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·6 avril 2026

Bei Real Madrid regiert nicht der Trainer – sondern Vinicius Junior

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Vinicius Junior rechnet mit Ex-Trainer Xabi Alonso ab, lobt Nachfolger Arbeloa und stellt Vertragsverlängerung in Aussicht – kurz vor dem CL-Viertelfinale gegen Bayern.

Vinicius Junior sagt einen Satz, und er weiß genau, was er tut. „Ich fand keinen Draht zu ihm" – so redet kein Spieler über einen Ex-Trainer, wenn er einfach weitergehen will. So redet einer, der klarstellt, wer bei Real Madrid zuletzt das Licht ausmacht. Nicht der Trainer. Der Star.


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Es ist der Vorabend des Champions-League-Viertelfinals gegen Bayern München, das Bernabéu bereitet sich auf den Dienstagabend vor, und der teuerste Angestellte des Klubs liefert keine taktische Analyse, sondern eine Machtdemonstration. Er rechnet mit Xabi Alonso ab, schwärmt im selben Atemzug von Nachfolger Álvaro Arbeloa – „eine wunderbare Verbindung" – und stellt nebenbei eine Vertragsverlängerung in Aussicht. Der 25-Jährige, dessen Vertrag 2027 ausläuft, inszeniert sich nicht als Angestellter, der froh ist, bleiben zu dürfen. Er inszeniert sich als derjenige, der die Bedingungen diktiert.

Die offizielle Erzählung um Alonsos Abschied am 12. Januar war eine aus Samt: „in gegenseitigem Einvernehmen", einen Tag nach der 2:3-Niederlage im Supercopa-Finale gegen Barcelona. So klang das nach einem bedauerlichen, aber rationalen Schnitt. Vinicius' Worte erzählen eine andere Geschichte – die eines Trainers, der den wichtigsten Offensivspieler verloren hatte, bevor er ein System verlor. Mehrere spanische Medien berichteten bereits, dass Vinicius eine Vertragsverlängerung verweigerte, solange das Verhältnis zu Alonso sich nicht besserte. Das war kein Nebengeräusch. Das war der Kern.

Alonso kam als Meistermacher aus Leverkusen, gefeiert für seine taktische Brillanz. An taktischer Kompetenz zweifelt niemand. Doch Real Madrid funktioniert nach eigenen Gesetzen: Ein Trainer, der den Draht zu Vinicius verliert – 16 Tore, 9 Assists in dieser Saison, fünf Treffer allein in der Champions League – verliert nicht einfach einen Spieler. Er verliert seine Autorität. Die Zahlen unter Arbeloa sprechen eine deutliche Sprache: 19 Siege in 24 Liga-Spielen, ein 5:1 gegen Manchester City im Achtelfinale. Kein taktischer Quantensprung, aber ein Trainer, der offenbar versteht, dass Menschenführung bei Real kein Soft Skill ist, sondern Überlebensbedingung.

Dabei wäre es zu einfach, Alonso nur als gescheiterten Kommunikator abzustempeln. Wer als Trainer bei Real antritt, erbt ein Machtsystem, in dem Spieler wie Vinicius direkt mit dem Präsidenten kommunizieren – „ich genieße das Vertrauen des Präsidenten", sagt der Brasilianer, ohne jede Scheu. Ein Trainer muss in diesem Gefüge nicht nur die beste Elf aufstellen, er muss Egos navigieren, die ihre eigene Gravitationskraft haben. Alonso hat sich in diesem Kraftfeld aufgerieben. Arbeloa, selbst ein ehemaliger Real-Spieler, kennt die ungeschriebenen Regeln dieses Hauses offenbar besser.

Vinicius' Timing ist kein Zufall. Vor dem Duell mit Bayern, möglicherweise ohne Harry Kane, platziert er sich als Dreh- und Angelpunkt. „Es ist ein kniffliges Spiel, in dem großartige Spieler den Unterschied ausmachen", sagt er und verweist auf Kylian Mbappé – großzügig, aber auch das eine Geste der Stärke. Wer andere groß macht, fühlt sich selbst groß genug.

Xabi Alonsos Kapitel bei Real Madrid wird als taktisches Experiment erzählt werden, das am Supercopa-Finale zerbrach. Die ehrlichere Lesart liefert Vinicius Junior selbst, mit einem einzigen Satz und ohne jede Scham: Bei Real überlebt nicht der beste Taktiker – sondern der, der mit den Königen kann.

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