Lennart Karl: „Da hatte ich Gänsehaut“ | OneFootball

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·3 juin 2026

Lennart Karl: „Da hatte ich Gänsehaut“

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Vor nicht einmal einem Jahr lebte Lennart Karl noch am FC Bayern Campus und spielte für unsere U17. Jetzt ist er Double-Sieger und fährt zur WM. Im Interview mit dem FC Bayern-Mitgliedermagazin „51“ spricht der 18-Jährige über eine Debütsaison, in der es schneller ging, als selbst er erwartet hatte.

Das Interview mit Lennart Karl

Lenny, wenn du jetzt nach deinem ersten Profijahr Bilanz ziehst – zum ersten Mal auf dem Balkon gestanden, mit Weißbier geduscht worden, die Meisterfeier erlebt: Was ist das gerade für ein Gefühl? Lennart Karl: „Ein sehr, sehr gutes Gefühl. Vor allem die erste Meisterschaft zu gewinnen und dann auf dem Balkon zu stehen – da hatte ich Gänsehaut. Das war ein sehr besonderer Moment für mich. Auch, weil es einfach Riesenspaß macht, Teil dieser Mannschaft zu sein.“


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Wenn du dich mit dem Lenny vom vergangenen Sommer vergleichst: Was hat sich in diesem Jahr am stärksten verändert – auf dem Platz, im Alltag, auch im Kopf? „Ich bin auf jeden Fall reifer geworden. Ich habe viel von den erfahrenen Spielern gelernt – angefangen bei der Ernährung bis hin dazu, wie sie ihren Körper pflegen. Und auf dem Platz bin ich selbstbewusster geworden und ziehe mein Ding durch.“

Schauen wir zwölf Monate zurück: dein Profidebüt bei der Klub-WM gegen Auckland. Warst du in dem Moment nervös – oder einfach bereit, endlich für die Profis zu spielen? „Nervös war ich nicht. Aber aufregend war es natürlich schon – mein erstes Spiel bei den Profis, bei so einem Turnier. Der Gegner war nicht das schwerste Los, aber genau das hat mir den Raum gegeben, mich zu zeigen. Für einen ersten Schritt war es perfekt.“

Ihr habt in den USA gleich einige Wochen als Mannschaft zusammen verbracht. Wer war der Erste, der dir das Gefühl gegeben hat: Hier bist du richtig, du wirst deine Chance bekommen? „Es gab nicht den einen Spieler. Die ganze Mannschaft, die Kapitäne und Führungsspieler waren wichtig für mich. Ich habe von Anfang an mitgezogen und direkt ein sehr gutes Gefühl gehabt.“

Du hast mal gesagt: ‚Wenn ich spiele, muss ich performen – so einfach ist das.‘ Ist das wirklich so einfach, oder ist das ein Satz, an dem man sich selbst festhält, damit es auf dem Platz leichter wird? „So einfach ist es natürlich nicht, in der Allianz Arena vor 75.000 Zuschauern. Aber ich versuche, es genau so zu behandeln: mein Spiel zu spielen, so wie früher in der U17 oder U19. Und meistens klappt es dann auch.“

Vincent Kompany betont immer wieder, dass der Druck nicht bei dir liegt. Wann hast du trotzdem gemerkt: Jetzt wird es gerade groß? „Als die ersten Tore kamen, die ersten Vorlagen, wurde die Öffentlichkeit präsenter – das spürt man einfach. Und zu Beginn der Rückrunde hatte ich eine Phase, in der ich acht Spiele kein Tor gemacht habe. Da habe ich gemerkt, wie genau man beobachtet wird, dass jede Aktion plötzlich mehr Gewicht hat. Langsam ist da schon ein gewisser Druck entstanden. Aber ich kann damit umgehen.“

Max Eberl hat nach deiner starken Vorrunde gesagt: ‚Er ist nicht mehr Lenny, er ist Lennart Karl.‘ Wann hat sich der Schalter umgestellt? „Ich glaube, das war nach dem Spiel gegen Arsenal. Dieses Spiel, diese Phase – seitdem hat eigentlich alles funktioniert.“

Dein erstes CL-Tor gegen Brügge – Alleingang durch vier Gegenspieler, Abschluss in den Winkel. Du hast erzählt, du konntest danach nicht einschlafen. Wann ist dieser Moment wirklich bei dir angekommen? „Spätestens als ich im Bett lag und Ruhe hatte. Davor gab es viele Telefonate mit meinen Freunden und meinen Eltern. Aber kurz vorm Einschlafen ist mir dann alles durch den Kopf gegangen, was gerade passiert war. Es hat schon zwei Stunden gedauert, bis ich schlafen konnte.“

Wen hast du nach dem Spiel als Erstes angeschrieben? „Meine Eltern haben mir zuerst geschrieben, darauf habe ich direkt geantwortet. Danach meinen besten Freunden aus der Heimat. Die sind schon ein bisschen ausgeflippt.“ (lacht)

Deine Übersteiger, deine Dribblings auf engem Raum – ein Jugendtrainer von dir hat gesagt, das habe viel mit Futsal zu tun, den du seit deiner Kindheit gespielt hast. „Für meine Körpergröße war dieses Vier-gegen-Vier oder Fünf-gegen-Fünf perfekt. Das habe ich schon früh mit meinen Jungs gespielt und dabei einfach ein Gefühl fürs Dribbling entwickelt. Und irgendwann versucht man dann, das auch im großen Stadion umzusetzen.“

Vincent Kompany sagt, Offensivspieler sollen für misslungene Aktionen nicht bestraft werden – weil die Leute genau dafür ins Stadion kommen. Was gibt dir das? „Sehr viel Freiheit. Gegen Hoffenheim ist mir mal ein Übersteiger misslungen, dafür gab es direkt ein bisschen Spott in den sozialen Netzwerken. Aber das hat mich nicht groß irritiert, und danach habe ich ja gleich wieder Leistung gezeigt. Es tut gut, wenn der Coach sagt, dass Offensivspieler ihren Stil zeigen und Dinge ausprobieren sollen.“

Was hat der Coach konkret in deinem Spiel verändert? „Mein Spiel ist auf jeden Fall ausgereifter geworden, auch erwachsener. Vor allem defensiv habe ich mich verbessert. In der Jugend bin ich nicht gerne nach hinten gelaufen. Da habe ich viele Tore gemacht, das war dann mein Bonus. Aber im Profifußball bestraft es der Gegner sofort, wenn man nicht mitarbeitet. Das habe ich schnell gelernt.“

Du trainierst täglich mit Spielern, die schon sehr viel erlebt und erreicht haben. Von wem schaust du dir am meisten ab? „Michael Olise ist für mich ein besonderer Typ, den ich gerne beobachte – er spielt in ähnlichen Räumen, ist auch Linksfuß, hat eine Ruhe am Ball, die ich mir gut abschauen kann. Bei Jo oder Harry finde ich beispielsweise beeindruckend, was sie außerhalb des Spiels machen: wie sie im Athletikbereich arbeiten, wie ernst sie das nehmen, wie professionell ihr ganzer Alltag ist. Das ist schon sehr beeindruckend.“

Dein großes Idol aber ist Lionel Messi – du trägst ihn sogar während des Spiels ganz nah bei dir … „Ja, Messi ist auf meinem linken Schienbeinschoner. Er ist mein Vorbild, seit ich überhaupt Fußball spielen kann – Linksfuß, auch eher kleiner, ein Spieler, der mit dem Ball Dinge macht, die brutal sind. Mir gibt das etwas im Kopf, ihn bei mir zu haben. Es ist einfach ein Ansporn, hart dafür zu arbeiten, mir auf höchstem Niveau einen Namen zu machen.“

Harte Arbeit ist ein gutes Stichwort: Du bist mit 14 von zu Hause weg und an FC Bayern Campus gezogen. Was war am Anfang schwieriger – die sportlichen Erwartungen oder das Heimweh? „Das Sportliche hat sich von Anfang an richtig angefühlt. Aber die ersten zwei Wochen ohne Familie waren schon hart. Der Moment, in dem mir klar wurde, dass das kein Kurztrip ist, dass ich meine Familie auch mal längere Zeit nicht sehen werde – das war das Schwierige. Weil ich viele der Jungs schon von Turnieren und Auswahlmannschaften kannte, haben wir schnell Freundesgruppen im Internat gefunden. Das hat es leichter gemacht.“

Dieser Inhalt kann hier leider nicht dargestellt werden. Zum Anschauen kannst du die Website des FC Bayern München besuchen: Artikel auf fcbayern.com

Du hast erzählt, ein Knackpunkt deiner Entwicklung sei nach einer schwachen Saison mit der U16 gewesen. Danach hast du plötzlich drei-, viermal pro Woche extra trainiert. Woher kam das? „Ich habe damals gemerkt, dass es nicht allein reicht, wenn man mit einem gewissen Talent ausgestattet ist. Es ist die Basis, wenn man es hat, aber die Einstellung ist am Ende wichtiger. In dieser Saison hat nichts geklappt, weder im Training noch im Spiel, und irgendwann habe ich einfach angefangen, allein auf den Platz zu gehen: Abschlüsse üben, an der Schnelligkeit arbeiten. Die Trainer haben mich dabei gesehen, sie fanden meinen Einsatz sicher gut – und irgendwann kamen dann auch wieder die Leistungen.“

Du hast mal gesagt, für so einen Weg wie deinen braucht man ‚eine Familie, die zu 100 Prozent dahintersteht‘. Wann hast du selbst verstanden, was das bedeutet? „Als mein Bruder zu Frankfurt gewechselt ist und meine Eltern ihn seitdem drei-, viermal die Woche hinfahren müssen. Da habe ich realisiert, was meine Eltern jahrelang für mich geleistet haben – und dafür bin ich dankbar, ohne Ende. Ohne eine Familie, die so hinter einem steht, ist so ein Weg schlicht nicht möglich.“

Du bist vor ein paar Monaten vom Campus in deine erste eigene Wohnung gezogen. Wie sieht ein freier Tag bei dir aus? „Erst mal ausschlafen. Dann frühstücke ich mit meinen Jungs irgendwo in einem Café oder verbringe Zeit mit meiner Freundin oder meiner Familie, wenn sie da sind. Manchmal gehe ich noch in die Stadt, aber das ist mittlerweile schwieriger geworden. Und sonst wird ein bisschen gezockt – und früh geschlafen, damit ich am nächsten Tag wieder fit bin.“

Das ganze Interview mit Lennart Karl lest Ihr in der aktuellen Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins:

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