FC St. Pauli vs. Hamburger SV 0:0 – Angst frisst Fußball auf | OneFootball

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·24 Januari 2026

FC St. Pauli vs. Hamburger SV 0:0 – Angst frisst Fußball auf

Gambar artikel:FC St. Pauli vs. Hamburger SV 0:0 – Angst frisst Fußball auf

Zwar hielt der FC St. Pauli gegen den Hamburger SV die Null, war offensiv aber viel zu harmlos, sodass am Ende die Enttäuschung klar überwiegt.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Der FC St. Pauli trifft auf den Hamburger SV. Das alleine reicht schon, um Fußballherzen höherschlagen zu lassen. Dazu Freitagabend, Flutlicht, Millerntor – mehr braucht es eigentlich nicht, um komplett zu eskalieren. Aber es gibt auch die andere Variante, um diese Partie zu beschreiben: Es ist scheißekalt, die beiden schwächsten Offensiven treffen aufeinander, Abstiegsangst ist vorhanden. Nach Abpfiff der 113. Stadtmeisterschaft, die man laut HSV-Trainer Merlin Polzin „nicht lange in Erinnerung behalten wird“ (was aus Sicht des FC St. Pauli bitte unbedingt der Fall ist), kann man festhalten, dass sich dieses Spiel ganz klar für die zweite Variante entschieden hat.


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Die Aufstellung

Eine Veränderung gab es in der Startelf des FC St. Pauli im Vergleich zur Niederlage in Dortmund: Louis Oppie kehrte zurück, verdrängte Lars Ritzka aus der Anfangsformation. In der Innenverteidigung startete somit erneut Adam Dźwigała, Tomoya Andō blieb auf der Bank. Dort fand sich auch Ricky-Jade Jones ein, der zuletzt gegen Dortmund überzeugen konnte. Danel Sinani und Jackson Irvine standen wieder im Kader, Connor Metcalfe erwartungsgemäß nicht.

Aufseiten des HSV gab es einige Überraschungen in der Startelf: Jean-Luc Dompé, Daniel Elfadli und Albert Sambi Lokonga konnten von Beginn an auf dem Platz erwartet werden. Polzin entschied sich aber dafür, stattdessen mit Alexander Røssing-Lelesiit, Ransford Königsdörffer und Jordan Torunarigha zu starten. An der 3-4-3-Grundformation des Teams änderte das nichts, an der Herangehensweise aber schon ein bisschen.

Gambar artikel:FC St. Pauli vs. Hamburger SV 0:0 – Angst frisst Fußball auf

Aufstellung bei der Partie FC St. Pauli gegen Hamburger SV

FCSP: Vasilj – Dźwigała, Wahl, Mets – Pyrka, Smith, Sands, Oppie – Fujita, Kaars, Pereira Lage

HSV: Heuer Fernandes – Capaldo, Vušković, Torunarigha – Jatta, Vieira, Remberg, Muheim – Königsdörffer, Downs, Rössing-Lelesiit

FC St. Pauli gefriert bei Ballbesitz

Der Hamburger SV agierte bei Ballbesitz nicht mit solch starken Überladungen der eigenen rechten Seite, wie man es in dieser Saison schon gesehen hat. Auffällig war auch, dass das Team öfter mit Remberg als fallendem Sechser im Aufbau agierte. Capaldo und Muheim schoben dann gerne in die beiden defensiven Halbräume, viel seltener aggressiv nach vorne als sonst. Davor agierte Jatta auf der rechten Außenbahn als tiefe Anspielstation. Königsdörffer, der sich gegen den Ball dort positionierte, agierte mehr oder weniger als freies Radikal (blieb aber total ineffektiv) und versuchte zusammen mit Downs und Vieira, in den offensiven Halbräumen für Probleme des FC St. Pauli zu sorgen.

Bloß kein Risiko!

Diese Probleme gab es aber nicht für den FCSP. Der HSV kam zwar ganz gut in die Partie, schaffte es aber aus geordnetem Spielaufbau nie so wirklich, Torgefahr zu erzeugen. Die kompakte Formation des FC St. Pauli, in der nur wenig mannorientiert auf die Rotationen des HSV reagiert wurde, blieb stabil. Was allerdings auch daran lag, dass die Gäste alles andere als hochklassigen und mutigen Offensiv-Fußball spielten. Vielmehr war dem Team von Polzin trotz anfänglicher Feldüberlegenheit anzumerken, dass es das Risiko scheute.

Das Risiko scheute auch der FC St. Pauli. So sehr, wie man es wohl nur selten zu sehen bekommt. Das Spiel schlug relativ schnell eine Richtung ein, in der alle strukturierten Vorhaben beider Offensiven von Vorsicht und Unsicherheit ertränkt wurden. In der Folge gab es so viele lange Bälle zu sehen, dass es irgendwann einfach nur noch wehtat. Der FCSP versuchte zu Beginn noch mit flachen Pässen von den Außenbahnen in Richtung Offensivzentrum ins letzte Drittel des HSV vorzudringen. Das ging ein paar Mal schief – und nach wenigen Minuten stellte das Team von Alexander Blessin diese Versuche nahezu komplett ein. Dabei waren die Räume für solche Pässe eigentlich vorhanden. Der Hamburger SV wirkte nicht unbedingt sattelfest in der Defensive. Nur tat der FCSP ihm den Gefallen, die Stärken des Teams herauszuarbeiten.

Langer Ball auf Vušković, eine „suuuuper“ Idee…

Denn von den Füßen der FCSP-Spieler aus flogen etliche hohe Bälle in Richtung HSV-Abwehrkette, die nur wenig Probleme hatte, diese zu verteidigen: 22 Kopfball-Duelle führten die Herren Capaldo, Vušković und Torunarigha, 18 davon gewannen sie. Zumeist segelten die Bälle sogar genau dorthin, wo sie definitiv nicht hinsollten: Luka Vušković führte alleine zwölf Kopfballduelle, gewann zehn davon. Einige weitere Male führte er nicht einmal ein Duell, sondern köpfte den Ball ohne Gegenwehr wieder aus der Gefahrenzone. Und irgendwo zwischen Vušković und Torunarigha (der, anders als im Hinspiel, viel zu selten in Laufduelle gezwungen wurde!) befand sich der bemitleidenswerte Martijn Kaars, der zusammen mit Mathias Pereira Lage vorne ziemlich im Stich gelassen wurde von seinen Mitspielern, was Hauke Wahl nach Abpfiff mit deutlichen Worten monierte.

Denn es ist schon ok und verständlich, dass der FC St. Pauli das Risiko scheut, nachdem die ersten Versuche des flachen Aufbauspiels in die Hose gegangen sind. Aber dann sollte die Exit-Strategie doch bitte eine andere sein, als allen zu zeigen, wie gut Vušković im Kopfballspiel ist. Er ist nämlich sehr, sehr gut: Kein Bundesligaspieler gewinnt pro Partie mehr Kopfballduelle. Das war schon vorher bekannt, aber der FC St. Pauli tat dem HSV trotzdem diesen großen Gefallen. Darüber ärgerte sich nach Abpfiff auch der maßlos enttäuschte Alexander Blessin. Unter anderem erklärte er, dass man eine ganz andere Exit-Strategie gehabt habe, diese aber, warum auch immer, nicht spielte.

St. Pauli tut dem HSV einen Gefallen

Dass es überhaupt zu den vielen Situationen kam, in denen der FC St. Pauli genau das tat, was er nicht tun sollte, lag auch daran, dass er zuvor bereits schon genau das tat, was er nicht tun sollte: Nämlich viel zu wenig. Wenn die FCSP-Abwehrkette den Ball in ihren Reihen bewegte, dann passierte in den Mannschaftsteilen davor das, was unter Anwesenheit von Wasser bei diesen Temperaturen nun einmal passiert: Einfrieren. Das Spiel des FC St. Pauli war statisch, es gab viel, viel, viel zu wenige Bewegungen in den vorderen Reihen, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Dabei war es genau das, was dem HSV im Hinspiel so große Probleme bereitet hatte. Da gelang es immer wieder, die HSV-Abwehr in Laufduelle zu zwingen, sie aus ihren Positionen herauszuziehen. Pässe hinter oder vor die letzte Kette der Gäste hätten dabei geholfen, stattdessen spielte der FC St. Pauli zumeist meist Pässe in die Kette.

Doch selbst wenn es dem FC St. Pauli mal nicht gelingt, die Bälle vor oder hinter die letzte Kette des Gegners zu spielen, bleibt da immer noch die Option, über einen zweiten Ball Gefahr zu erzeugen. Doch auch das blieb der FCSP schuldig. Blessin kritisierte auf der Pressekonferenz nach Abpfiff das Nachrückverhalten seines Teams: „Wir waren vom Kopf her in den Momenten für die zweiten Bälle nicht so präsent, da war der HSV besser.“ Auch Nikola Vasilj kritisierte diese wenig proaktive Spielweise, die dazu geführt habe, dass die Abstände zur eigenen Offensive zu groß waren und entsprechend kaum Druck auf die zweiten Bälle erzeugt werden konnte (was zwingend notwendig ist, wenn man schon so viele lange Bälle spielt).Und selbst wenn es dem Team gelang, in die Zweikämpfe zu kommen, wurden sie im ersten Abschnitt einfach viel zu oft verloren. Laut Blessin gewann der HSV in der ersten Hälfte 63 Prozent der Zweikämpfe, Ein Wert, der betroffen macht, auch den Cheftrainer: „Wenn wir von einem Abstiegs-Derby sprechen, dann ist das zu wenig.“

Gambar artikel:FC St. Pauli vs. Hamburger SV 0:0 – Angst frisst Fußball auf

Das übliche Bild der 113. Stadtmeisterschaft: Der Hamburger SV gewinnt in Person von Luka Vušković einen Zweikampf gegen den FC St. Pauli, hier gegen Martijn Kaars. // (c) Stefan Groenveld

Das einzig positive am ersten Abschnitt war aus Sicht des FC St. Pauli, dass auch der HSV offensiv so gut wie gar nicht stattfand. Die Gäste erspielten sich genau einen Abschluss, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (xG: 0,09). Da sich auch der FCSP nur unwesentlich mehr Abschlüsse erspielte, nämlich magere zwei (summierter xG: 0,03…), gab es eigentlich nur zwei Dinge, die an der ersten Halbzeit gut waren: Dass sie endlich vorbei war und dass niemand auf dem Platz, besonders beide Torhüter, Erfrierungen davongetragen hat (was hoffentlich auch auf den Rängen der Fall gewesen ist). Die Stadtmeisterschaft ist auch das Aufeinandertreffen der toremäßig schwächsten Offensiven der Bundesliga gewesen – und die ersten 45 Minuten dieser Partie untermauerten diesen Status auf schmerzvollste Art und Weise.

Es kommt Bewegung rein

Mit Start der zweiten Hälfte stand dann Ricky-Jade Jones auf dem Platz, er ersetzte Kaars. Blessin erklärte später, dass in der Pause vor allem das Nachrück- und Zweikampfverhalten Thema gewesen seien. Jones zeigte Wirkung. Schon nach fünf Minuten hatte der FC St. Pauli um ihn herum mehr Unruhe in der HSV-Hintermannschaft gestiftet, als in der gesamten ersten Halbzeit. Zwar war der Ertrag in Form von Torgelegenheiten immer noch extrem dürftig, den ersten FCSP-Abschluss der zweiten Halbzeit gab es in Minute 63, aber das Team war nun immerhin deutlich aggressiver. So wirklich mutig war das Spiel des FC St. Pauli aber leider weiterhin nicht, es war noch viel zu oft von Vorsicht und Risikoarmut geprägt. Die ersten Chancen im zweiten Abschnitt hatte dann auch der HSV und fast hätte es in der 54. Minute im FCSP-Tor eingeschlagen, doch Vasilj war beim Kopfball von Vušković auf dem Posten.

Sinani und Jones beleben St. Pauli

Diese Gelegenheit markierte dann aber erst einmal das Ende der Offensivpräsenz des HSV. Ab jetzt übernahm der FC St. Pauli mehr und mehr das Spiel. In der 58. Minute notierte ich mir endlich die erste richtig gute Angriffs-Sequenz des FCSP, als sich mit gleich drei „Steil-Klatsch“-Situationen nach vorne durchkombiniert wurde. Diese mündete in einer Ecke, die dann leider, wie so viele Standardsituationen in diesem Spiel, kümmerlich am erstmöglichen HSV-Kopf verendete. Aber immerhin konnte man nun das Gefühl entwickeln, dass der FC St. Pauli in diesem Derby angekommen war.

Mit der Einwechslung von Danel Sinani kippte die Partie dann noch ein wenig weiter in Richtung des FC St. Pauli. Sinani brachte dabei genau das Element ein, das dem Team zuvor oft fehlte: Wenn das eigene Team den Ball hatte, dann war Sinani immer in Bewegung und wollte immer den Ball haben. Ihn schien es auch nicht nachhaltig zu beeindrucken, wenn er eben jenen Ball mal verlor, wenn eine Aktion nicht gelang. Das klingt total nach Stammtisch-Phrase, ich weiß. Aber am Freitag stand da zeitweise ein FC St. Pauli auf dem Platz, der als Team fürchterlich verunsichert und ängstlich wirkte – und das äußerte sich eben darin, dass viel zu oft niemand mit Nachdruck den Ball forderte, wenn die eigenen Innenverteidiger diesen besaßen.

„Ballverluste, die eigentlich bestraft werden.“

Die zweite Halbzeit des FC St. Pauli war also ein gutes Stück besser als die erste. Auch die Zweikampfwerte kippten nun klar in Richtung des FCSP (55 Prozent der Boden-Duelle wurden gewonnen). Und es gab dann auch eine Phase, in der das Team einem Treffer recht nahe kam: Zwischen der 75. und 81. Minute gab es vier Abschlüsse, einen davon, jenen von Sinani, hielt HSV-Keeper Heuer Fernandes stark. Wirklich zufrieden konnte der FC St. Pauli aber auch mit der zweiten Hälfte nicht sein. Zum einen, weil die Torabschlüsse einfach nicht zwingend genug waren. Zum anderen, weil es einige Momente gab, in denen der HSV regelrecht zum Toreschießen eingeladen wurde. Blessin sagte nach Abpfiff: „Wir hatten Ballverluste, die eigentlich bestraft werden.“ Wurde der FCSP aber nicht, weil der HSV zum Beispiel seinen „3-gegen-1“-Konter in der 82. Minute fürchterlich schlecht ausspielte.

Somit endet die 113. Stadtmeisterschaft ernüchternd, vor allem für den FC St. Pauli. Der HSV wird mit diesem Punkt deutlich besser leben können, hat er doch den Punkte-Abstand beibehalten können. Beim FC St. Pauli regierte nach Abpfiff hingegen komplette Enttäuschung. Denn auch wenn das Team die Null hielt, zum ersten Mal in dieser Saison in einem Heimspiel, so muss einfach klar und deutlich festgestellt werden: Dieser HSV war offensiv völlig harmlos und defensiv nur dann sattelfest, wenn der FCSP dessen Stärken betonte, indem er genau so spielte, wie er nicht sollte. Dieser HSV war absolut schlagbar. Dass das nicht gelungen ist, ist total enttäuschend.

So, genug gemosert und den Frust rausgeschrieben. Muss sein, Niederlagen (oder in diesem Fall Unentschieden) müssen manchmal richtig wehtun, damit genug Motivation daraus gezogen werden kann. Irgendwann überwiegt vielleicht das gute Gefühl, dass die Stadtmeisterschaft weiterhin im Besitz des FC St. Pauli ist. Besonders dann, wenn es nun gegen Leipzig endlich mal wieder gelingt, dreifach zu punkten. Trotzig und weil wir sowieso keine Zeit haben, um uns zu lange mit diesem Spiel aufzuhalten, schreibe ich das, was ich immer am Ende eines Spielberichts schreibe und dieses Mal noch etwas wichtiger finde als sonst:Immer weiter vor!// Tim

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