DFB-Frauen
·29 agosto 2025
Bochums Torjägerin Dörthe Hoppius: "Die richtigen Schlüsse gezogen"

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·29 agosto 2025
Dörthe Hoppius (29), Angreiferin beim VfL Bochum in der 2. Frauen-Bundesliga, hat erfolgreiche Tage hinter sich. Erst traf sie beim 6:0 zum Saisonstart gegen Aufsteiger VfR Warbeyen viermal, dann schloss sie ihr duales Studium zur Polizeikommissarin erfolgreich ab. Im DFB.de-Interview spricht Hoppius mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihren Viererpack, den Spielball und ihren Spitznamen "Didi".
DFB.de: Wie gut gefällt Ihnen der Blick auf die Tabelle und die Torschützenliste, Frau Hoppius?
Dörthe Hoppius: Sehr gut natürlich. Meinetwegen könnten wir die Saison jetzt beenden. (lacht)
DFB.de: Wann waren Ihnen zuletzt vier Tore in einem Spiel geglückt?
Hoppius: In der Regionalliga ist das einmal bei einem 7:0 gegen Alemannia Aachen vorgekommen. Das war aber - bei allem Respekt - noch ein anderes Niveau. In der Bundesliga oder in der 2. Bundesliga gab es das aber für mich noch nie.
DFB.de: Nach der Pause gelang Ihnen ein lupenreiner Hattrick. Bekommt der Spielball einen Ehrenplatz?
Hoppius: Bei mir zu Hause zumindest nicht. Wenn wir einen Ball mitnehmen wollen, müssen wir in die Mannschaftskasse zahlen. Das wird mir auf Dauer zu teuer. (lacht)
DFB.de: Während der gesamten Vorsaison waren es vier Tore. Haben Sie sich selbst überrascht?
Hoppius: Ja, schon ein wenig. Zunächst muss ich aber sagen, dass ich in der abgelaufenen Spielzeit wegen einer Oberschenkelverletzung lange Zeit außer Gefecht gesetzt war und deshalb nur etwas mehr als die Hälfte aller Spiele bestreiten konnte. Damit relativiert sich auch die Torausbeute ein wenig. Was die Partie gegen Warbeyen betrifft, muss ich mich vor allem bei meinen Mitspielerinnen bedanken, die mich mehrfach so gut bedient haben, dass ich oft nur noch den Fuß hinhalten musste.
DFB.de: Wie würden Sie Ihre persönlichen Qualitäten beschreiben?
Hoppius: Ich bin ein eher robuster Stürmertyp, der die Bälle festmacht und verteilt. Dazu bin ich auch recht kopfballstark. Da ich inzwischen schon in einem etwas fortgeschrittenen Fußballerinnenalter bin, möchte ich außerdem als Führungsfigur im Team vorangehen.
DFB.de: Warum werden Sie von allen "Didi" gerufen?
Hoppius: Während meiner Karriere habe ich von 2014 bis 2018 in den USA gelebt. Für die Leute dort war es schwierig bis unmöglich, meinen Vornamen Dörthe richtig auszusprechen. Deshalb wurde ich dort von Beginn an Didi gerufen. Dabei ist es dann auch in Deutschland geblieben.
DFB.de: Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld nach dem Viererpack ausgefallen?
Hoppius: Es kamen schon einige Nachrichten. Nachdem ich zuletzt nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens war, ist es ein gutes Gefühl, dass sich so viele Menschen mit mir darüber freuen, wenn es sportlich so gut läuft.
DFB.de: Mit dem VfR Schwarz-Weiß Warbeyen 1945 war ein Liganeuling in Bochum zu Gast. Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund den deutlichen Auftaktsieg ein?
Hoppius: Wir können das Ergebnis gut einschätzen und wissen, dass der Gegner viele Spielerinnen in seinen Reihen hat, die auf diesem Niveau noch keine Erfahrungen gesammelt haben. Das Spiel wird sicher nicht der Maßstab für die nächsten Aufgaben sein.
DFB.de: Zuvor war bereits in den Playoffs zum DFB-Pokal der Frauen durch ein 1:2 beim Aufsteiger FC Viktoria Berlin Endstation. Wie schmerzhaft war das frühe Ausscheiden?
Hoppius: Es war schon sehr bitter, zumal wir es nach dem Spielverlauf zumindest verdient hatten, in die Verlängerung zu kommen. Man hat aber auch gesehen, dass die Viktoria viel investiert und einige Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung verpflichtet hat.
DFB.de: Der VfL Bochum hatte selbst in der abgelaufenen Saison als Aufsteiger lange Zeit um die Spitzenplätze mitgespielt. Warum war dem Team im Endspurt die Puste ausgegangen?
Hoppius: Da kam einiges zusammen. Vor allem hatten wir extremes Verletzungspech. Wichtige Leistungsträgerinnen wie unsere Kapitänin Janine Angrick, Nina Lange oder Lilian Huber waren lange ausgefallen. Da wir noch keine ausreichende Breite im Kader hatten, musste in einer Partie sogar unsere Ersatztorhüterin im Sturm auflaufen. Das sagt schon einiges aus. Der Verein hat daraus aber die richtigen Schlüsse gezogen und hat mit den Neuverpflichtung dafür gesorgt, dass wir Ausfälle besser kompensieren können.
DFB.de: Gibt es in dieser Saison also einen neuen Angriff auf den Sprung in die Google Pixel Frauen-Bundesliga?
Hoppius: Unser Fokus liegt darauf, uns erst einmal als Team noch besser zu finden und dann möglichst von Spiel zu Spiel besser zu werden. Dass wir oben mitspielen wollen, ist kein Geheimnis. Das A-Wort nehmen wir aber nicht in den Mund, sondern fokussieren uns lieber auf die nächste Aufgabe.
DFB.de: Mit dem 1. FC Union Berlin, dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV haben drei ambitionierte Klubs die Liga nach oben verlassen. Aus der Google Pixel Frauen-Bundesliga kam nur der 1. FFC Turbine Potsdam hinzu. Dazu sind fünf Aufsteiger dabei. Wie schätzen Sie die Qualität der Liga insgesamt ein?
Hoppius: Ich gehe davon aus, dass die Liga sehr eng und spannend sein wird und dass es erneut viele überraschende Ergebnisse geben könnte. Einen Durchmarsch an der Spitze wird es aus meiner Sicht nicht geben.
DFB.de: Was zeichnet das VfL-Team aus Ihrer Sicht besonders aus?
Hoppius: Wir sind nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz ein Team. Wir können uns aufeinander verlassen und sind füreinander da. Das ist schon außergewöhnlich.
DFB.de: Welchen Anteil hat Trainerin Kyra Malinowski?
Hoppius: Ich muss Kyra ein großes Kompliment machen. Sie schaut bei den Spielerinnen nicht nur auf die sportliche Qualität, sondern auch darauf, wie sie menschlich ins Team passen. Auf der einen Seite ist sie eine Autoritätsperson, hat aber auch für jede ein offenes Ohr. Man kann mit ihr wirklich über alles sprechen.
DFB.de: Künftig tragen die VfL-Frauen ihre Heimspiele im modernisierten Wattenscheider Lohrheidestadion aus. Wie finden Sie das?
Hoppius: Da nach dem Stadionumbau zuletzt auch noch der Rasen ausgetauscht werden musste, hatten wir noch gar keine Gelegenheit, uns die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Obwohl wir unsere bisherige Heimat auf dem Leichtathletik-Platz sicherlich zunächst vermissen werden, ist der Umzug für den Verein und das Team ein guter Schritt. Das Lohrheidestadion bietet uns professionelle Bedingungen und wesentlich mehr Platz und Komfort für die Fans, die uns unterstützen möchten. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es wird.
DFB.de: Zunächst steht am 2. Spieltag aber die Auswärtspartie beim FC Bayern München II auf dem Programm. Was nehmen Sie sich vor?
Hoppius: Wir treffen auf eine junge und talentierte Mannschaft, die wir sehr ernstnehmen. Es wird ein intensives und schwieriges Spiel für uns. In der Rückrunde der abgelaufenen Saison begann unser Negativlauf mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den FC Bayern II. Wir haben deshalb noch etwas gutzumachen.
DFB.de: Zum Abschuss: Welche Torquote wollen Sie bis zum Saisonende erreichen?
Hoppius: Da habe ich keine bestimmte Zahl im Kopf. Eine unserer Stärken war es bisher, dass wir viele verschiedene Torschützinnen hatten. Ich hätte nichts dagegen, wenn es so bleibt, denn das bedeutet, dass wir für den Gegner unberechenbar sind. Solange wir gewinnen, ist es mir völlig egal, wer die nötigen Treffer erzielt.