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·17 March 2026

Vor dem Schlussspurt: RWE hat alle Trümpfe in der Hand

Article image:Vor dem Schlussspurt: RWE hat alle Trümpfe in der Hand

Chapeau, Rot-Weiss Essen! Chapeau, Uwe Koschinat! In einer Situation, in der sich RWE extremem Druck widersetzen musste, hat die Mannschaft sportlich geliefert. Neun Spieltage vor Schluss deutet plötzlich wieder vieles auf Aufstiegskampf bis zum Schluss hin. Wird der Spielplan für die Mannen aus dem Ruhrgebiet noch zum entscheidenden Vorteil?

Fans schwören sich ein

Die aktive Fanszene von RWE hatte sich schon vor dem Heimspiel für Erzgebirge Aue etwas überlegt. Mit einem per Flyer verteilten Aufruf schworen sie sich und alle, die es mit den Essenern halten, auf den bevorstehenden Endspurt in der 3. Liga. Klarer Tenor: Alles wird dem sportlichen Ziel untergeordnet – auch der Frust, sollte es nochmals einen Rückschlag geben. Einheitliche Anfeuerung und Vertrauen in die handelnden Athleten auf dem Rasen anstelle von sofortiger Nervosität und Kritik als neues Rezept: Was für manch kleineren Verein gang und gäbe ist, wäre für Rot-Weiss Essen ein Quantensprung. Doch zeigte die Mannschaft von Uwe Koschinat mit dem 4:2-Erfolg über Erzgebirge Aue nicht abermals, dass sie sich genau diese Rückendeckung verdient hat?


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Was an der Hafenstraße an diesem verregneten Samstag gezeigt worden war, hatte jedenfalls sehr viel von der Leistung eines künftigen Aufsteigers: Gegen verunsicherte Gäste, die auch unter Essens Ex-Trainer Christoph Dabrowski dem Saisonende und damit dem Abstieg in die Regionalliga entgegen taumeln, griff RWE tief in die Trickkiste: Per Hacke, mit einem Distanzkracher und einem weiteren Fernschuss stellte der Favorit zwischen der 28. und 37. Minute von 0:0 auf 3:0. Einziger Makel war, dass selbst diese Führung gegen eine der schwächsten Offensivreihen der 3. Liga nicht für restlose Sicherheit sorgte und Aue sich noch auf 2:3 heranarbeitete – der Pfosten und Torwart-Rückkehrer Jakob Golz bewahrten rund 16.000 Fans in Bergeborbeck vor einem schweren Nervenzusammenbruch.

Binnen zwei Wochen dreht sich die Stimmung um 180 Grad

"Normalerweise hast du mit dieser Anzahl an Gegentoren da oben nichts zu suchen", stellte Koschinat ehrlich fest. Doch RWE hat die Qualität für eigene Treffer in allen Mannschaftsteilen – und kann sich damit, mit Stand vom 29. Spieltag, auch 48 kassierte Tore (1,65 pro Spiel!) leisten. Es ist eine simple Psychologie, die die Essener nun bevorteilt: Je öfter es gelingt, solche Partien zu ziehen, desto größer wird auch die Zuversicht, es in jedem anderen Punktspiel wiederholen zu können.

Erst zwei Wochen ist der Absturz auf den 7. Tabellenplatz infolge der 2:3-Niederlage in Rostock her, direkt davor hatten die Westdeutschen beim aktuellen Spitzenreiter aus Osnabrück sogar mit 0:3 den Kürzeren gezogen. Sechs Punkte betrug der Rückstand auf einen direkten Aufstiegsrang Ende Februar, jetzt ist es nur noch einer – ein Stimmungswandel um 180 Grad! Und weil einerseits die Fragezeichen beim MSV Duisburg nach wiederholt heftigen Auswärtspleiten wachsen sowie die Euphorie vom Vorjahres-Aufstieg schrumpft, andererseits auch Energie Cottbus nur noch zwei der vergangenen sieben Spiele gewonnen hat, ist auch die kurzfristige Prognose für Rot-Weiss Essen vielversprechend. Neben den bereits etwas enteilten Osnabrückern wirken derzeit primär der SC Verl sowie Hansa Rostock qualitativ dazu in der Lage, noch längerfristig Gegenwehr zu leisten.

RWE stark gegen "schwächere" Klubs

"Der Kader schwebt zwischen den Welten", schrieb kürzlich der RevierSport. Der Hintergrund: Gegen die direkte Konkurrenz aus den Top 8 holte RWE in elf Saisonpartien nur etwa einen Zähler pro Spiel, gegen den Rest der Liga 2,2 Punkte. "Man hat das Gefühl, die Essener können gegen diese Gegner so viele Fehler machen, wie sie wollen, die individuelle Qualität reicht am Ende doch fast immer", kommentiert der Reviersport. Belege dafür lieferte Essen etliche, kassierte schließlich bei den vergangenen sieben Siegen fünfmal zwei Gegentore – die Gegner entstammten dabei allesamt Mittelfeld oder Abstiegszone. 59 erzielte Tore sind längst der zweitbeste Wert hinter Verl, dabei sind nirgendwo sonst in der Liga so viele Spieler von Sturm bis Außen- und Innenverteidigung derart torgefährlich wie bei RWE. Gegner haben es schwer, diese Vielseitigkeit in den Griff zu bekommen.

Spielt der Kalender den Rot-Weissen nun final in die Karten? Im Endspurt warten nur noch drei Topspiele, das erste davon Anfang April im Derby gegen den auswärts taumelnden MSV Duisburg (31. Spieltag). Es folgen das Gastspiel bei Energie Cottbus (34.) sowie das Heimspiel gegen den SC Verl (37.), das in jede Richtung vorentscheidenden Charakter haben könnte. Dazu kommen reihenweise Aufgaben, die mit zunehmender Dauer des Frühlings zur Kategorie "Pflichtsieg" zählen werden: Schweinfurt, Ingolstadt, Saarbrücken, Stuttgart II, zum Abschluss Ulm: Designierte, womöglich bereits feststehende Absteiger und Klubs im Kampf um die vielzitierte goldenes Ananas geben sich dann die Klinke in die Hand.

Es sind sechs Gegner, die für Rot-Weiss Essen zum Schlüssel werden, um das begehrte zweite Ticket zum Direktaufstieg in die 2. Bundesliga nach quälend langen 19 Jahren Wartezeit zu ergattern. Die bisherige Souveränität sowie der psychologische Vorteil, in dieser Saison schon zigfach Drucksituationen gemeistert zu haben, lassen zwischen Emscher und Ruhr auf das Beste hoffen.

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