FC Bayern München
·29 gennaio 2026
Sattelfest, aber harmlos? Der HSV im Gegnercheck

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·29 gennaio 2026

Der Hamburger SV ist zurück in der Bundesliga – und zwar nicht als Statist, sondern als unbequemer Prüfstein. Ausverkaufte Ränge im Volkspark, defensive Stabilität und eine klare Idee: Der Aufsteiger bringt vieles mit, was ihn gerade zu Hause gefährlich macht. Struktur, Kontrolle und defensive Stabilität prägen das Spiel der Rothosen, die sich 2026 bewusst über Ordnung statt Risiko definieren. Doch genau dieser Ansatz bringt auch Spannungen mit sich. Denn während der HSV kaum Gegentore zulässt, fehlt es zuletzt an Tempo, Intensität und Durchschlagskraft. Vor dem Duell mit dem FC Bayern am Samstag (18:30 Uhr) stellt sich deshalb die zentrale Frage: Hält die Stabilität – oder wird sie zur Bremse?
Fünf Spiele ohne Sieg – das gab es für den HSV in dieser Saison noch nicht. Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, die Hamburger allein an dieser Serie zu messen. Drei Unentschieden stehen in diesem Zeitraum zu Buche, darunter zwei 0:0-Partien, in denen der HSV jeweils mehr Ballbesitz hatte als der Gegner. Auffällig: Dreimal in Folge blieben die Hanseaten ohne eigenen Treffer – ein historischer Negativwert für die Norddeutschen in der Bundesliga.
Nach der Winterpause präsentiert sich das Team von Merlin Polzin vor allem defensiv extrem stabil. Nur zwei Gegentore kassierte der HSV im Jahr 2026 – beide in Unterzahl, eines davon per Strafstoß. Damit stellen die Hamburger aktuell die beste Abwehr der Liga in diesem Zeitraum. Gleichzeitig fehlt vorne die Effizienz: 42 Torschüsse in drei Spielen, nur ein Treffer – und der fiel durch Innenverteidiger Luka Vušković nach einer Ecke. Kontrolle ja, Durchschlagskraft nein – der Kontrast könnte größer kaum sein.
Rein tabellarisch liegt die Mannschaft um Kapitän Yussuf Poulsen auf Platz 14 dennoch weiter im Soll. Dass der HSV auf Augenhöhe mit vielen Bundesligisten agiert, liegt auch an der Wucht des Volksparkstadions. Alle Heimspiele waren ausverkauft, 15 der bislang 18 Punkte holten die Hamburger zu Hause. Nicht zuletzt durch den Zuspruch der Fans präsentierten sich Nicolai Remberg und Co. so überzeugend vor heimischer Kulisse: Seit fünf Bundesliga-Heimspielen ist der HSV ungeschlagen, erzielte 13 seiner 17 Saisontore im eigenen Stadion.
Doch auch hier zeigt sich das Spannungsfeld: Die Heimstärke basiert weniger auf Intensität als auf Struktur. Mit durchschnittlich 115,5 Kilometern pro Spiel sind die Hamburger das laufschwächste Team der Liga. Einzig Leverkusen zog weniger Sprints an als die Hamburger (152 Sprints pro Partie), hinzu kommt, dass die Polzin-Elf die wenigsten intensiven Läufe (619 pro Partie) aller Bundesligisten absolviert. Ein Aspekt, der schon im Hinspiel in der Allianz Arena sichtbar wurde – und der umso mehr ins Gewicht fällt, wenn man auf die Bayern-Bilanz blickt: In allen drei Münchner Punktverlusten liefen die Gegner deutlich mehr als der FCB. Für den HSV gilt daher: Soll es eine Überraschung geben, müssen die Socken mehr qualmen als zuletzt. Stabilität allein reicht nicht – sie muss aktiv verteidigt werden.
Taktisch gehört der HSV zu den am besten organisierten Teams der Liga. Kaum eine Mannschaft verteidigt Konter so konsequent, kaum eine lässt nach Ballverlusten oder Standards so wenig zu. Noch ohne Gegentor nach Eckbällen, nur einen Treffer nach Kontern zugelassen – und ligaweit die wenigsten gegnerischen Abschlüsse nach schnellen Umschaltsituationen: Die Zahlen unterstreichen, wie diszipliniert die Hamburger arbeiten.
Diese defensive Ordnung ist jedoch untrennbar mit offensiven Einschränkungen verbunden. Kein Team benötigt mehr Abschlüsse pro Tor, nur zwei Treffer fielen nach gegnerischen Ballverlusten, einzig der FC St. Pauli hat in der Bundesliga einen geringeren Wert nach erwarteten Toren als der Lokalrivale (19,0). Zwar zählt der HSV selbst zu den besten Kontermannschaften der Liga – nur die Bayern erzielten mehr Kontertore als Hamburg (5) – doch insgesamt fehlt es im letzten Drittel an Tempo, Präzision und Entscheidungsstärke. Das Spiel bleibt kontrolliert, aber oft zu sauber, zu langsam, zu berechenbar.
Das Duell in der Hinrunde zeichnete ein klares Bild. Der FC Bayern dominierte Ballbesitz, Chancen und Zweikämpfe – insbesondere in der Luft. Die Münchner gewannen fast 80 Prozent der Kopfballduelle und erspielten sich ein deutliches Chancenplus, während Hamburg zwar kompakt verteidigte, offensiv aber kaum Entlastung fand. Gerade die Lufthoheit und die konsequente Besetzung des Strafraums erwiesen sich als Schlüssel – ein Ansatz, der auch im Rückspiel vielversprechend sein dürfte.
Merlin Polzin steht für einen kontrollierten Ansatz, der je nach Gegner variiert. Gegen spielstarke Teams wie den FC Bayern sind die Hamburger bereit, tiefer zu stehen und direkter zu spielen. Lange Bälle und physische Präsenz im Sturm dienen dabei vor allem einem Zweck: Entlastung schaffen, ohne die eigene Ordnung aufzugeben. Ebenso zum Repertoire gehören hohes Anlaufen und ein kompakter, tiefer Block.
Im Aufbau ist Torhüter Daniel Heuer Fernandes aktiv eingebunden, vor ihm formiert sich häufig eine Dreierkette aus Nicolas Capaldo, Luka Vuskovic und Jordan Torunarigha. Besonders über die rechte Seite wird Dynamik erzeugt: Capaldo schiebt gelegentlich weit nach vorne, überläuft situativ sogar den rechten Schienenspieler. Die übrigen Innenverteidiger rücken mutig heraus, um das Zentrum zu verdichten. Ziel bleibt stets dasselbe: Kontrolle sichern, nicht öffnen.
Über die rechte Seite soll durch Bakery Jatta Breite erzeugt werden. Jattas offensive Ausrichtung kann den Gegner defensiv binden und verlangt daher viel Rückwärtsarbeit von Bayerns linkem Flügel – ein Szenario, das etwa Luis Díaz vor besondere Aufgaben stellen könnte. Auf der linken Seite liegt derweil der kreative Schlüssel des HSV-Spiels:Miro Muheim interpretiert seine Rolle extrem spielmachend, rückt regelmäßig in den Halbraum oder an die Strafraumkante. Dort ergänzt er sich mit Jean-Luc Dompé, der konsequent die Außenbahn hält. Diese asymmetrische Staffelung ermöglicht zwar Überladungen, macht den HSV im Umschalten aber auch anfällig. Gerade dort wird sichtbar, was der Mannschaft zuletzt abgeht: Tempo im eigenen Ballbesitz und Intensität gegen den Ball.
Übertragung, Ticker & mehr – so könnt Ihr das Duell beim HSV verfolgen:
Bleibt das Spiel zu langsam, können Gegner Passwege zustellen und die Hamburger in ihrer eigenen Ordnung festnageln. Eine Möglichkeit, das Tempo zu erhöhen, bietet sich im Zentrum, wo Spieler wie Sambi Lokonga oder der meist in der offensiven Dreierreihe eingesetzte Fabio Vieira als Bindeglied zur Offensive agieren. Sie tauchen zwischen den Linien auf und sollen das Spiel nach vorne anziehen. Vorne setzt Polzin auf körperlich robuste Angreifer mit Tiefgang, wie Ransford-Yeboah Königsdörffer oder Winterneuzugang Damion Downs, um lange Bälle festzumachen und zweite Bälle zu sichern.
Entscheidend wird sein, ob der HSV sein Ballbesitzspiel am Samstag schneller und zielstrebiger aufzieht als zuletzt – oder ob Joshua Kimmich und Co. die Passwege ins letzte Drittel erneut konsequent zustellen.
Die Faktenlage zum Duell beim HSV:








































