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·4 April 2026
Lorenzos Treue zu James Rodriguez wird für Kolumbien zum WM-Risiko

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·4 April 2026

Nach 63 Minuten gegen Frankreich, schwerer Dehydrierung und Krankenhausaufenthalt steht Kolumbiens Trainer Lorenzo vor einer unbequemen Entscheidung über Rodriguez.
39 Minuten. So viel Spielpraxis hat James Rodriguez in dieser MLS-Saison für Minnesota United gesammelt – verteilt auf zwei Kurzeinsätze. Am Sonntag in Landover stand er dann 63 Minuten gegen Frankreich auf dem Platz, wirkte träge, wurde ausgewechselt. Drei Tage Krankenhaus folgten: schwere Dehydrierung. Der kolumbianische Verband bestätigte den Vorfall. Und Nationaltrainer Néstor Lorenzo? Steht vor der unbequemsten Frage seiner Amtszeit.
Es geht hier nicht um einen Spieler, dem man Einsatz absprechen könnte. James Rodriguez hat 122 Länderspiele bestritten, 31 Tore erzielt, war Torschützenkönig der WM 2014 mit sechs Treffern in fünf Spielen. Kolumbien unter Lorenzo erreichte das Finale der Copa América 2024, war 28 Spiele ungeschlagen – Rodriguez mittendrin, als Kapitän und Taktgeber. Die Sentimentalität hat also eine Grundlage. Aber Grundlagen veralten.
Seit seinem Wechsel zu Minnesota United im Februar hat Rodriguez vor dem Frankreich-Spiel fast vier Monate kein offizielles Spiel bestritten. Sein MLS-Debüt: eine Einwechslung in der 64. Minute gegen Vancouver beim Stand von 0:5 – Endstand 0:6. Minnesota hat vier Punkte aus vier Spielen, Rodriguez ist kein Designated Player, kam als Free Agent. Das ist kein Profil eines WM-Stammspielers. Das ist das Profil eines Karriereausklangs.
Lorenzo wird für seine Treue zu Rodriguez schon länger kritisiert, und die jüngsten Testspiele liefern den Kritikern Munition. Gegen Kroatien verlor Kolumbien 1:2, gegen Frankreich 1:3 – Désiré Doué traf doppelt, Marcus Thuram einmal, der Ehrentreffer von Jaminton Campaz änderte nichts am Gesamtbild. Zwei Niederlagen in einer Woche, in der Lorenzo seinen alternden Spielmacher hätte schonen können, stattdessen schickte er ihn bei 26 Grad in Landover über eine Stunde auf den Platz. Das Ergebnis steht in der Krankenakte.
Man kann Lorenzo zugutehalten, dass sein Vertrag bis zur WM 2026 läuft und er Kolumbien als Dritter der CONMEBOL-Qualifikation souverän zum Turnier geführt hat. Er kennt seine Mannschaft, er kennt Rodriguez. Aber genau darin liegt das Problem: Wer einen Spieler zu gut kennt, übersieht manchmal, was alle anderen längst sehen. Bei León in Mexiko kam Rodriguez zuletzt auf 14 Einsätze mit drei Toren und zwei Assists – solide für die Liga MX, aber weit entfernt von dem Niveau, das eine WM-Gruppenphase gegen Portugal verlangt.
Zwei Monate vor dem Turnierstart plant die FIFA bei allen 104 Partien Trinkpausen nach 22 und 67 Minuten – wegen der erwarteten Hitze. Wenn ein Spieler bereits bei einem Freundschaftsspiel im März mit schwerer Dehydrierung ins Krankenhaus muss, was passiert dann im Sommer, wenn es zählt? Lorenzos Loyalität ehrt den Menschen. Aber sie belastet den Trainer. In Gruppe K warten Usbekistan, die DR Kongo und Portugal. Kolumbien hat genug Qualität im Kader, um ohne Rodriguez zu bestehen – vorausgesetzt, Lorenzo lässt die Romantik los, bevor sie zum Risiko wird.
Ein Krankenhausaufenthalt ist kein Argument. Ein Krankenhausaufenthalt ist ein Warnsignal – und wer es ignoriert, gefährdet nicht einen Spieler, sondern ein ganzes Turnier.









































