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·6 April 2026
„Kein Pardon mehr“: Politik macht Druck nach Skandalspiel in Dresden

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·6 April 2026

Jagdszenen im Innenraum, dichte Pyro-Schwaden, Hundertschaften auf dem Rasen – die Schreckensbilder aus Dresden hallten auch noch Tage später nach. Inmitten der ohnehin schon emotional aufgeladenen Diskussionen rund um Fankultur und Sicherheit in Stadien droht dem deutschen Fußball nach dem Eklat am Osterwochenende ein Rückschlag am Verhandlungstisch – die Politik erhöht knapp drei Monate vor der Innenministerkonferenz den Druck.
„Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben, meine Geduld hat endgültig ein Ende“, sagte Sachsens Innenminister Armin Schuster auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID). Die Vorkommnisse beim Zweitligaduell zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) stünden „symbolisch für die Gewaltfolklore in deutschen Fußballstadien und stellen den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit DFB und DFL infrage“. Das war den Klubverantwortlichen bereits kurz nach Abpfiff am späten Samstagabend bewusst.
„Wir und zahlreiche weitere Vereine setzen uns seit Monaten für Fan-Interessen und ein sicheres Stadionerlebnis ein – da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor“, sagte Dynamo-Geschäftsführer Stephan Zimmermann. Auch sein Berliner Amtskollege Peter Görlich bezeichnete die Ausschreitungen im Rudolf-Harbig-Stadion als „Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker“. Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther zeigte sich im Sport1-Doppelpass „noch geschockt“ von den Ereignissen, die dem Verein „jegliche Argumentation“ nehmen würden, „für Faninteressen einzustehen“. Und das zur Unzeit.
Seit Wochen mehren sich die kritischen Stimmen aus der Politik, diese dürften angesichts der jüngsten Zwischenfälle vor der nächsten Innenministerkonferenz Mitte Juni nicht leiser werden. Auch Schuster und sein Partei- und Amtskollege Herbert Reul aus Nordrhein-Westfalen hatten in einem kicker-Interview Mitte März nicht ausgeschlossen, dass Klubs künftig für die Polizeikosten bei Hochrisikospielen aufkommen müssen. Auf die Vereine könnten Ausgaben in Millionenhöhe zukommen. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hatte im Januar des vergangenen Jahres entschieden, dass die Länder den Klubs Gebühren in Rechnung stellen dürfen.
Schuster kündigte nun an, sich die Ergebnisse einer „präzisen Aufarbeitung“ des Spiels zwischen Dresden und Hertha persönlich vorlegen zu lassen. Den Charakter der nächsten Innenministerkonferenz machte er davon abhängig, „wie drakonisch die Konsequenzen sind, die auf diese Krawallexzesse gezogen werden. DFB, DFL und die Vereine können nur noch mit Wirkung überzeugen“, sagte der CDU-Politiker.
Zumindest die Aufarbeitung hat längst begonnen. Die Dresdner Polizei leitete mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrugs ein.
Doch was war passiert? Nachdem in den beiden Fanblocks wiederholt Pyrotechnik abgebrannt worden war, eskalierte die Situation in der 19. Spielminute. Laut Polizei überstiegen Gästefans eine Absperrung und drangen in den Innenraum ein. In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen mit Heimfans, von denen ebenfalls etwa 60 Absperrungen überwunden hatten, Pyrotechnik und Raketen wurden hin- und hergeschossen. Einsatzbeamte trennten die Lager, das Spiel musste für rund 20 Minuten unterbrochen werden. Auslöser soll laut Gonther „wohl ein Fahnenklau“ gewesen sein.
Die Bilder von Samstagabend seien „nicht akzeptabel“, betonte Dynamo-Geschäftsführer Zimmermann, diese würden dem Verein sowie dem gesamten deutschen Fußball „massiv“ schaden. So viel ist jetzt schon sicher.


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