RB Leipzig
·27 février 2026
Schach vs. Heavy Metal – so unterschiedlich ticken RBL und HSV

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·27 février 2026

Schach oder Heavy Metal – am Sonntagabend prallen in Hamburg zwei Welten aufeinander. Die Roten Bullen kommen mit klaren Abläufen, sauberem Aufbau und dem Blick für den Moment, in dem ein Zug den nächsten erzwingt. Der HSV dagegen liebt den Lärm im Spiel: kompakt gegen den Ball, mutig in der Offensive, mit Freiheiten, die plötzlich aus einer scheinbar ruhigen Szene ein Feuerwerk machen können.
Genau diese Gegensätze machen das Duell so spannend: Struktur gegen Wucht, Kontrolle gegen Chaos-Momente. Wir nehmen die Systeme beider Teams unter die Lupe – und zeigen, welche Stellschrauben für die Roten Bullen entscheidend werden, um im Volksparkstadion den richtigen Zug zur richtigen Zeit zu setzen.
Die Roten Bullen agieren seit dieser Saison konsequent in einem 4-3-3-System. Zum ersten Mal seit längerer Zeit setzen wir wieder auf eine Taktik mit nur einem zentralen Mittelstürmer. Unser Cheftrainer Ole Werner hat dem Team von Anfang an eine klare Struktur gegeben, setzt auf ein eingespieltes Team und bekannte Abläufe.
Eine feste Position zu haben, tut vielen Spielern gut. Christoph Baumgartner ist das beste Beispiel. Nachdem er in den Vorjahren immer wieder verschoben wurde – mal spielte er außen, mal innen – ist er inzwischen als Zehner gesetzt, der hinter dem Mittelstürmer kreative Freiheiten hat. Mit zehn Toren und sieben Vorlagen in der Bundesliga sowie vier Toren im DFB-Pokal ist er unser bester Scorer und spielt die beste Saison seiner Karriere.
Zur RBL-DNA gehören ein hohes, intensives Pressing und schnelles Umschaltspiel. Das ist in dieser Saison wieder auf dem Feld zu sehen. Die Verteidigung beginnt sozusagen bereits am gegnerischen Strafraum. Unsere Mannschaft attackiert die Gegner früh und versucht, Bälle zu erobern, um sich dann sofort auf den Weg in Richtung Tor zu machen. RBL führt viele Zweikämpfe und gewinnt mit 2.488 die meisten Duelle der Liga.
Auch der Spieler, der die meisten Zweikämpfe der Bundesliga für sich entschied, spielt bei RB Leipzig: Yan Diomande gewann 279 Duelle. Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung der Taktik ist es eben, die richtigen Spieler in den entscheidenden Rollen zu haben.
Yan ist nicht nur als Ballgewinner wichtig, sondern bildet gemeinsam mit Antonio Nusa auch eine schnelle, trickreiche Flügelzange. Sie können ihre Gegenspieler im Eins-gegen-eins überwinden, selbst abschließen oder für besser postierte Mitspieler auflegen.

Bei unserem Gegner sieht vieles anders aus. Kein Wunder, denn der Hamburger SV ist in vielen Spielen der Außenseiter. Daher hat Cheftrainer Merlin Polzin in dieser Saison sein System geändert. Während die Rothosen in der Vorsaison noch regelmäßig in einem offensiv ausgerichteten 4-3-3-System spielten, agieren sie seit dem Aufstieg üblicherweise aus einer 3-4-3-Grundordnung heraus.
Dieses System erlaubt dem HSV, defensiv mit einer Fünferkette in der Abwehr zu stehen, um so noch stabiler zu sein. Die Anzahl der Gegentore gibt Polzin recht. Bisher mussten die Hamburger den Ball 32-mal aus dem eigenen Netz holen. Nur die Teams auf den Tabellenplätzen eins bis sechs kommen auf diesen oder einen noch besseren Wert.
Als Chef der Dreierkette sticht in dieser Saison Luka Vuskovic hervor. Der 19-Jährige wurde von Tottenham Hotspur ausgeliehen und ist einer der Senkrechtstarter dieser Bundesliga-Saison.
Er gehört mit einer Quote von 68,4 Prozent zu den erfolgreichsten Zweikämpfern der Liga – und ist auch offensiv bei Standards gefährlich. Vier Treffer erzielte er bereits, darunter ein Traumtor per Hacke im Derby gegen Werder Bremen.

In Ballbesitz wird aus der Dreierkette beim HSV oft eine Viererkette, weil ein Innenverteidiger ins Mittelfeld vorrückt, um den Spielaufbau zu unterstützen. Die Hamburger scheuen sich aber auch nicht, Angriffe über lange Bälle einzuleiten. Gelegentlich läuft dann Vuskovic sogar aus seiner zentralen Verteidigerposition bis nach vorne durch, um den Gegner zu überrumpeln.
Über das Zentrum schnell nach vorne – so spielt der HSV am liebsten. In der Offensive sorgen die Hamburger bewusst in bestimmten Momenten für Chaos. Die Offensivspieler wechseln ihre Positionen und haben Freiheiten, intuitiv in gefährliche Räume vorzudringen. Dreh- und Angelpunkt des Hamburger Offensivspiels ist dabei Fabio Vieira. Über den vom FC Arsenal ausgeliehenen Portugiesen laufen fast alle gefährlichen Angriffe.
Insgesamt hapert es bei den Hamburgern aber noch an der Torgefahr: 25 Treffer in 23 Partien sind der viertschwächste Wert der Bundesliga – nur die Teams auf den letzten drei Plätzen trafen seltener.
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