MillernTon
·02 de abril de 2026
Die Hoffnung ist eine Zahl

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Sieben Endspiele stehen für den FC St. Pauli an. Wie schwer ist dieses Restprogramm, wie wahrscheinlich der Klassenerhalt? Ein Gastbeitrag von Lorenz Adlung.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Seit Alexander Blessin die verbleibenden Partien der Bundesliga-Saison 2025/2026 allesamt als “Endspiele” tituliert, wissen auch wir Fans, dass unsere Stunde geschlagen hat. Den Fußballprofis des FC St. Pauli geht das genauso. Winter-Neuzugang Mathias Rasmussen gab in der Medienrunde am 11. Februar bereits zu Protokoll: “Wir haben noch 13 Endspiele vor der Brust”. Der MillernTon schrieb bereits zum Jahresende 2025 von “Endspielen”, und Nina hat sehr gut auf den Punkt gebracht, was ein solches Endspiel (in dem Fall gegen den VfB Stuttgart) emotional mit Fußballfans macht. Mittlerweile sind es nur noch sieben Ligapartien, die der FC St. Pauli in dieser Saison auszutragen hat, was mich dazu veranlasst, herauszufinden, wie die “finalen” Prognosen für das Restprogramm eigentlich aussehen könnten.
Um die Chancen des FCSP auf den Klassenerhalt möglichst genau ausrechnen zu können, brauchen wir zunächst einmal grundlegende Informationen. Dazu zählt das Restprogramm.Es gibt verschiedene Ansätze, die Schwierigkeit des Restprogramms zu berechnen:
Der Spielplan meint es nüchtern betrachtet erst einmal relativ gut mit dem FC St. Pauli, denn wenn man die durchschnittliche Tabellenposition der sieben verbliebenen Gegner ausrechnet, erhält man einen Wert von 10,71. Je höher dieser Wert ist, desto schlechter ist auch die Tabellenposition der kommenden Teams und umso “leichter” sollte das Restprogramm sein. So die Theorie.
Nimmt man die aktuelle Tabellenposition als einziges Anzeichen für die Stärke der gegnerischen Mannschaften, so hat der FCSP das drittleichteste Restprogramm aller Bundesligaclubs.
Nur die Gegner von Bayern München (12,6) und Union Berlin (13,0) sind im Schnitt tabellarisch noch schlechter positioniert. Demnach hat übrigens der VfB Stuttgart das schwerste Restprogramm, mit einer durchschnittlichen Tabellenposition der Gegner von 6,7, dicht gefolgt vom SV Werder mit 7,3 (Quelle: tabellenmeister.de). Es gibt aber auch eine andere Variante, die Schwierigkeit des Restprogramms zu berechnen.
Viele weitere Daten können helfen, das Restprogramm realistischer einzuschätzen. Auf tabellenmeister.de etwa fließen neben der Tabellenposition der Gegner auch deren aktuelle Form aus den letzten fünf Spielen sowie die Ergebnisse der Hinrunde in die Berechnung ein. Heraus kommt ein Score zwischen 1 (sehr leichtes Restprogramm) und 10 (sehr schweres). Die Frage, die sich direkt aufdrängt: Wie stark gewichtet man die einzelnen Kennzahlen? Wenn ein Team (z.B. der Stadtnachbar) etwa gegen viele Gegner aus der oberen Tabellenhälfte spielt, sich gegen diese Teams aber tendenziell leichter tut als gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte, wie schätzt man dann das Restprogramm ein? Ich finde, dass das schwer zu beurteilen ist. Auch die Heim- und Auswärtsschwächen der Teams bleiben dabei außen vor. Die Tabellenmeister-Prognose weicht kaum von der einfacheren Variante mit den durchschnittlichen Tabellenpositionen ab. In beiden hat der FC St. Pauli das drittleichteste Restprogramm.
Interessant ist übrigens, dass Tabellenmeister auch die theoretisch noch möglichen Endplatzierungen der Teams auflistet. Wenn es danach geht, könnte der FCSP tatsächlich noch Siebter werden. Aber das wird ja nicht passieren… Oder doch?
Spätestens in dieser Saisonphase kommt regelmäßig die Frage auf, wie viele Punkte denn dieses Jahr zum Klassenerhalt reichen werden, und oft wird die viel zitierte “40-Punkte”-Marke genannt. Schauen wir uns doch erst einmal an, was in der Theorie nötig wäre, um sicher nicht abzusteigen. Da lautet die Antwort: 58. Kein Witz. Nur mit 58 oder mehr Punkten steigt eine Mannschaft garantiert nicht aus der 1. Fußballbundesliga der Männer ab. Zum Thema gibt es ein wunderbares Video meines Science Slam-Kollegen Kai Hoppmann.
Wenn wir wissen wollen, wie wahrscheinlich solche Szenarien sind, können wir uns noch mal kurz mit verschiedenen Strategien zur Vorhersage des restlichen Saisonverlaufs beschäftigen. Eine viel genutzte Möglichkeit, die verbleibenden Partien zu simulieren, ist nach Gefühl oder Expertise (oder einer Kombination aus beidem) zu tippen. Dazu gibt es Tabellenrechner, in die man geschätzte Ergebnisse aller verbleibenden Partien eintragen kann, so wie man sie selbst oder andere Personen für wahrscheinlich halten. Alternativ kann man die Partien im Fußballmanager-Spiel seiner Wahl simulieren. Was den Spielausgängen dabei zugrunde liegt, sind mathematische Modelle.
Diese Modelle und Berechnungen können beliebig komplex werden, indem sie nicht nur die momentane Stärke der Teams, sondern auch die Fähigkeiten der einzelnen Spieler, die zum Einsatz kommen könnten, mit einbeziehen. In solchen mathematischen Modellen gibt es viele Unsicherheiten. Wir können nicht genau berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass Eric Smith rechtzeitig für die letzten Saisonpartien wieder fit wird. Fußballteams nutzen trotzdem diese Modelle, und mit ihnen lässt sich viel Geld verdienen, von Sportwetten bis hin zu professionellen Analyse-Tools für die Vereine.
Ganz gut Geld verdient mit solchen mathematischen Modellen hat auch Matthew Benham, der Besitzer des englischen Premier-League-Clubs FC Brentford. Als er im Jahr 2013 nach den Aufstiegschancen seines damals drittklassigen Clubs gefragt wurde, antwortete er: “42,3 Prozent”. So ist es im Buch Matchplan von Christoph Biermann nachzulesen (Link). Das klingt verlockend, oder? Eine genaue Prognose, wie wahrscheinlich der Klassenerhalt des FC St. Pauli zum jetzigen Stand ist?
Ich habe zwar nicht die hochwertigen Datenquellen oder gar die Rechenkapazitäten eines Matthew Benham, doch ich habe ein kleines statistisches Modell gebaut (man nennt das in Fachkreisen eine Monte-Carlo-Simulation), in dem jedes verbleibende Match der Saison simuliert wird, wobei alle möglichen Spielausgänge, also Sieg, Unentschieden oder Niederlage, erst einmal gleich wahrscheinlich sind. Das ist in etwa so, wie wenn bei der Platzwahl gewürfelt werden würde und bei einer gewürfelten 1 oder 2 das Heimteam gewinnen würde, bei einer gewürfelten 3 oder 4 das Spiel unentschieden gewertet würde, und bei einer 5 oder 6 die Auswärtsmannschaft gewinnen würde. Das ist natürlich stark vereinfacht, aber kein Modell bildet die Realität in all ihrer Komplexität ab und so können wir zumindest abhängig vom aktuellen Tabellenstand und den verbliebenen Partien jede Menge theoretische Saisonverläufe simulieren, um die Wahrscheinlichkeit zu errechnen, mit der der FC St. Pauli die Klasse hält.
Ich habe das Ganze zehntausend Mal durchrechnen lassen, und es ist zwar nur eine Spielerei, aber meinen Berechnungen zufolge hält der FCSP die Klasse mit einer Wahrscheinlichkeit von 40,44 Prozent direkt! Falls das jetzt nicht so ermutigend ist: Dass es zumindest die Relegation wird, kam in 93,01 Prozent aller Simulationen raus.
Wie kommen diese Zahlen zustande? Das liegt am Spielplan. Der FC St. Pauli spielt nämlich noch gegen den 1. FC Köln, der aktuell auf dem 15. Rang liegt und zwei Punkte Vorsprung hat. In meinem Modell gewinnt der FC St. Pauli die Partie mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Drittel. Wenn beide Mannschaften in den anderen Partien zufällig immer denselben Spielausgang haben, würde das für den FC St. Pauli reichen, um direkt die Klasse zu halten. Dieses Szenario, oder ein anderes, in dem der FC St. Pauli besser als Platz 16 abschließt, ist meinen Berechnungen zufolge bei 40,44 Prozent der Simulationen der Fall.In diesen Simulationen haben 36 Punkte immer zum Klassenerhalt gereicht, minimal notwendig waren 27 und im Mittel reichten 31 Zähler. Zur Erinnerung: Der FC St. Pauli steht aktuell bei 24 Punkten.
Das sind freilich alles nur Zahlenspiele, aber auch hier kann man sehen: Es ist noch nichts entschieden, wir haben berechtigte Hoffnungen auf den direkten Klassenerhalt – und so schlecht sehen die Endspiele damit gar nicht aus.Forza!// Lorenz
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