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·21 aprile 2026
Ehrenamt ausgezeichnet – aber viele verlieren die Lust

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·21 aprile 2026

Der VDS verlieh das Goldene Band ans Ehrenamt, Laudator war Philipp Lahm. Doch Frustration wächst: Zu wenig Wertschätzung, Sportstättenmangel und Gewalt gegen Ehrenamtliche.
Unverhofft kommt oft – aber so wohl nicht wieder: Am Montag hatte ich die Ehre, stellvertretend für die vielen Engagierten im Sport auf der Bühne des Verbands Deutscher Sportjournalisten zu stehen. Der VDS zeichnete in diesem Jahr „das Ehrenamt“ mit dem Goldenen Band aus – eine noble und wichtige Geste.
Die Laudatio hielt Weltmeister und Ehrenspielführer Philipp Lahm. Kaum jemand wäre passender gewesen. Der Kapitän der WM-Elf von 2014 ist heute selbst als Jugendtrainer bei der FT Gern München aktiv – jenem Verein, in dem mein Freund, Podcast-Partner und Hartplatzhelden-Kollege Michi Franke Vorsitzender ist.
Lahm erzählte von seiner Mutter, die viele Jahre die Jugendleitung innehatte. Wer diesen Job kennt, weiß, was das bedeutet – und zollt Respekt. Er erinnerte sich an seinen ersten Trainer als echte Respektsperson. Heute steht er selbst als Co-Trainer der C-Jugend seines Sohnes auf dem Platz.
Während der Regierende Bürgermeister von Berlin in seinem Grußwort vor allem von Olympiaträumen sprach und sogar die „Berliner Bescheidenheit“ bemühte – wie ernst gemeint auch immer –, blieb die von der Politik zu verantwortende Sportstättenmisere unerwähnt. DOSB-Präsident Thomas Weikert wiederum warb für bessere Unterstützung des Ehrenamts, etwa durch Rentenpunkte. Für mich käme das zu spät – und vermutlich für viele andere auch nie.
So gut solche Vorschläge gemeint sind: Die Probleme liegen oft woanders. Es fehlt am Einfachsten – an echter Wertschätzung. Was stimmt eigentlich nicht mit einem Land, in dem Trainer von Eltern angegangen, Schiedsrichter beleidigt und bedroht, ja, sogar Rettungskräfte attackiert werden? Wer will unter solchen Bedingungen noch Verantwortung übernehmen – so wie es Daniela Lahm über Jahre vorbildlich getan hat?
Auf die Frage der Moderatorin, was mir zum Ehrenamt einfalle, musste ich die Gelegenheit einfach nutzen. Vor Ort waren der Regierende Bürgermeister, der DOSB-Chef, der LSB-Präsident und zahlreiche Sportjournalisten. Also wies ich trotz aller Feierlaune darauf hin, dass allein in unserem Verein Jahr für Jahr über 700 Kinder nicht aufgenommen werden können. Ein Zustand, den wir mit vielen Berliner Vereinen teilen – und nicht nur im Fußball. Die Sportschau brachte es jüngst auf den Punkt: „Generation Gold auf der Warteliste.“
Für Engagierte ist kaum etwas frustrierender, als Kinder abweisen zu müssen, Eltern zu vertrösten und sich nicht selten mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei wollen sie nichts anderes, als der Jugend – also unserer Zukunft - Bewegung ermöglichen. Stattdessen dominieren Absagen und Mangelverwaltung den Alltag. Kein Wunder, dass viele die Lust verlieren.
Unser Handbuch wollten meine Kollegin Susanne Amar und ich folgerichtig „Ehrenamt am Ende“ nennen. Aber: zu pessimistisch, zu düster, fanden wir. Also heißt es nun doch „Ehrenamt mittendrin“. Download hier
Doch ist es das wirklich? Politik und Verwaltung tun oft mehr, um Engagement auszubremsen, als es zu fördern – und feiern die Stützen der Gesellschaft dann in Sonntagsreden.
Als schließlich das Gruppenfoto anstand, bat ich noch einmal um das Mikrofon. Auf der Bühne standen fünf weiße Männer – ein Bild, das man nicht unkommentiert lassen sollte. In vielen Regionen haben längst mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen in den Grundschulen einen familiären Zuwanderungshintergrund. Wer diese Realität ignoriert, verspielt Zukunft. Das Ehrenamt läuft auch Gefahr, wenn es Vielfalt nicht endlich ernst nimmt.
Bleibt zum Schluss, dem Verband der Sportjournalisten zum Hundertsten zu gratulieren. Übrigens wird auch der VDS ehrenamtlich geführt.









































