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·25 April 2026
Nach 23 Jahren Profifußball: Aue steigt erstmals in die 4. Liga ab

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Nach dem 1. FC Schweinfurt steht mit dem FC Erzgebirge Aue der zweite Absteiger in die Regionalliga fest. Durch das 2:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden liegen die Veilchen vor den letzten drei Spieltagen elf Punkte hinter dem rettenden Ufer, was somit nicht mehr aufzuholen ist. Für Aue ist es nach 23 Jahren im Profifußball der erstmalige Abstieg in die Regionalliga.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der Stadionvorplatz beim FC Erzgebirge Aue seit 2024 nach Gerd Schädlich benannt ist. Schließlich war der im Januar 2022 verstorbene Ex-Profi zwischen 1999 und 2007 in genau 300 Spielen als Trainer beim FCE tätig – und führte die Veilchen 2003 mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga erstmals in ihrer Vereinshistorie in den gesamtdeutschen Fußball. Seitdem hielt sich das "gallische Dorf" aus dem Erzgebirge 23 Jahre am Stück im Profifußball – davon 16 Jahre in der 2. Liga. Sowohl 2010 als auch 2016 – sogar im direkten Anlauf – gelang Aue nach dem Abstieg aus dem Bundesliga-Unterhaus die Rückkehr, ehe es 2022 zum dritten Mal in die 3. Liga ging.
Erneut wurde der Wiederaufstieg angepeilt, doch schnell fanden sich die Veilchen im Abstiegskampf wieder und retteten sich am Ende nur knapp. Die anschließende Saison ließ den FCE mit Platz 6 zum Abschluss nochmal träumen, doch spätestens, als Trainer Pavel Dotchev im Dezember 2024 trotz Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen gehen musste, ging es stetig bergab. Unter Nachfolger Jens Härtel reichte es in der letzten Saison nur zu einem enttäuschenden 13. Platz, ehe in dieser Spielzeit schließlich der endgültige Absturz erfolgte. Die ernüchternde Bilanz: Nur fünf Siege, 20 Niederlagen und gerade mal 25 Punkte.
Beim 2:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden blieb Aue auch im 16. Spiel der Rückrunde sieglos und holte seit Jahresbeginn damit nur vier von 48 Punkten. Kein Team ist schwächer. Bei der Anzahl der Tore (42) und sowie der Heim- und Auswärtspunkte werden die Veilchen zudem nur von Schlusslicht Schweinfurt noch unterboten.
Auch der Trainerwechsel an Ostern von Christoph Dabrowski, der nach nur acht Wochen seinen Posten räumen musste, hin zu Khvicha Shubitidze brachte nicht die Wende. Co-Trainer Lars Fuchs war ebenfalls freigestellt worden, während Sportchef Michael Tarnat von sich aus zurücktrat – nach nur drei Monaten im Amt. Allein seit Dezember haben die Veilchen damit zwei Trainer (Jens Härtel, Christoph Dabrowski), zwei Co-Trainer (Jörg Emmerich, Lars Fuchs) und zwei Sportchefs (Matthias Heidrich, Michael Tarnat) verschlissen.
Längst stehen daher auch die Verantwortlichen in der Kritik. Präsident Thomas Schlesinger hatte zuletzt Konsequenzen angekündigt, aber offen gelassen, welche genau. Einige Fans drängen mittlerweile auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung, die womöglich zu einem herben Einschnitt führen könnte. Doch so oder scheint ein großer Cut zum Saisonende unvermeidbar. Dafür ist in den letzten Monaten zu viel schief gelaufen. Begonnen hat der schleichende Abwärtstrend aber nicht erst in dieser Saison, sondern schon in den letzten Jahren, in denen der dreimalige DDR-Meister den Anforderungen und Gepflogenheiten des Profifußballs immer weniger gewachsen schien.
In der Regionalliga soll nun ein Neuanfang erfolgen – mit dem klaren Ziel, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Immerhin steigt der Nordost-Meister in der kommenden Saison direkt auf. Um im Haifischbecken der Traditionsvereine wie Jena, Erfurt, Halle und womöglich auch Lok Leipzig eine Chance zu haben, wollen die Veilchen einen Gesamtetat von zehn Millionen auf die Beine stellen.
Die aufgebauten Strukturen und die professionelle Infrastruktur sollen trotz notwendiger Einschränkungen und Einsparmaßnahmen von rund drei Millionen Euro weitgehend erhalten bleiben. Dazu zählen 50 bis 60 Arbeitsplätze, die Geschäftsstelle, das Nachwuchsleistungszentrum sowie die Stadioninfrastruktur. Hinzu kommen 13 weitere Abteilungen wie die Ringer und die Schwimmer. Damit das gelingt, setzt der Verein auf den Rückhalt aus dem Umfeld, etwa auf die Sponsoren. Einer wie Gerd Schädlich würde den Veilchen in dieser Situation sicherlich guttun. Er wird im Himmel eine Träne verdrücken, dass sein Herzensklub ausgerechnet im Jahr des 80-jährigen Vereinsjubiläums aus der 3. Liga absteigt und künftig erstmals nur noch viertklassig spielt.
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