch Real-Leihgabe Álvaro Odriozola konnte sich nach sechs Monaten und fünf Einsätzen nicht für eine Weiterbeschäftigung empfehlen.

Im Vergleich zu diesen Verteidigern war Bouna Sarr ein wahrer Dauerbrenner in München. Der vielgescholtene Senegalese stand vier Jahre im Kader und sammelte in dieser Zeit 33 Pflichtspiele – und einiges an Gehalt.

Kein Rafinha in Sicht: Problemzone Außenverteidiger

Doch warum tut sich der FC Bayern mit einer nachhaltigen Besetzung der Außenverteidiger-Position so schwer? Die Fluktuation auf diesen Positionen ist auffällig. Spieler wie Rafinha (8 Jahre in München, 266 Einsätze) oder auch Eigengewächse wie Diego Contento (4,5 Jahre im Profikader, 69 Einsätze) sucht man im aktuellen Kader vergeblich.

Der gebürtige Münchner Josip Stanišić könnte in solch eine Rolle schlüpfen beziehungsweise tut es bereits schon. Er steht, mit Ausnahme einer Leihe nach Leverkusen, seit 2021 im Profikader des FC Bayern (bisher 86 Einsätze) und ist als gebürtiger Münchner besonders mit dem Rekordmeister verwurzelt. Seine Vielseitigkeit half ihm dabei, auf verschiedenen Positionen und auf beiden Außenbahnen viele Minuten zu sammeln.

Frans Krätzig hätte theoretisch das Pendant zum kroatischen Nationalspieler auf der linken Abwehrseite werden können. Der gebürtige Nürnberger hatte aber weder die Geduld noch das für dieses Niveau nötige Talent, sodass man sich nach diversen Leihen für einen endgültigen Abgang (nach Salzburg) entschied.

Der FC Bayern hat eine lange Historie von erfolgreichen Außenverteidigern. Willy Sagnol, Bixente Lizarazu, Philipp Lahm oder David Alaba spielten jeweils mehrere Jahre auf hohem Niveau an der Isar. Ihre Backups hatten es schon immer schwer, auf ausreichend Spielzeit zu kommen.

Rafinha: Ein Sonderfall

Ein Sonderfall war sicherlich Rafinha, der vor allem dann mehr Spielzeit erhielt als Lahm im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde. Im aktuellen Kader gibt es mit Joshua Kimmich beziehungsweise Konrad Laimer und Alphonso Davies eine ähnliche Situation: Hinter den Platzhirschen haben es die Backups schwer nachhaltig Werbung für sich zu machen.

Dabei verfügt der aktuelle Kader, im Vergleich zu den zuvor genannten Spielern, eigentlich über keinen echten Experten auf der Position des Rechtsverteidigers. Mit Laimer begleitet die Position aktuell ein Spieler, der zum Außenverteidiger umgeschult wurde.

Der Österreicher hat in seiner Karriere 181 Partien als Sechser und 101 Spiele als rechter Verteidiger bestritten, 77 davon für den FC Bayern. Laimer kam also ursprünglich als Mittelfeldspieler nach München und nahm dann die Position von Joshua Kimmich ein, der wiederum von der Außenbahn ins Zentrum rückte.

Außenverteidiger: Wichtiger als ihr Ruf, aber offenbar nicht wichtig genug

Beide Spieler sind damit sinnbildlich für die Probleme, die nicht nur der FCB hat. Die Außenverteidigerposition gilt traditionell als eher unwichtigere Position im Vergleich zu anderen Rollen im Team. Historisch gesehen wurden Spieler oft dort eingesetzt, wenn sie in jungen Jahren noch keinen Platz auf ihrer angestammten Position fanden. Selbst Bastian Schweinsteiger spielte in seinen ersten Jahren schon mal Außenverteidiger.

Kimmich kam als zentraler Mittelfeldspieler, hatte dort hinter Xabi Alonso und anderen Größen zunächst aber keine wirkliche Chance auf viele Einsätze. Während einer Phase mit vielen Verletzungen rückte er dann in die Innenverteidigung und in derselben Saison spielte er mehrfach als Rechtsverteidiger, wo er solange blieb, bis die Zeit reif war, ins Zentrum zurückzukehren.

Bereits in der Ausbildung spielte die Außenverteidigerposition in der Vergangenheit keine große Rolle. Nicht selten agieren in der Jugend dort Offensiv- oder Mittelfeldspieler, die weiter vorn der Konkurrenz zum Opfer fallen. Das bedeutet auch, dass nur wenige echte Spezialisten ausgebildet werden. Auf den defensiven Außenbahnen entstehen meist Kompromisse.

Im Weltfußball gibt es entsprechend auch nur wenig Weltklasse auf dieser Position. Und einige Spieler, die dort herausragen, kommen von weiter vorn oder aus der Innenverteidigung. Benjamin Pavard (Innenverteidigung) oder Alphonso Davies (Außenstürmer) sind weitere Beispiele. Die Kompromisse werden letztlich auch auf dem Transfermarkt eingegangen. Spitzenklubs geben ihr Geld in der Regel lieber für aus ihrer Sicht wichtigere Positionen aus, statt dort zu investieren.

Taktische Evolution der Außenverteidiger

Was schon deshalb interessant ist, weil die Rolle der Außenverteidiger heute deutlich wichtiger geworden ist, als sie es in der Vergangenheit noch war. Taktisch ist diese Position mittlerweile unter vielen Trainern sehr anspruchsvoll. Pep Guardiola war einer der ersten, der beim FC Barcelona mit einrückenden Außenverteidigern spielen ließ, um das Mittelfeldzentrum aufzufüllen und die Kontrolle dort zu erhöhen.

Dafür braucht es ballsichere Spieler. Beim FC Bayern fand er später mit Philipp Lahm den perfekten Spielertypen dafür. Lahm brachte sowohl technisch als auch vom Spielverständnis her alles mit, um sich im engen Zentrum zu behaupten und dort großen Einfluss aufs Spiel zu nehmen. Der Außenverteidiger konnte ein Spiel von seiner Position aus kontrollieren und diktieren.

Womöglich gibt es auch deshalb ein Ausbildungsproblem, weil die Position bei vielen jungen Spielern eher unbeliebt ist. Viel Laufarbeit, große defensive Verantwortung, aber dafür vermeintlich weniger Einfluss auf das Geschehen als im Zentrum oder als Außenstürmer. Außenverteidiger werden auch nur selten besungen.

Gerade im modernen Fußball ist ihre Bedeutung aber gestiegen und es bleibt zu hoffen, dass sich das auch auf die generelle Attraktivität für junge Talente auswirkt. Ein Weltklasse-Außenverteidiger kann im Profifußball den Unterschied machen.

Kaderplanung beim FCB: Polyvalenz gewünscht!

Man sieht an den Beispielen beim FCB aber auch, dass es im modernen Fußball immer wichtiger wird, dass Spieler polyvalent, also auf mehreren Positionen einsetzbar sind. Spieler, die lediglich auf einer Position spielen (können), gehören eigentlich der Vergangenheit an.

Man denke nur an Harry Kane, der in der realtaktischen Betrachtung auch des Öfteren für kurze Spielphasen auf der Sechs agiert. Und man sieht das auch im negativen Sinne an Boey, der eigentlich nur als Rechtsverteidiger eine brauchbare Kaderalternative ist und auf der linken Seite nur vereinzelt eingesetzt wurde.

Der Rekordmeister setzte in den vergangenen Jahren ebenfalls vermehrt auf Polyvalenz. Der Transfer von Ito, die Rückholaktion von Stanišić und frühere Beispiele wie Pavard oder Lucas Hernández belegen das. Auch mit Tom Bischof hat man vor der Saison einen Spieler nach München gelockt, der auf mehreren Positionen spielen kann, als Linksverteidiger hatten ihn aber vermutlich dennoch die wenigsten auf dem Schirm.

Dass Bischof dort immer häufiger eingesetzt wird, hängt zum einen mit der Verletztensituation zusammen. Wenn Ito und Davies nicht verfügbar sind, wenn Stanišić innen oder rechts benötigt wird und wenn man Guerreiro lieber auf der Acht oder Zehn einsetzt, muss eine Alternative her.

Die neue Rolle von Außenspielern im internationalen Fußball

Beim FC Bayern ist es mittlerweile ohnehin Standard, dass die Außenverteidiger mehrere taktische Rollen spielen können. Laimer agiert sehr offensiv, rückt teilweise bis in die letzte Linie und dort in den Halbraum vor. Davies hingegen wird meist sehr zentral eingesetzt und soll mit seiner Geschwindigkeit mögliche Konter ablaufen.

Das gegnerische Team wird in solchen Fällen vor die Frage gestellt ob man dem Außenverteidiger nach innen folgen soll und den Flügel zum 1-vs-1 freigibt oder ob man dem Gegner im Zentrum eine Überzahl gewähren soll. Außerdem werden die Gegenpressingsituationen in der Spielfeldmitte verstärkt, wenn dort mehr Spieler auftauchen.

Oleksandr Zinchenko war unter Guardiola ein weiterer Spieler, der als Linksverteidiger im eigenen Ballbesitz zum Achter wurde, Mikel Arteta übernahm diese Idee beim FC Arsenal mit Zinchenko und aktuell mit Myles Lewis-Skelly.

FC Bayern: Neue taktische Rolle für die AV

Bischof spielt bei den Münchnern ebenfalls einrückend, weil er als Mittelfeldspieler alle Fähigkeiten dafür mitbringt und sich seine Rolle auf dem Feld so nur defensiv wirklich verändert. Und auch die FC Bayern Frauen setzen die technischen Fähigkeiten von Carolin Simon oder Katharina Naschenweng in einem ähnlichen Muster ein.

Das Profil der Außenverteidiger hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Vorbei sind die Zeiten der Spieler, deren ursprüngliche Aufgabe es lediglich ist, die eigene Seite zuzumachen. Außenverteidiger werden immer mehr in der Offensive benötigt und das längst nicht mehr gradlinig auf der berühmten „Schiene“.

Nicht selten werden deshalb sogar Flügelstürmer in einem 5-3-2 als Außenverteidiger eingesetzt. Als Beispiele kann man Franziska Kett bei den FC Bayern Frauen, Roland Sallai bei Freiburg und Galatasaray oder Marius Wolf in Augsburg nennen. Sie sind Takt-, Flanken- und Ideengeber. Dafür benötigt es Spieler mit einem entsprechenden Skillset.

Wie geht es auf dieser Position weiter?

Der FC Bayern hatte in der Besetzung der Außenverteidiger zuletzt wahrlich nicht immer ein goldenes Händchen. Reden wir hier also über ein Problem, das der Klub exklusiv hat? Über schlechtes Scouting und falsches Kadermanagement? Nein, denn man muss auch die jeweilige Situation der Spieler und somit jeden Transfer einzeln beurteilen.

Sacha Boey beispielsweise war ein Nottransfer, den man vollzog als Mazraoui und Sarr längerfristig ausfielen. Dass dieser Transfer dazu im Winter vollzogen werden musste, macht Spieler tendenziell auch nicht günstiger. Ob eine Leihe hier nicht klüger gewesen wäre? Im Nachhinein ist man immer schlauer. Fakt ist: 30 Millionen für einen damals 23-jährigen Verteidiger mit über 150 Profi-Einsätzen war kein Mondpreis. Zumal Boey bei Galatasaray auch schon international starke Auftritte hatte.

Auch Mazraoui war eigentlich ein smarter Transfer. Der Marokkaner kam einst ablösefrei zum FC Bayern, er hatte bei Ajax seine Tauglichkeit auch auf internationalem Niveau nachgewiesen und war ein vielversprechender Neuzugang. Der Abgang nach Manchester für 15 Millionen Euro kam dann einer Flucht gleich. Mazraoui gab später zu Protokoll, er habe sich in München nicht sonderlich wohl gefühlt.

Rechtsverteidiger beim FC Bayern: Was schon alles versucht wurde

Der FC Bayern hat in der Vergangenheit vieles versucht: Umgeschulte Offensivspieler auf die Außenverteidiger-Position zu setzen (Sarr), Talente zu leihen (Odriozola), Spieler ablösefrei (Mazraoui) zu ködern oder einem arrivierten Spieler aus Frankreich (Boey) die Chance zu geben.

Dass die genannten Spieler aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert haben, spricht per se aber nicht gegen die angewandte Strategie. Klar ist: Max Eberl muss es schaffen, die Qualität der Spieler aus der zweiten Reihe zu erhöhen. Die Unterschiede zwischen Laimer und dem nächsten Rechtsverteidiger dürfen nicht so groß sein, wie es aktuell zu Boey oder selbst zu Stanišić der Fall ist.

Boey selbst wird den FC Bayern wohl demnächst verlassen. Er wird weiterziehen und irgendwo in Spanien, Frankreich oder in England seinen Weg gehen. Dass er es in München nicht geschafft hat, ist nicht gleichzusetzen mit dem Karriereende, kein abschließendes Zeugnis seiner Fähigkeiten. Die Anforderungen an der Säbener Straße sind hoch, die Platzhirsche bringen ein gewisses Niveau mit. Und die Konkurrenz ist groß, wenn eigentlich positionsfremde Spieler wie Laimer mit ihrem Profil durchstarten können.

Bei Transferbewertungen geht es am Ende auch immer um Nuancen. Ein Wechsel ist immer auch ein Stück weit eine Wette, da keiner – weder Eberl noch Kompany noch der jeweilige Spieler – die Zukunft vorhersagen kann. Zur neuen Saison wird es beim FC Bayern wohl einen neuen Anlauf geben…

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