Rund um den Brustring
·14 mai 2026
Rund um den nächsten Gegner: Im Gespräch mit Frankfurt-Fan Cettina

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·14 mai 2026

Im letzten Spiel dieser Bundesliga-Saison geht es sowohl für den VfB, als auch für die Eintracht noch um viel. Über die aktuelle Situation in Frankfurt vor dem Saisonfinale sprachen wir mit SGE-Fan Cettina.
Rund um den Brustring: Hallo Cettina und vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Im Spiel am Samstag geht es um einiges: Für den VfB um die Teilnahme an der Champions League, für die Eintracht um die Conference League. Wie wichtig wäre der 7. Platz und die damit verbundene erneute Qualifikation für Europa für den Verein?
Cettina: Aus Vereinssicht wäre der 7. Platz enorm wichtig. Nicht existenziell im Sinne von „Sonst geht der Verein unter“, aber sportlich und finanziell hätte das großes Gewicht. Europapokal bedeutet zusätzliche Millionen durch UEFA-Prämien, TV-Gelder etc. und selbst die Conference League bringt noch relevante Zusatzeinnahmen. Aber auch sportlich wäre eine erneute Qualifikation wichtig, internationale Spiele helfen immer, gute Spieler zu halten oder neue Talente zu holen. Viele Profis wollen international spielen. Aus (meiner) Fansicht wäre es kein Weltuntergang, wenn man mal „nur“ Platz 8 oder 9 belegt, allerdings verstehe ich, dass das aus wirtschaftlicher Sicht anders aussieht.
Albert Riera übernahm kurz nach dem Hinspiel Anfang Februar von Dino Toppmöller und steht nach nur vier Siegen aus 13 Spielen Gerüchten nach schon wieder vor dem Aus. Wie blickst Du aus heutiger Sicht auf den Trainerwechsel und wie bewertest Du die Arbeit von Riera?
Albert Riera ist ein Trainer, der polarisiert – quasi das Gegenteil von Dino Toppmöller. Als Riera das erste Mal konkretes Thema wurde, habe ich mich gefreut. Ich mag Trainer, die ein gesundes Ego und eine klare Ausstrahlung haben. Trotzdem muss man sich eingestehen, dass es weiterhin nicht richtig zu passen scheint. Aber da kommen wir auch schon zum größten Punkt: Vielleicht liegt das nicht allein am Trainer. Diese Mannschaft hat am Ende unter Toppmöller nicht funktioniert, Dennis Schmitt & Alex Meier sind auch gescheitert und jetzt wird der dritte Trainer vergrault. Da muss man auch mal die Mannschaft in die Verantwortung nehmen und nicht blind hoffen, dass das vierte (!) Trainerteam dann Erfolg haben wird. Wenn man sich anschaut, wie medial mit dem neuen Trainer umgegangen wird, bekommt man schnell das Gefühl, dass er nie eine faire Chance bekommen hat. Natürlich muss auch Riera an sich arbeiten, ein Gespür für die deutsche Presselandschaft entwickeln und eventuell einen Gang herunterschalten, aber ein solches Entgegenkommen erwarte ich auch von der Mannschaft, den Journalisten und auch von Fans. Ob man mit dem aktuellen Trainer weitermachen sollte oder nicht, kann ich aus der Entfernung nicht klar beurteilen. Einerseits würde ich es mir wünschen, bevor in ein paar Monaten der nächste Name vom altbekannten Trainerkarussell kursiert, andererseits wäre es auch fatal ihm eine Transferperiode zu geben nur, um dann am 6. Spieltag festzustellen, dass es ein Fehler war.
Gefühlt ist die Stimmung in Frankfurt so schlecht wie lange nicht mehr, trotz der Champions League-Teilnahme in dieser Saison. Lange hat man in Stuttgart bewundernd auf die Eintracht geschaut, die sich von der Relegation 2016 zu nationalen und internationalen Titeln aufschwung — aktuell scheinen die Rollen vertauscht. Aus der Innensicht: Was ist da aktuell bei Euch los?
Von außen wirkt das wahrscheinlich widersprüchlich: Champions League, wirtschaftlich halbwegs stabil, sportlich oben dabei – und trotzdem wirkt die Stimmung angespannt. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass sich bei der Eintracht und vielen Fans die Erwartungshaltung extrem verändert hat. Früher war Europa etwas Besonderes, heute wird es fast schon vorausgesetzt. Und da können auch beide Parallelen gleichzeitig existieren: Man darf enttäuscht sein und gleichzeitig auch immer daran denken, was das natürliche Habitat der Eintracht ist, und das ist nun mal nicht die Champions League. Es gibt ca. 6 Vereine, die aktuell mehr Geld zur Verfügung hatten. Mit Teams wie Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen sind die ersten vier Plätze normalerweise schon mal dicht, danach folgen dann Stuttgart, die Eintracht und auch Freiburg (oder wie momentan mal Hoffenheim oder kleinere Ausreißer), die dann um die übrigen internationalen Plätze kämpfen. Der Kampf kann aber auch mal verloren gehen. Dazu kommt noch, dass viele Fans aktuell ein Stück Identifikation vermissen. Man hatte über Jahre das Gefühl, dass Mannschaft, Trainer und Umfeld komplett für diesen Eintracht-Weg stehen. Momentan wirkt vieles unruhiger, wechselhafter und emotional nicht greifbar.
Zurück zum Sportlichen: Im Winter verpflichtete die Eintracht Arnaud Kalimuendo, der auch beim VfB mehrfach im Gespräch war. Was haben wir verpasst?
Kalimuendo bringt schon vieles mit: Er ist schnell, zweikampfstark und hat einen starken Abschluss. Mit 6 Toren in 18 Spielen hat er seinen Wert angedeutet — gerade mit wichtigen Treffern wie bspw. beim Sieg gegen Wolfsburg. Dazu ist er flexibel einsetzbar, egal ob als klassischer Mittelstürmer, Doppelspitze oder über den Flügel. Ob er allerdings wirklich 27 Millionen Euro wert ist, da habe ich noch so meine Zweifel.
Der Blick auf die Zahlen offenbart zweierlei: Die Eintracht braucht für ihre Tore nur verhältnismäßig wenig Chancen, hat aber nach Heidenheim und Wolfsburg die meisten Gegentore kassiert. Reißt Euch die Abwehrarbeit die Saison rein und wenn ja, woran liegt das?
Man hatte nach der Umstellung unter Riera kurz den Eindruck, dass Frankfurt defensiv endlich stabiler wird und kurzfristig hat das auch funktioniert. Das Problem ist aber, dass die Grundbaustellen geblieben sind: keine konstante Verteidigung, viele Wechsel und Formschwankungen. Immer wieder wird man von krankheitsbedingten Wechseln und geistigen Totalausfällen während des Spiels geplagt. Dazu kommt noch das hausgemachte Torwartproblem. Sobald Druck entsteht, werden die alten Muster wieder deutlich sichtbar: zu große Abstände, schlechte Absicherung, individuelle Fehler.
Du hast das Torwartproblem angesprochen. Welche Rolle spielen die beiden Torhüter Kaua Santos und Michael Zetterer und mit wem sollte die Eintracht in die neue Saison als Stammkeeper gehen.
Mit Kevin Trapp hatte man einen stabilen Halt im Tor, der zwar von vielen Fans belächelt wurde, jedoch durch seine Ausstrahlung und sein Standing einfach mal das Zepter in die Hand genommen hat und als Leader vorangegangen ist. Diese Saison hat man mit Kaua Santos und Michael Zetterer keinen Torwart, der diese Kriterien erfüllt. Auch die anfängliche Unruhe und Wechsel haben nicht dazu geführt, dass die Eintracht einen stabilen Rückhalt hat – eher im Gegenteil. Kaua Santos hatte letztes Jahr immer wieder eine Chance und hat diese auch super genutzt, allerdings hätte den Verantwortlichen klar sein müssen, dass man da auch ein Gamble eingeht und er als junger Torwart durchaus patzen kann und darf. Dafür hatte man dann letztlich wohl keine Geduld, hat einen verunsicherten Kaua Santos auf die Bank gesetzt und auf Michael Zetterer gesetzt. Als dieser dann auch anfing, nicht mehr jeden haltbaren Ball zu parieren, wurde die Luft langsam dünn und nach wuseligem Hin und Her ist das Ende vom Lied, dass man zwei Torhüter hat, die beide nicht den erwarteten Rückhalt bieten. Dazu noch ein verunsichertes junges Talent. Mir wäre es glaube am liebsten, wenn man nächste Saison einen ganz neuen Torwart holt und Kaua Santos weiterhin die Chance bietet sich zu zeigen. Zetterer ist bestimmt ein super Typ, aber von einem Torwart der SGE erwarte ich anderes.
Can Uzun ist mit 14 Scorerpunkten neben Jonny Burkardt einer der gefährlichsten Offensivspieler der Eintracht. Vor wem müssen wir uns sonst noch in Acht nehmen am Samstag?
Es gab mal eine Zeit, in der ich geantwortet hätte, dass alle Spieler gefährlich werden können, aber momentan fällt es mir echt schwer. Neben Uzun, Burkhardt (und natürlich auch Kalimuendo) würde ich Doan, Knauff, Brown und Bahoya nennen. Aber das kommt natürlich auch immer auf den Tag an, weil bis auf Brown alle durchaus von Aussetzern geplagt sind. Doan kann mit seiner Technik und seinem Zug zum Tor immer mal gefährlich werden. Knauff bringt unglaublich viel Tempo und ist stark im Eins-gegen-eins und vor allem im Umschaltspiel gefährlich. Bahoya ist ein Spieler, der mit seinen Dribblings und seiner Unberechenbarkeit immer für Chaos sorgen kann und über Brown müssen wir, glaube ich, gar nicht sprechen. Vielleicht rede ich mir das aber auch nur ein, bzw. schwingt da der letzte Funken Hoffnung mit, dass sie uns alle zum Saisonabschluss nochmal verzaubern und zeigen, was sie können.
Wer fällt denn bei der Eintracht aus?
Stand Donnerstagabend: Nnamdi Collins fällt weiterhin mit einer Sprunggelenksverletzung aus.
Dein Tipp für Startelf und Ergebnis?
Ich schätze mal, dass es ca. so aussehen wird: Zetterer Brown, Koch, Amenda, Kristensen Dahoud, Skhiri, Uzun, Bahoya, Kalimuendo, Burkhardt.
Allerdings würde ich mir wünschen, dass Younes Ebnoutalib mal wieder zum Einsatz kommt. Beim Ergebnis habe ich wenig Hoffnung auf einen Sieg der Eintracht. Eher gehe ich davon aus, dass der VfB das humorlos 3:2 gewinnt.
Titelbild: © Simon Hofmann/Getty Images
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