Der-Jahn-Blog
·19 février 2026
Zu Gast beim Fanprojekt – Teil 1: Was ist das eigentlich?

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·19 février 2026

In ganz Deutschland gibt es Fanprojekte. So auch in Regensburg. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für Fans und geben ihnen eine Anlaufstelle bei Problemen, um Kontakte zu knüpfen oder neue Erlebnisse zu schaffen.Auch in Regensburg, in der Malergasse, gibt es dieses Fanprojekt. Daniel ist einer der Betreuer. Wir haben ihn gefragt, und er hat Ja gesagt zu einem Interview mit uns. Das Gespräch, das in einer sehr angenehmen Atmosphäre vor Ort stattfand, möchten wir euch hiermit zeigen.Gleichzeitig möchten wir uns auch nochmals bei Daniel für seine Zeit und seine Eindrücke bedanken. Mir hat es geholfen, Dinge anders zu sehen und sie besser zu verstehen. Außerdem war ich wirklich angetan von den Räumlichkeiten in der Altstadt und denke, dass es für Jahnfans ein super Treffpunkt sein kann. Und nun kommen wir doch direkt zum Gespräch! (Foto:Köglmeier)
Servus Daniel, ich sitze hier mit dir im Fanprojekt Regensburg. Aber was ist das eigentlich?
Das Fanprojekt ist, wie der Name schon sagt, ein sozialpädagogisches Projekt. Wir machen soziale Arbeit im Umfeld der Regensburger Fußballfans, also grundsätzlich für alle Jahnfans. Schwerpunkt sind Leute bis 27. Wir verschließen uns aber auch nicht gegenüber älteren Fans und wollen im Bereich soziale Arbeit die Ansprechpartner gegenüber der gesamten Fanlandschaft sein. Neben mir arbeiten noch drei weitere Personen im Fanprojekt, allesamt Sozialpädagogen oder angehende Sozialpädagogen.
Warum wurde das Fanprojekt gegründet?
Fanprojekte gibt es deutschlandweit bei mittlerweile nahezu allen Standorten mit Vereinen, die eine gewisse Anzahl an Fans haben. Fußball zieht einfach sehr viele Menschen an. Und so wie in der Gesamtgesellschaft gibt es unter Fußballfans einen gewissen Anteil an Menschen, die vielleicht Probleme haben. Das heißt nicht, dass jeder Fußballfan Probleme hat. Ganz im Gegenteil. Es ist ja oft so, dass Fußballfans sich sogar eher zu helfen wissen, weil sie ein gewisses Netzwerk an Menschen in ihrem Umfeld haben. Aber es gibt eben auch Fans, die Probleme haben. Um für sie da zu sein, gibt es das Projekt.
Mein Eindruck ist, dass das Fanprojekt auch ein Versuch ist zu sagen, man ist nicht allein, man kann zusammen Zeit verbringen – einfach auch, um soziale Kontakte zu knüpfen?
Auf jeden Fall. Der gemeinsame Nenner bei uns ist ja letztendlich der Jahn. Und dementsprechend ist es auch dafür konzipiert, dass sich Jahnfans begegnen können. Es gibt die Räumlichkeiten, die an den Spieltagen geöffnet sind, damit man andere Fans trifft. Man kommt ins Gespräch und sieht einfach, dass es etwas gibt, das einen zusammenschweißt.
Weißt du noch, wer das Fanprojekt gegründet hat? Warst das du?
Es gab ja schon woanders Fanprojekte. Die Idee, dass es hier in Regensburg eins geben soll, ist über zehn Jahre alt. Man ist auf den Träger des Fanprojekts, Kontakt Regensburg e.V., zugegangen, ob er sich vorstellen kann, so etwas zu machen. Wir alle im Fanprojekt sind bei diesem Verein angestellt.
Ich war zu dem Zeitpunkt schon Praktikant beim Kontakt e.V. und man hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, das Fanprojekt aufzubauen.
Ich war lustigerweise in Spanien, als ich angerufen wurde. Ich saß da gerade am Strand und dachte: Cool, eigentlich sehr geil. Sehr gerne würde ich bei Kontakt e.V. arbeiten. Als ich wieder da war, gab es die ersten Gespräche mit Vertretern aus der Fanszene. Man hat dann gesehen, das könnte man zusammen probieren, und ich habe es dann letztendlich von Anfang an mit aufgebaut.
Dann gab es noch verschiedene Mitarbeiter bei uns. Aus der Anfangszeit kann man Julian erwähnen, der sehr wichtig war für das Fanprojekt, zwar leider nicht mehr da ist, aber mit aufgebaut hat. Dann kam der Matze, der das Projekt mit mir zusammen bis heute macht. Dann kamen die jungen Mitarbeiter, die immer noch zum Teil da sind und es so gestalten, wie es ist.
Ich würde auch noch Larissa erwähnen, die auch einen tollen Impact auf das Ganze hatte, die leider auch nicht mehr da ist. Aber alle sind im Guten ausgeschieden. Das alles ist natürlich mit Wochenendarbeit verbunden und auch nicht für jede Person geeignet.
Was ist dir denn lieber? Am Spieltag arbeiten, am Wochenende oder unter der Woche?
Ich mag Spieltage schon. Ich mag Auswärtsspiele sehr gern, da holt mich die Atmosphäre sehr ab und es gibt immer was zu tun. Ich bin gern das Bindeglied zwischen dem Ordnungsdienst und den Fans. Ich scheue da auch nicht die Diskussion mit den Ordnern, wenn ich es als nötig erachte oder wenn es Ungerechtigkeiten gegenüber den Fans gibt.
Das ist natürlich ein bisschen mit dem Nachteil verbunden, dass es am Wochenende ist. Das kennt jeder, der viele Spiele fährt.
Du hast ja gesagt, du scheust Diskussionen nicht. Was ist denn dein täglich Brot? Stichwort wäre da auch Streetwork. Und was macht ihr so unter der Woche?
Ich würde sagen, am Spieltag unterhalte ich mich mit Fans, auch nicht unbedingt sozialpädagogisch geprägt. Man kennt ja die Leute schon ewig und versteht sich mit vielen sehr gut. Ich hoffe, ich merke es, wenn irgendwer ein Thema hat, das vielleicht sozialpädagogisch aufschlagen könnte. Es könnte sein, dass jemand Schulden oder ein Problem mit Glücksspiel hat. Dann schaue ich, dass ich Kontakt mit der Person aufbaue, dass man sich unter der Woche trifft und diese Probleme behandelt.
Also ihr seid eine Begegnungsstätte, habt aber auch ein offenes Ohr für jemanden, der vielleicht Hilfe braucht.
Genau. Die Begegnungsstätte, der Fantreff, ist ja auch ein Ort, wo sich einfach viele gerne aufhalten. Das ist genau das, was wir wollen. Aber natürlich, wenn irgendwas aufkommt: Wir sind alle Sozialarbeiter mit verschiedenen Bereichen, der eine kennt sich hier vielleicht ein bisschen mehr aus, der andere dort.
Man muss auch sagen, dass das Fanprojekt im Jugendbereich durchaus viel macht. Das ist allerdings zu großen Teilen der Verdienst von meinem Kollegen Matze, der sich da auf jeden Fall mehr auskennt als ich.
Es geht auch nicht nur darum, Menschen sozialpädagogisch zu helfen, sondern wir schauen, dass wir von den Fans positive Impulse aufgreifen. Zum Beispiel das Karitative: Es gibt unglaublich viele Aktionen, die mittlerweile gemacht werden, an denen wir gern beteiligt sind, wenn sich die Möglichkeiten ergeben. Es hat angefangen mit Spendenaktionen wie Rucksack- oder Getränkespenden, die immer wieder stattfinden und bei denen wir mit im Boot sind.
Auch dass der Jahn als Verein, der Menschen verbindet, in der Stadt sichtbar ist, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Zum Beispiel im Bereich der legalen Verschönerung der Stadt. Oder im Stadion die Farbgestaltung hinter der Hans-Jakob-Tribüne. Zusammen mit der Fanszene haben wir uns darum bemüht, dass das vom Stadionbetreiber genehmigt wird.
Kann ich das so zusammenfassen, dass man diesen gemeinsamen Nenner Jahn und die Leidenschaft für diesen Verein, dieses gemeinsame Interesse, als Katalysator nutzen möchte? Dass man sagt, ich habe ein Problem, aber ich habe andere Jahnfans, die mir zuhören, die für mich da sind oder die die Leidenschaft mit mir teilen, damit ich unter der Woche etwas gemeinsam unternehmen kann?
Ich würde es immer so verstehen, dass der Jahn etwas ist, was uns allen sehr viel Positives im Leben gibt – und jeder dazu etwas beiträgt. Die Fanszene, die für Stimmung und die optischen Akzente sorgt. Es gibt die Fanhilfe, die für die rechtlichen Themen da ist. Und ich sehe bei uns als Fanprojekt, dass wir einerseits diesen sozialpädagogischen Aspekt haben, also Hilfe anbieten, und andererseits immer auch die Möglichkeit bieten, dass sich Menschen treffen können, in Kontakt miteinander kommen und wir für jeden Jahnfan da sind.
Also: Jeder Jahnfan, der etwas auf dem Herzen hat, kann sich erst mal an uns wenden. Und falls das Anliegen nicht in unserem Aufgabenbereich liegt, dann kann man darüber sprechen und gegebenenfalls weiterhelfen.
Ist das etwas, was du an der Arbeit genießt, dass du Menschen helfen kannst?

Also ich genieße sehr viel an der Arbeit. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich das seit zehn Jahren mache. Ich habe noch nie etwas so lange am Stück gemacht wie das Fanprojekt.
Vielleicht kurz zu mir: Ich habe zwischenzeitlich in Stuttgart gewohnt, dort meinen Master gemacht, aber trotzdem eigentlich immer geschaut, dass ich noch im Fanprojekt bleibe. Ich war immer wieder da, bin diverse Kilometer gefahren, wobei das gar nichts ist im Vergleich zu dem, was andere Jahnfans fahren. Da gibt es wesentlich krassere Beispiele, irgendwo im Rheinland oder so. Dabei habe ich gemerkt, dass mich etwas unfassbar an Regensburg hält.
Also ja, es macht mir Spaß, dass ich Menschen helfen kann und ich von Menschen gezeigt kriege, dass sie dankbar sind, wenn ich ihnen mal geholfen habe. Das ist etwas, was mir sehr viel Freude bereitet und mich sehr stolz macht.Ich habe noch keinen 9-to-5-Job gemacht und deswegen weiß ich gar nicht, ob mir das lieber wäre. Aber für mich ist das Fanprojekt genau das Richtige. Ich habe eigentlich jeden Tag Spaß in der Arbeit und gerade Spieltage machen mir unfassbar viel Spaß. Ein sehr geiler Job, den ich habe, muss man einfach so sagen.Foto: Daniel nach einer der Getränkespendensammlungen der HJT fotografiert von Niebler Foto.
Jetzt ist es so, wenn jemand sagt, ich möchte im sozialen Bereich arbeiten. Kann der bei euch helfen oder ein Praktikum machen?
Jeder, der es mit dem Jahn hält, ist erst mal willkommen im Fanprojekt. Ich kann natürlich keine Pauschaleinladung aussprechen. Man muss erst mal miteinander sprechen. Wir sind gegenüber einem Praktikum offen, aber weil es auch ein geschützter Raum ist, in dem sich auch die Fanszene aufhält, würde ich immer sagen, wir müssen eine Person auf jeden Fall erst kennen, bevor wir sagen: Du kannst hier mitarbeiten.
Wir sind aber dafür offen, Menschen kennenzulernen. Bevorzugt haben wir natürlich Leute hier, bei denen auch die Fans sagen, es geht für sie klar, und das ist uns schon auch wichtig.
Wie kann ich euch denn ansonsten unterstützen?
Es ist natürlich immer empfehlenswert, uns auf Social Media zu folgen, weil wir dort alles veröffentlichen. Wenn wir irgendwelche Spendenaufrufe haben, folgt ihnen gerne. Wenn es eine Vorführung oder Ausstellung gibt, kommt her und schaut euch das an. Jetzt dann wieder ab Frühling spielen wir regelmäßig Fußball am Weinweg. Das veröffentlichen wir vorher über unsere Kanäle. Auch da könnt ihr gerne vorbeikommen. Es ist egal, ob ihr gut Fußball spielen könnt oder nicht.
Also: Es gibt diverse Angebote vom Fanprojekt und das Einfachste ist, einfach mal vorbeizukommen und sich das anzuschauen.
Was ist nochmal der konkrete Unterschied zu einer Fanhilfe?
Die Fanhilfe berät bei rechtlichen Fragen. Also wenn es zum Beispiel darum geht, dass man in eine Polizeikontrolle mit Identitätsfeststellung geraten ist oder wenn man in irgendeinem Fall beschuldigt wird Ob man auch etwas getan hat, ist erst mal zweitrangig. Es gibt auch das Fanhilfe-Telefon, also die Nummer, die von der Fanhilfe veröffentlicht wird. Da kann man anrufen. Fanhilfe und Fanprojekt arbeiten ja zusammen. Wir kennen uns, sind im stetigen Austausch, und wir verwehren uns auch nicht. Wenn es ein Thema gibt, ist es erst mal egal, ob man uns oder die Fanhilfe erreicht, weil wir das sowieso zusammen angehen und lösen.
Aber trotzdem nochmal zur Klarstellung, also es sollte auch um fußballbezogene Sachen gehen?
Es sollte schon um Fußball gehen. Wobei ich jetzt sage, ja, die Menschen in der Fanhilfe kennen sich rechtlich aus und man kann die auf jeden Fall mal kontaktieren, wenn man Rechtsfragen hat. Man sollte natürlich abwägen, der Nachbarschaftsstreit ist kein Thema der Fanhilfe oder von uns, aber im Zweifelsfall ist es immer besser, mit den Leuten zu reden, als nicht mit uns zu reden.
Wie ist die Unterstützung von der Trägerschaft und den Behörden für das Projekt? Funktioniert das gut?
Von Seiten des Trägers Kontakt e.V. ist es hervorragend. Es gibt einen Unterstützerkreis, mit dem es damals aufgebaut worden ist. Letztendlich haben die, bei denen ich das Praktikum gemacht habe, das mit Kontakt e.V. initiiert und ich bin dann eingestiegen. Sie haben uns auch seit jeher geholfen und unterstützen uns immer noch bei Fragen, wo wir Expertise brauchen. Es ist ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu unserem Träger und deswegen kann man das auch top mit den Geldgebern lösen. Das sind ja die Stadt Regensburg, der Freistaat Bayern und entweder DFB oder DFL, je nach Ligazugehörigkeit. Mit denen passt es auch, würde ich sagen.
Du vertrittst ja Faninteressen. Wie schwer ist es da, die Balance zwischen Fans, Verein und Behörden zu halten? Das ist sicherlich manchmal ein Drahtseilakt.
Es geht schon. Wir geben uns Mühe, dass wir uns die verschiedenen Seiten anhören und verstehen. Ich würde schon sagen, wir dienen als Sprachrohr in verschiedene Richtungen. Wir sind aber auf jeden Fall parteilich, was die Fanarbeit angeht. Das heißt nicht, dass wir sämtliche Meinungen der Fanszene übernehmen müssen, aber wir sind im Grunde pro Fans und agieren dementsprechend.









































