FC Bayern München
·30 de abril de 2026
Leon Goretzka im „51“-Interview vor seinem Abschied

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Acht Jahre, sieben Meisterschaften – und eine Karriere, die weit mehr bedeutet als Titel. Vor seinem Abschied spricht Leon Goretzka im FC Bayern-Mitgliedermagazin „51“ über prägende Momente auf dem Platz und das, was ihn abseits davon beschäftigt: Erinnerungskultur und die Überzeugung, dass Haltung keine Privatsache ist.
Leon, dein letzter Monat beim FC Bayern ist angebrochen – und ihr steht noch in allen drei Wettbewerben. Nimmst du diese aufregenden Wochen bewusster wahr als sonst? „Ich habe es mir vorgenommen. Geklappt hat es noch nicht – dafür bin ich zu sehr im Modus. Ich will gewinnen, ich will Erfolg. Da bleibt kein Platz, das groß aufzusaugen. Aber ich glaube, das ist auch der richtige Weg. Nur so kann ich es wirklich genießen.“
Gehen wir ganz zurück zum Anfang. Du warst 23, als du 2018 hier angekommen bist. Kannst du dich noch an deinen ersten Tag an der Säbener Straße erinnern? „Damals lag gerade eine ziemlich desaströse Weltmeisterschaft hinter uns. Ich kam trotzdem voller Vorfreude an die Säbener Straße. Viele Jungs kannte ich schon aus der Nationalmannschaft. Aber klar war ich an diesem ersten Tag auch ein bisschen nervös – vor allem aber heiß drauf, endlich loszulegen.“
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Du kamst mit klaren sportlichen Ambitionen. Was ist daraus in den letzten acht Jahren geworden? „Ich kann mich noch gut an meine erste Pressekonferenz erinnern. Da hat mich jemand gefragt, was meine Ziele sind – und ich habe gesagt, dass ich mich zeitnah in der Startelf sehe. Da hat der eine oder andere im Raum geschmunzelt. Aber ich habe es relativ schnell geschafft. Dass ich am Ende so lange bleiben und so erfolgreich sein würde, hätte aber auch ich damals nicht für möglich gehalten.“
War dieses Schmunzeln auch ein Ansporn für dich? „Auf jeden Fall. Ich erinnere mich auch noch an eine ‚Doppelpass‘-Sendung, in der Mario Basler und Peter Neururer eine Wette abgeschlossen haben. Basler meinte, dass ich keine fünf Spiele für Bayern machen werde – es sind dann ja doch ein paar mehr geworden. Ich weiß gar nicht, ob Peter Neururer seine Kisten Bier je bekommen hat (schmunzelt).“
Es sind über 300 Spiele für Bayern geworden, dazu 14 Titel – und es könnte noch der eine oder andere dazukommen. Wenn du auf deine Bayern-Jahre zurückschaust, welche Phase war die stärkste? „In der Zeit nach der Corona-Pause haben wir als Mannschaft einen Rekord nach dem anderen gebrochen, haben die Champions League und das Triple gewonnen – leider oft vor leeren Rängen. Das war unheimlich schade. Seitdem war es mein Ansporn, noch mal so eine Saison zu erleben, aber dann zusammen mit den Fans. Das war auch ein Grund, warum ich jetzt im Winter bewusst entschieden habe, noch bis Sommer zu bleiben. Ich habe richtig Bock darauf, 2020 zu wiederholen, aber eben mit unseren Fans. Das wäre noch mal eine andere Nummer.“
Fühlt es sich also gerade an wie 2020? „Wir machen intern gerne Scherze darüber, dass wir damals ab dem Viertelfinale irgendwie gewusst haben, dass wir den Titel holen. Dieses Selbstverständnis ist in den vergangenen Wochen zurückgekommen. Das hat nichts mit Arroganz zu tun. Es heißt auch noch lange nicht, dass wir die Champions League gewinnen werden. Aber da ist das spezielle Gefühl, das du mit Glück vielleicht ein-, zweimal in deiner Karriere hast. Wir haben eine Mannschaft, in der jedes Rad ins andere greift. Wir haben individuelle Qualität und parallel diesen Hunger, diese Laufbereitschaft. Und ich will jetzt unbedingt noch schauen, wie weit es uns führt.“
Du bist ein Fußballer, der sich auch öffentlich zu gesellschaftlichen Themen äußert. Wie schwierig ist es geworden, als Sportler Haltung zu zeigen? „Ich finde nicht, dass das schwieriger geworden ist. Es war einfach schon immer schwierig. Weil man dann eben auch Anfeindungen erlebt und damit umgehen muss.“
Und wie gehst du damit um? „Für mich ist es klar, dass ich mich weiter zu Themen äußern werde, die mir wichtig sind, egal, wie sehr ich dafür auf Social Media angegriffen werde. Ich finde, gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, nicht wegzuschauen, sondern aufzustehen und sich zu Wort zu melden.“
Vor ein paar Jahren hast du Margot Friedländer getroffen, eine Holocaust-Überlebende. Was ist dir aus dieser Begegnung in Erinnerung geblieben? „Wenn ich daran denke, kriege ich gleich wieder Gänsehaut. Die Begegnung mit ihr hat mir noch mal klargemacht, dass es in unserer Verantwortung liegt, dass sich gewisse Dinge nicht wiederholen. Aus diesem Grund hat sie sich auch im hohen Alter noch so engagiert, hat viele junge Menschen getroffen. Leider musste sie in den letzten Jahren ihres Lebens miterleben, dass es in die falsche Richtung geht.“
Aufstehen, vorangehen, andere mitreißen – diesen Anspruch an dich selbst hast du auch auf dem Rasen immer gehabt. Wann hast du gemerkt, dass du nicht nur Mitspieler bist, sondern Führungsspieler? „Das liegt einfach in meiner Natur und macht mich als Spieler ein Stück weit aus. In Phasen, in denen es persönlich auf dem Platz nicht so gut läuft, ist es nicht einfach, diesen Anspruch aufrechtzuerhalten. Dann versuchst du, mit deiner Erfahrung der Mannschaft zu helfen, jungen Spielern ein Vorbild zu sein. So habe ich das immer gehalten.“
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Beim FC Bayern haben mehrere Spieler einen Führungsanspruch. Wie schafft man es da, wirklich voranzugehen? „Das ist in anderen Mannschaften nicht groß anders. Bei Bayern hatte ich auch immer viele Spieler um mich, von denen ich unglaublich viel lernen konnte. Dafür braucht es nicht immer ein Gespräch, das ist oft einfach ein Verhalten, das du beobachtest. Manuel Neuer als Kapitän ist ein Geschenk, auch Thomas Müller war jemand, von dem man sich einiges abschauen konnte. Thomas hatte dieses Selbstbewusstsein, dass du weißt, wie gut du bist, egal, was andere sagen. Das fand ich beeindruckend.“
Mit der Erfahrung von acht Jahren: Was braucht es, um beim FC Bayern zu bestehen? „Erst mal braucht es natürlich Talent, und du musst außergewöhnlich gut sein. Aber entscheidend ist das richtige Mindset. Ich habe in den acht Jahren einige gute Fußballer kommen und gehen sehen, die nicht verinnerlicht haben, was es bedeutet, für Bayern zu spielen. Die vielleicht auch diesen Stolz nicht ganz mitbrachten, unter Druck nicht zu versagen. Die Mischung aus Talent, Mentalität und Leidenschaft für den Verein, das ist ein gutes Rezept, um es bei Bayern zu schaffen.“
Joshua Kimmich erzählt immer, dass ihn Druck total anspornt. Geht es dir ähnlich? „Ich kannte das ja ein bisschen von meiner Zeit bei Schalke. Da war die Erwartungshaltung auch riesig – und fast noch schwieriger zu erreichen als hier bei Bayern, weil der Kader ein ganz anderer war. In den vergangenen acht Jahren hat mich diese Drucksituation jedenfalls immer angetrieben. Thomas Müller hat mal gesagt, das sei das, was er irgendwann am meisten vermissen wird. Und ich verstehe ihn. Den Druck auszuhalten, zu überstehen, am besten noch erfolgreich – das ist ein herrliches Gefühl. Und das gibt es im späteren Leben wahrscheinlich so nicht mehr.“
Wenn du deine Vorstellung vom FC Bayern bei deiner Ankunft mit der Realität vergleichst, wie du den Verein acht Jahre lang erlebt hast: Wie ist der FC Bayern wirklich? „Von außen kann man sich nicht vorstellen, wie herzlich die Kabine ist. Das hat mich am meisten überrascht. Ja, es ist unfassbar kompetitiv, es wird sehr viel von einem abverlangt – aber gleichzeitig habe ich mich vom ersten Tag an geborgen gefühlt. Ich war beim FC Bayern zu Hause, habe Freunde gefunden. Dass du in einer so familiären Umgebung um die größten Titel im Fußball spielen kannst, diese Mischung ist sehr speziell. Es war eine wunderschöne, intensive, besondere Zeit, die ich sicher vermissen werde. Wenn das nicht so wäre, wäre was schiefgelaufen.“
Wann hast du gemerkt, dass du das „Mia san mia“ verinnerlicht hast? „Ehrlich gesagt, habe ich früher nie richtig verstanden, was das ‚Mia san mia‘ eigentlich ist. Aber kaum war ich hier, ging es relativ schnell. Durch Spieler wie Thomas und Arjen, die das vorleben. Und dann habe ich auch versucht, dieses Gefühl an die Spieler weiterzugeben, die nach mir kamen. Das ‚Mia san mia‘ gilt es zu bewahren, der Fackelstab muss immer weitergegeben werden.“
Wenn du den Leon von 2018 mit dem von heute vergleichst: Bist du jetzt ein besserer Fußballer? „Auf jeden Fall ein erfahrenerer. Mein Spiel hat sich verändert. Unter Thomas Tuchel wurde ich weiter zurückgezogen – war nicht mehr der klassische Box-to-Box-Spieler. Tuchel hat mich aus meiner Komfortzone geholt, mich auf Positionen gestellt, die ich nicht kannte. Hin und wieder habe ich sogar Innenverteidiger gespielt. Es war eine extrem anspruchsvolle Zeit für mich. Aber ich habe versucht, das anzunehmen – und habe gemerkt, dass ich als Spieler kompletter werde.“
Wenn du deine acht Jahre FC Bayern in einem Wort zusammenfassen müsstest – welches wäre das? „Dankbarkeit.“
Das Interview erschein in der Mai-Ausgabe des FC Bayern-Magazins „51“ – hier in einer gekürzten Fassung:







































