FC Bayern München vs. FC St. Pauli 3:1 – 93 tolle Minuten until reality kicks in | OneFootball

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·30 novembre 2025

FC Bayern München vs. FC St. Pauli 3:1 – 93 tolle Minuten until reality kicks in

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Null Punkte sind null Punkte – doch wie der FC St. Pauli das Spiel beim FC Bayern München verlor, verdient Hochachtung, wenngleich es umso schmerzhafter ist.(Titelfoto: Alexander Hassenstein/Getty Images/via OneFootball)

Als Alexander Blessin vor der Partie gefragt wurde, was für den FC St. Pauli ein Erfolg in München sein würde, erklärte der FCSP-Cheftrainer sinngemäß: Es sei ein Erfolg, wenn man wenig zulasse, Nadelstiche setze und dadurch das Spiel so lange wie möglich offenhalte. Das Spiel ging verloren, aber die Leistung des FCSP entsprach den Wünschen Blessins – so sehr, dass nach Abpfiff sogar der Ärger überwiegt.


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Die Aufstellung

Eine personelle Veränderung gab es beim FC St. Pauli im Vergleich zum letzten Spiel gegen den 1. FC Union Berlin: Louis Oppie verpasste erstmals in dieser Saison Spielminuten, Lars Ritzka stand in der Anfangsformation. Blessin erklärte diesen Wechsel vor Anpfiff am Sky-Mikro unter anderem mit der anstehenden Englischen Woche und auch: „Wir hatten das Gefühl, dass Louis ein bisschen zu verkopft gewesen ist und Lars hat hier letztes Jahr ein richtig gutes Spiel gemacht.“

Ritzka für Oppie, Dapo nicht im Kader

Nur diese eine Veränderung bedeutet, dass der FCSP erneut auf das Dreier-Mittelfeld Irvine-Fujita-Sands setzte. Vor diesen drei zentralen Spielern agierte die Doppelspitze aus Mathias Pereira Lage und Andréas Hountondji, Blessin setzte also auf Tempo in der Offensive. Und nicht auf Dapo Afolayan, der zum zweiten Mal in Folge nicht im Kader stand.

Beim FC Bayern München gab es vier Veränderungen in der Startelf: Tom Bischof ersetzte Josip Stanišić auf der Linksverteidiger-Position, Minjae Kim agierte anstelle von Dayot Upamecano in der Innenverteidigung, Raphaël Guerreiro und Luis Díaz kamen in der Offensive anstelle von Serge Gnabry und Michael Olise hinein.

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Aufstellung bei der Partie FC Bayern München gegen FC St. Pauli

FCB: Neuer – Laimer, Tah, Kim, Bischof – Kimmich, Pavlovic – Karl, Guerreiro, Díaz – Kane

FCSP: Vasilj – Wahl, Smith, Mets – Pyrka, Fujita, Sands, Irvine, Ritzka – Hountondji, Pereira Lage

Eine fast perfekte erste Halbzeit

Wer hätte es gedacht, der FC Bayern München übernahm in den ersten Minuten sofort das Spiel. Im Ballbesitz zeigte das Team von Vincent Kompany insgesamt aber deutlich weniger Rotationen, als sie es in dieser Saison bereits getan haben. Besonders Harry Kane agierte vielmehr als klassischer Mittelstürmer, ließ sich nur ganz selten etwas fallen. Auch auf den Außenpositionen war weniger Remmidemmi der Bayern, die Zurodnung für den FCSP dadurch viel klarer, als vor Anpfiff zu befürchten war.

Diese seltenen Rotationen hingen auch damit zusammen, dass sich der FC St. Pauli früh zu einem tieferen 5-4-1 zusammenzog. Es gab quasi gar keinen Druck auf die FCB-Innenverteidiger im Aufbau. Doch der FCSP fiel auch nicht zu früh in diese tiefe Verteidigungsformation, agierte situativ auch etwas höher, in einem 5-2-3. Dadurch konnte nach Ballverlusten das Aufbauspiel der Bayern verlangsamt werden, sodass sich alle FCSP-Spieler sauber in die defensive Formation einfinden konnten.

FC St. Pauli kompakt, FCB uninspiriert

Doch in ganz seltenen Momenten presste der FC St. Pauli auch etwas höher. Und wie! In der 6. Minute störte erst Irvine Gegenspieler Laimer, gewann fast den Ball links in der Hälfte des FCB. Kurz danach setzte Pereira Lage entscheidend gegen Kimmich nach, gewann den Ball und spielte blitzschnell einen klasse Pass in den Lauf von Hountondji. Der FCSP-Angreifer war links im Bayern-Strafraum frei durch und schob ins kurze Eck zur umjubelten Führung ein. Bayern-Torwart Neuer machte dabei keine allzu gute Figur, rechnete damit, dass Hountondji den Ball in Richtung langes Eck schießen würde. Falsch gedacht! 1:0 für den FCSP!

„Boah, nee!“, war der erste Gedanke nach der Führung, bei dem ich mich selbst ertappte. Muss das denn jetzt ernsthaft sein? Muss der FC St. Pauli hier mit meiner Hoffnung spielen? Denn durch die frühe Führung war nun völlig klar, dass es für den FCSP wirklich um mehr als nur darum gehen würde, dieses Spiel nicht zu hoch zu verlieren. Kurzes Hochrechnen nach dem Treffer: „Nur“ noch 84 Minuten durchstehen…

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Unverhofft, aber dadurch besonders schön – die Spieler des FC St. Pauli bejubeln das frühe 1:0 durch Andréas Hountondji.

(Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)

Nur noch 84 Minuten…

Noch 75 Minuten waren zu spielen, als Hountondji bereits Feierabend hatte. Der Torschütze saß nach einer Viertelstunde auf dem Rasen, fasste sich an den hinteren linken Oberschenkel und musste behandelt werden. Kurz danach war klar: Für ihn geht es nicht weiter, Sinani kam für ihn in die Partie. Damit verlor der FC St. Pauli bereits früh ein Element, das dem FC Bayern München sicher noch etwas mehr Probleme hätte bereiten können: Doch mit Tempo konnte die Bayern-Innenverteidigung nun nicht mehr in Verlegenheit gebracht werden.

Alexander Blessin hatte vor der Partie einen Teil des Rezepts für etwas Zählbares in München mit „Matchglück“ beschrieben. Genau dieses gab es, als Karl in der 23. Minute einen Ball traumhaft an den Pfosten schlenzte. Das war die erste richtige Torchance der Bayern. Zuvor zeigte sich das 5-4-1 des FCSP extrem kompakt, der Rekordmeister hatte keine wirklich Lösungen parat. Abgesehen von dieser Gelegenheit hatte der FCB in der ersten halben Stunde nur noch eine weitere, Kane verzog aber aus ohnehin nicht so vielversprechender Position (29. min). Als ein Schuss von Bischof in der 35. Minute dann auch gegen den Pfosten klatschte, konnte man langsam den Eindruck bekommen, dass es an diesem Tag vielleicht tatsächlich klappen könnte, dass der FC St. Pauli dieses „Matchglück“ auch ein wenig erzwingen würde.

Zweimal Matchglück, einmal nicht

Denn abgesehen von diesen Gelegenheiten gelang dem FC Bayern München wenig. Auf der anderen Seite aber noch viel weniger. Die vom FC St. Pauli gewonnenen Bälle waren ziemlich schnell wieder weg. Nicht selten waren es eher Befreiungsschläge als zielorientierte lange Pässe in die Spitze, die das Team spielte. Das ist natürlich nicht optimal, aber eben auch etwas, was man bei einem Spiel in München, bei dem man mit 1:0 in Führung liegt, eben auch in gewisser Weise mit einkalkulieren muss.

Was der FC St. Pauli dann natürlich unbedingt vermeiden wollte, war ein Gegentreffer. Besonders zu einem psychologisch ungünstigen Zeitpunkt. Diese Phase erreichte die Partie gerade, als Kim einen Chipball über die FCSP-Innenverteidigung hinweg spielte. Dort war Díaz von der Außenposition eingelaufen. Eigentlich wurde diese Szene dann von Smith und Wahl gut verteidigt, Díaz kam nicht in Abschlussposition, fiel hin. Doch im Liegen spitzelte er den Ball irgendwie in den Rückraum, wo Guerreiro frei zum Abschluss kam und zum Ausgleich einschoss. Extrem ärgerlich, so kurz vor der Pause, zumal es erneut ein Gegentor gewesen ist, bei dem der FC St. Pauli den Rückraum nicht geschlossen bekam.

Eine fast perfekte zweite Halbzeit

Zur zweiten Halbzeit veränderte der FC St. Pauli etwas: Joel Fujita rückte auf die linke Position im Mittelfeld. Auch der FC Bayern München veränderte etwas, wechselte Olise für Laimer ein, Guerreiro übernahm die Position rechts hinten. Und Olise veränderte das Spiel der Bayern deutlich. Echt Wahnsinn, wie gut der ist. Wenn der FCB in der zweiten Halbzeit aus dem Spiel heraus Gefahr erzeugte, dann war es eigentlich immer über die Olise-Seite, die oft mit Diagonalpässen erreicht wurde.

Bayern drückt, findet aber (zu) selten den Weg zum Tor

Was aber mit jeder Spielminute immer deutlicher wurde: Der FC Bayern München erreichte zwar zielsicher das letzte Drittel, hatte extrem viel Ballbesitz, spielte insgesamt sagenhafte 996 Pässe. Doch so richtig torgefährlich wurde der Rekordmeister in dieser zweiten Hälfte lange nicht. Weil der FC St. Pauli sich mit allem dagegenstemmte, was die Beine und das Herz zu bieten hatten. Am Ende stehen null Punkte, es ist die neunte Niederlage in Serie. Doch wie sich gegen diese individuell übermächtigen Bayern gestellt wurde, war einfach großartig mit anzuschauen. Der FCSP arbeitete als Team zusammen, individuelle Fehler wurden aufgefangen, riss zusammen rund 126 Kilometer ab.

Wie gut diese Teamarbeit funktionierte? Zu Beginn der Schlussviertelstunde hatte der FC Bayern in der zweiten Hälfte gerade einmal drei Schüsse abgegeben. Folglich wechselte Kompany nun deutlich offensiver: Erst kam Goretzka für Kim, zehn Minuten vor dem Ende dann Jackson für Pavlović. Zwei offensive Wechsel, die in der Folge nicht nur dafür sorgten, dass die Bayern noch etwas mehr Druck erzeugten, sondern dem FC St. Pauli auch wieder mehr Räume für Kontersituationen gaben.

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Irgendwie bekam der FC St. Pauli, wie hier Pereira Lage gegen Karl, immer noch ein Körperteil entscheidend dazwischen, sodass der FC Bayern München lange auf die Führung warten musste.

(Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)

FCB-Risiko sorgt fast für zweiten FCSP-Treffer

Entsprechend wurde es eine wilde Schlussphase. Bayern drückte, doch dem FC St. Pauli gelang es irgendwie immer wieder, noch ein Bein, einen Kopf oder ein anderes Körperteil zwischen Pässe, Flanken und Schüsse zu bekommen. Nur zwei wirklich klare Chancen hatte der FCB vor Beginn der Nachspielzeit, beide durch Kane: Pyrka holte gegen den FCB-Stürmer die Monstergrätsche raus (71. min) und nach einer Ecke traf er nur den Pfosten (81. min – hätte dieser Treffer gezählt, dann wäre ich explodiert, da Goretzka sehr viel Körper gegen Vasilj einsetze).

Das Risiko des FC Bayern München hätte sogar fast noch dazu geführt, dass nicht der FCB, sondern der FC St. Pauli den dritten Treffer der Partie erzielt. Nachdem es bereits in den Minuten zuvor zwei gute Gelegenheiten durch Konter für den FCSP gab, wurde ein weiterer in der 90. Minute fast perfekt ausgespielt. Doch Oppie – meine Güte, dass wäre einfach der Wahnsinn gewesen! – jagte den Ball aus guter Position klar über das Bayern-Tor. Das wäre sicher angesichts der Spielanteile alles andere als verdient, aber wie der FC St. Pauli Spiele gewinnt, ist mir persönlich zum jetzigen Saisonzeitpunkt natürlich völlig egal.

Erwartbar, aber aufgrund der Entstehung besonders bitter

Es passierte, was passieren musste: In der dritten Minute der Nachspielzeit zirkelte Kimmich eine nahezu perfekte Flanke aus dem linken Halbfeld in den Fünfmeterraum hinein. Dort lief Díaz hinein, traf den Ball dann nichtmal richtig, sondern erzielte das 2:1 auch noch mit der Schulter. Minuten später war dann Jackson frei durch, machte mit seinem Treffer den Deckel auf ein Spiel, in dem der FC St. Pauli richtig, richtig nahe dran war an einem mindestens mittelschweren Fußballwunder.

So kippte also in den letzten Minuten an diesem Nachmittag das gesamte „Matchglück“ in die andere Richtung, als die Schulter von Díaz den Ball im FCSP-Tor unterbrachte. Die neunte Niederlage in Folge ist eine schmerzhafte. Und das, obwohl sie erwartet werden konnte. Aber der Spielverlauf ist maximal bitter und auch wenn der FC St. Pauli natürlich offensiv sehr wenig zustandebrachte, so hätte diese Leistung durchaus einen Punkt verdient gehabt.Noch bitterer sind diese Minuten kurz vor Abpfiff nicht nur aufgrund der Ereignisse in München. Denn nahezu zeitgleich zu den beiden Treffern der Bayern erzielte auch der 1. FC Heidenheim seine Tore – und drehte damit in der Nachspielzeit ein 0:1 in Berlin noch in einen Sieg. Der FCSP rutschte somit auf den 17. Tabellenplatz, Mainz kann am Sonntag sogar die Rote Laterne nach Hamburg weiterreichen.

Wenn man die von Alexander Blessin vor dem Spiel geäußerten Kriterien als Maßstab nutzt, dann ist die Partie des FC St. Pauli beim FC Bayern München tatsächlich als Erfolg zu werten. Weil es dem Team bis in die Nachspielzeit gelang, das Unentschieden und das Spiel offen zu halten. Weil die leidenschaftliche Spielweise eine war, die viele FCSP-Anhänger*innen mit Stolz erfüllen dürfte. Nun gilt es diese Leistung in den kommenden vier Partien zu bestätigen. Der FC St. Pauli hat vielleicht nicht in München punkten müssen. Aber bis Weihnachten müssen unbedingt noch Punkte her.Immer weiter vor!// Tim

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