Rund um den Brustring
·19 Januari 2026
Irgendwo dazwischen

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·19 Januari 2026

Die Brustringträger schließen die erste von vielen englischen Wochen mit sieben von neun möglichen Punkten ab. Das 1:1 gegen Union ist nicht unbedingt eine Enttäuschung, aber auch keine Glanzleistung — sondern irgendwas mittendrin.
Denn natürlich ist es zunächst ein wenig überraschend, dass wir ausgerechnet gegen den tabellarisch schlechtesten Gegner in dieser Woche Punkte liegen lassen — wer Leverkusen und Frankfurt schlägt, sollte doch mit Union fertig werden, so die naheliegende Vermutung. Sich hier allein an der Tabelle zu orientieren, kann aber trügerisch sein. Denn die Berliner haben sich nach ihrer Horrorsaison vor zwei Jahren unter Steffen Baumgart durchaus wieder konsolidiert und haben wieder zu den Stärken zurückgefunden, mit denen sie uns in den Jahren nach deren Auf- und unserem Abstieg auf die Nerven gegangen sind. Der Unterschied besteht mittlerweile darin, dass der VfB auf dem Papier die stärkere Mannschaft hat. Spielt ein Team wie Union jedoch am Limit und der VfB nicht, dann nähert man sich unterm Strich ganz schnell an.
Andererseits könnte man auch die Meinung vertreten, dass entgegen des Tableaus, Union der stärkste der drei letzten Gegner war, gegen den es für den VfB an einem nicht optimalen Tag eben nur zu einem Punkt reichte. Denn die Köpenicker verteidigten wesentlich konsequenter als die Leverkusener, gegen die der Mannschaft mit dem Brustring am vergangenen Wochenende alles gelang, gerade vor dem Tor. Und sie waren auch wesentlich gefestigter als die Eintracht, deren teils chaotisches Auftreten ihrem Trainer mittlerweile den Job gekostet hat. Was die Torgefahr angeht, wenn auch nicht unbedingt die Chancenverwertung, waren die Gäste am Sonntagnachmittag ihren Vorgängern ebenbürtig, vor allem als sie nach dem Rückstand nicht nur auf den Ausgleich, sondern gar auf den Siegtreffer drängten. Der VfB hingegen wuchs in dieser Woche gegen Leverkusen über sich hinaus, ging gegen Frankfurt an sein Limit, um das Spiel für sich zu entscheiden und blieb gegen Union eben genau das schuldig. Und das obwohl die Gäste durch eine unsinnige Ansetzung am Donnerstagabend ganze zwei Tage weniger Regeneration hatte als wir und zuletzt zwei Mal Rückständen — erfolgreich — hinterher lief.
Denn hätte die Mannschaft eine Leistung wie gegen Leverkusen oder Frankfurt gezeigt, wäre es ihr wesentlich häufiger gelungen, diesen wie erwartet tiefstehenden Gegner durch eigenes Tempo zu überwinden, anstatt, wie auch Sebastian Hoeneß im Anschluss monierte, zu versuchen, “die Lösung mit dem Ball am Fuß zu finden”. Hinzu kam, dass man sich einfach zu wenige Chancen in aussichtsreichen Positionen erspielte oder zu häufig aus zu großer Distanz oder zu spitzem Winkel abschloss. Hätte Deniz Undav beispielsweise gegen Frankfurt vor dem Ausgleich mehrere Tore schießen können, so reichte es diesmal nur zu einer Großchance, während weitere Abschlüsse einfach zu ungefährlich waren. Ironischerweise fiel das Führungstor durch Führich nach einer beeindruckenden Einzelleistung von Ramon Hendriks und durch das feine Füßchen des Torschützen von außerhalb des Strafraums. Aber während Union fast nur von innerhalb des Sechszehners aufs Tor schoss, kam der VfB kaum in die gefährlichen Räume.
Überhaupt Führich. Wenn man jemanden von der Kritik an der stumpfen VfB-Offensive am Sonntag ausnehmen muss, dann ihnen. Schon die ganze Woche über zeigte er endlich, warum er vor der Saison unbedingt die Rückennummer 10 haben wollte, ihm hatte der Weihnachtsmann offensichtlich ein bisschen mehr Übersicht und Entscheidungsstärke unter den Baum gelegt. Aber alleine konnte er das Spiel auch nicht entscheiden, dazu war Union zu defensivstark und das Spiel des VfB zu ungenau. Und nach der eigenen Führung auch leider zu passiv. Dass “ausgerechnet” Jeong Woo-yeong zum Ausgleich einschieben konnte, lag zwar erstmal daran, dass Josha Vagnoman trotz aller Vorlagen in dieser Woche defensiv zu anfällig ist und dass trotz klarer Zuteilung Jeff Chabot und Ramon Hendriks den ehemaligen Brustringträger im Rückraum unbewacht ließen. Der Ausgleich hatte sich aber schon abgezeichnet, weil der VfB den energischen Angriffen der Unioner bis auf Stillers Großchance nur wenig entgegen zu setzen hatte. Was vielleicht auch daran lag, dass es die Mannschaft versäumte, stärker aufs zweite Tor zu gehen und mit der Einwechslung von Finn Jeltsch und der relativ späten Hereinnahme von Ermedin Demirovic auch nicht unbedingt den Impuls von außen dazu bekam.
Grundsätzlich ist also durchaus mehr drin gegen Union, aber eben nicht an diesem Tag. Vielleicht ist es für uns auch deshalb so schwer, Unentschieden richtig einzuordnen, weil sie unter Sebastian Hoeneß so selten geworden sind. Nur 20 von 127 Pflichtspielen mit ihm an der Seitenlinie gingen Remis aus. Immerhin hält man durch den einen Punkt die Abstände in der noch immer etwas schiefen Tabellen nach unten, besonders auf die Plätze außerhalb des Europapokals. Dort geht es jetzt am Donnerstag im Stadio Olimpico gegen die Mannschaft, die die wenigsten Gegentreffer der Serie A kassiert hat. Da werden die Brustringträger wieder näher an ihr Limit kommen oder es sogar überschreiten, wollen sie bei der Roma etwas mitnehmen. Dass sie dazu in der Lage sind, haben wir vergangene Woche gesehen.
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images









































