feverpitch.de
·18 March 2026
Titel aberkannt: Der afrikanische Verband macht sich selbst lächerlich

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·18 March 2026

Senegal gewann das Finale gegen Marokko 1:0 – zwei Monate später kassierte die CAF im Berufungsverfahren das Ergebnis. Nun zieht Senegal vor den CAS.
Senegal gewinnt ein Finale 1:0 nach Verlängerung. Der Torschütze heißt Pape Gueye, der Treffer fällt in der 94. Minute, Sadio Mané hebt den Pokal, Afrikas Verbandspräsident Patrice Motsepe überreicht die Trophäe persönlich. Zwei Monate später ist der Titel weg. Nicht wegen Dopings, nicht wegen einer Spielmanipulation – sondern weil senegalesische Spieler nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff für rund 15 Minuten das Spielfeld verlassen hatten. Und das in einem Finale, das Senegal danach trotzdem gewonnen hat.
Die CAF stützt sich auf Artikel 82 ihres Turnierreglements: Wer das Feld vor dem regulären Ende verlässt, gilt als Verlierer. Formal ist das nachvollziehbar. Die Regel existiert, sie wurde verletzt, Trainer Pape Thiaw hatte seine Spieler zum Verlassen des Platzes angewiesen.
Zur Wahrheit gehört aber auch: In der ersten Disziplinaranhörung ließ die CAF das Ergebnis unangetastet. Sie verhängte Geldstrafen von über einer Million Dollar, sperrte Thiaw für fünf Spiele, belegte Iliman Ndiaye und Ismaila Sarr mit jeweils zwei Spielen Sperre. Das klang nach einer harten, aber abschließenden Sanktion. Erst im Berufungsverfahren – angestoßen durch den marokkanischen Verband – wurde das Ergebnis kassiert und in ein 3:0 für Marokko umgewandelt.
Der Konfliktkern liegt genau hier: Die CAF hat denselben Sachverhalt zweimal bewertet und ist beim zweiten Mal zu einem diametral anderen Ergebnis gekommen.
Dass ausgerechnet Marokko profitiert, macht die Sache nicht einfacher. Das Finale fand in Rabat statt, vor marokkanischem Publikum, in einem Stadion, in dem Senegals Fans versuchten, den Platz zu stürmen – was die Sicherheitskräfte des Gastgebers verhindern mussten. Die Tumulte auf den Tribünen trugen erheblich zur Eskalation bei. Marokko hatte unmittelbar nach dem Schlusspfiff rechtliche Schritte bei CAF und FIFA angekündigt.
Zwei Monate später hat der Gastgeber exakt das bekommen, was er juristisch eingefordert hat: den Titel. Zum ersten Mal seit 1976 wird Marokko als Afrikameister geführt. Der marokkanische Verband betont, es gehe nicht um die Infragestellung sportlicher Leistung, sondern um die Anwendung der Wettbewerbsbestimmungen. Das klingt gut, aber: Wer ein Finale verliert und danach auf dem Rechtsweg den Pokal erhält, muss sich die Frage gefallen lassen, ob das dem Fußball mehr nützt oder mehr schadet.
Senegals Verbandspräsident Seydou Sow nannte die Entscheidung im staatlichen Rundfunk eine „Schande für Afrika". Sein Verband spricht von einer „ungerechten, beispiellosen und inakzeptablen Entscheidung, die den afrikanischen Fußball in Verruf bringt". Der Gang vor den CAS nach Lausanne ist angekündigt, und die Chancen sind nicht schlecht. Die CAF selbst hatte das Ergebnis zunächst bestätigt. Die Strafen waren verteilt. Dass eine Berufungsinstanz desselben Verbands den eigenen Erstbeschluss derart fundamental revidiert, wirft Fragen auf, die weit über diesen Einzelfall hinausgehen.
Seien wir ehrlich: Das Verhalten der senegalesischen Spieler war falsch. Ein Spielfeld zu verlassen, weil man mit einer Schiedsrichterentscheidung nicht einverstanden ist, verstößt gegen Grundregeln des Sports. Dafür wurden Strafen verhängt – hohe Strafen. Aber einen regulär gewonnenen Titel zwei Monate nach der Pokalübergabe vom Schreibtisch aus umzuschreiben, ist etwas anderes.
Es ist die Entscheidung eines Verbands, der seine eigene Autorität untergräbt, indem er zeigt, dass sportliche Ergebnisse nachträglich verhandelbar sind. Die Frage, die der CAS jetzt beantworten muss, ist nicht nur juristisch: Sie betrifft die Glaubwürdigkeit einer ganzen Institution.
Live









































