90PLUS
·5 August 2026
Drei Duelle in vier Monaten – Stuttgart eröffnet ohne Stammkeeper

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·5 August 2026

4:2 im April, 0:3 im Pokalfinale, Platz vier am Ende. Der VfB Stuttgart hat gegen den FC Bayern zuletzt vor allem eines beigesteuert: die Kulisse für fremde Feiern. Am 28. August darf er es wieder tun – diesmal als Eröffnungsgast.
Die DFL hat dem Auftakt der 64. Bundesliga-Saison eine Paarung verpasst, die im Sommer 2026 fast schon Routine ist. Zum dritten Mal binnen vier Monaten stehen sich Meister und Pokalfinalist gegenüber. Zweimal endete das mit einer Münchner Party, an der die Schwaben als Gäste teilnahmen.
Das erste dieser Spiele war die Titelbesiegelung: Mit dem 4:2 sicherte sich Bayern bei vier ausstehenden Partien und 15 Punkten Vorsprung auf Dortmund die Meisterschaft. Das zweite war das Double. Beim dritten geht es um drei Punkte und ein Gefühl.
Der Klick-Reflex vor solchen Abenden lautet: Kann der Herausforderer den Meister stürzen? Am ersten Spieltag stürzt niemanden jemand, dafür fehlen schlicht die 33 weiteren. Interessanter ist, mit welchem Personal der Vierte der Vorsaison in München aufläuft.
Alexander Nübel, drei Jahre lang Stuttgarts Rückhalt, ist weg – über den FC Bayern nach Istanbul, Ablöse rund 6,25 Millionen Euro. Zum Nachfolger hatte der VfB frühzeitig Dennis Seimen bestimmt, 20 Jahre alt, mit dem SC Paderborn aufgestiegen. Sebastian Hoeneß nannte die Entscheidung einen „mutigen Schritt“. Mutig war sie. Sie hat nur einen Haken bekommen.
Seimen zog sich in der Vorbereitung eine Muskelverletzung an der Oberschenkelrückseite zu und fällt mindestens bis Ende September aus. Er verpasst damit die ersten vier Bundesligaspiele, die erste Pokalrunde und den Start in die Champions-League-Ligaphase. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach laut dpa von „definitiv schlechten Nachrichten“ – auch Offensivmann Justin Diehl fehlt.
Auf dem Transfermarkt ist der VfB seither nicht fündig geworden. Das Anforderungsprofil erklärt, warum: Gesucht wird laut den „Stuttgarter Nachrichten“ ein Torwart, der sofort Champions-League-Niveau hält und im Oktober klaglos auf die Bank rückt. Solche Leute stehen selten herum. Also spricht vieles für Fabian Bredlow, 31, seit Jahren die Nummer zwei, der beim 8:1 gegen Kickers Offenbach überzeugte und laut „Bild“ nur eines will: „zu zeigen, dass kein Handlungsbedarf besteht“.
Auf der Gegenseite steht ein 40-Jähriger, der im Mai bis 2027 verlängert hat und weiter Kapitän ist. Manuel Neuer geht in seine sechzehnte Saison in München. Wer nach einem Bild für das Kräfteverhältnis dieses Freitagabends sucht, findet es zwischen den Pfosten.
Vincent Kompany startet in sein drittes Jahr, und der Kader ist teurer geworden statt breiter. Nathaniel Brown kam für kolportierte 50 Millionen Euro aus Frankfurt, Ismael Saibari für eine ähnliche Summe von der PSV. Abgänge gab es vor allem am oberen Ende der Gehaltsliste: Leon Goretzka und Raphael Guerreiro verließen den Klub ablösefrei, Nicolas Jackson kehrte nach der Leihe zu Chelsea zurück.
Stuttgart hat anders gearbeitet. Grischa Prömel kam von der TSG Hoffenheim, Leo Sauer von Feyenoord, Bilal El Khanouss wurde nach der Leihe fest verpflichtet. Kein Umbruch, eher eine Verdichtung – bei gleichzeitig gestiegener Belastung, denn die Königsklasse steht wieder im Kalender. Angelo Stiller besitzt nach kicker-Informationen eine Ausstiegsklausel von 36,5 Millionen Euro. Dass sie bis Ende August unangetastet bleibt, ist für den VfB die wichtigere Personalie als jeder Zugang.
Zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel bittet Borussia Dortmund zur Saisoneröffnung. Am 15. August um 17.30 Uhr ist die AS Rom im Signal Iduna Park zu Gast, das sechste und letzte Testspiel eines Sommers, der über Oberhausen, Düsseldorf, Japan und London führte. Bei den Römern steht mit Donyell Malen ein alter Bekannter unter Vertrag, im Dortmunder Kader wiederum drei junge Italiener.
Als Generalprobe für den Ligastart wird das Spiel gern verkauft. Nur beginnt für den BVB die Pflichtsaison eine Woche früher als für alle anderen: Am 22. August steigt im eigenen Stadion der Franz Beckenbauer Supercup – gegen Bayern. Erst danach folgt am 29. August das Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV. Niko Kovac testet also nicht für einen Saisonstart, sondern für ein Endspiel. Das ist ein Unterschied in der Belastungssteuerung, und er wird sich am 15. August an der Aufstellung ablesen lassen.
Die Ausgangsdaten sprechen für Dortmund: 73 Punkte in der Vorsaison, Vizemeister, dazu mit 34 Gegentoren die beste Defensive der Liga. Die Bilanz gegen den Meister liest sich trotzdem anders. Fünfzehn Punkte Rückstand entstehen nicht an schwachen Abenden, sondern über Monate.
Was dieser Auftakt tatsächlich beantwortet, ist überschaubar. Ob Bredlow die Liga hält. Ob Stiller noch da ist. Ob Kompanys teure Neuzugänge nach der WM-Sommerpause schon greifen. Titel werden am 28. August keine vergeben, nicht einmal Tendenzen sind belastbar – Eröffnungsspiele haben schon Mannschaften gewonnen, die im Mai gegen den Abstieg spielten.
Und trotzdem sagt die Konstellation etwas über die Liga: Der Meister eröffnet gegen den Klub, an dem er im Frühjahr zweimal seinen Erfolg festgemacht hat. Eröffnungsspiele entscheiden nichts. Sie zeigen nur, wer schon fertig ist – und wer noch improvisiert.
Live







































