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·16 de maio de 2026
Drama pur in der Bundesliga: Drei ganz unterschiedliche Abstiegskandidaten

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·16 de maio de 2026

Spannender geht es kaum. Im Tabellenkeller der Bundesliga kämpfen am letzten Spieltag drei punktgleiche Teams um die Relegation. Die Vorzeichen könnten kaum unterschiedlicher sein.
Der VfL Wolfsburg, der 1. FC Heidenheim und der FC St. Pauli gehen allesamt mit 26 Punkten in den 34. Spieltag der Bundesliga. Auch in Sachen Tordifferenz unterscheidet sich die Ausgangslage nur leicht. Während St. Pauli und Heidenheim mit -29 Toren dastehen, gehen die Wölfe mit -26 Treffern ins Rennen.
Besonders brisant: St. Pauli und Wolfsburg stehen sich am Millerntor auch noch im direkten Duell gegenüber. Der 1. FC Heidenheim empfängt derweil den 1. FSV Mainz 05, der nach gelungener Rettung nur noch um die goldene Ananas spielt. Wenngleich alle drei Vereine den Absturz in die 2. Bundesliga mit aller Macht vermeiden wollen, würde doch jeder Abstieg eine andere Geschichte erzählen.
Den VfL Wolfsburg hatten vor der Saison wohl nur die wenigsten als Absteiger auf dem Zettel. Der Kader ist individuell ordentlich besetzt, zudem heuerten mit Coach Paul Simonis und Routinier Christian Eriksen zwei große Hoffnungsträger in der Autostadt an. Mitte Mai und zwei Trainer später muss man nun konstatieren: Die Saison war ein Totalausfall beim VW-Klub, der Abstieg wäre eine absolute Katastrophe für den Verein, der 2026/2027 eigentlich seine dreißigste Bundesliga-Saison feiern möchte.
Mit einem durchschnittlichen Marktwert von 7,11 Millionen stellt der VfL den neuntwertvollsten Kader der Liga. Dass man dennoch ums Überleben kämpfen muss, ist das Ergebnis von einer Vielzahl schlechter Personalentscheidungen in den letzten Jahren. Peter Christiansen erwies sich als eklatante Fehlbesetzung auf dem Sportchef-Posten.

Foto: Getty Images
Nachdem Trainer Niko Kovac das Team nicht mehr weiterentwickeln konnte, haben es weder Ralph Hasenhüttl, noch Simonis oder Daniel Bauer geschafft, die Mannschaft nachhaltig wieder in Form zu bringen. Dass sich der VfL wieder Hoffnungen auf den Ligaverbleib machen darf, liegt auch an Interimstrainer Dieter Hecking, der das Team zuletzt stabilisierte.
Der Abstieg wäre der absolute Super-GAU für den Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015. Aufgrund des Gewinneinbruchs bei Volkswagen wird auch dem Werksverein einiges an Geld fehlen. Im Unterhaus werden an weiteren Stellen wichtige Einnahmen wegfallen, die für den unausweichlichen Kaderumbau dringend benötigt werden. Stürzt der VfL in die 2. Bundesliga ab, droht daher eine tiefe Abwärtsspirale. Mannschaft, Staff, Infrastruktur – in Wolfsburg ist alles auf die Ansprüche eines ambitionierten Bundesligisten ausgerichtet.
Der 1. FC Heidenheim ist – wie auch der FC St. Pauli – auf die Zweitklassigkeit deutlich besser vorbereitet. Auch emotional. Denn nach drei Jahren in der ersten Liga hatten sich auf der Ostalb viele schon mit dem Abstieg abgefunden. „Am Ende haben wir heute deutlich unterstrichen, dass wir nicht daran vorbeikommen zu sagen, dass unser Weg – Stand heute – in die 2. Liga führt“, sagte sogar Trainer Frank Schmidt Ende Februar nach der Niederlage seiner Mannschaft gegen Werder Bremen und warf den Taschenrechner an: „Wir müssten mehr Punkte aufholen im Schnitt, als wir im Schnitt nach 24 Spieltagen geholt haben.“
Neun Spiele später hat die Mannschaft ihren Coach eines Besseren belehrt. Die Hoffnung ist zurück beim FCH und Urgestein Schmidt: „Wir wollen alles dafür tun, mit unseren Fans im Rücken, dass der Schlossberg einen weiteren magischen Moment erlebt und wir das Spiel gewinnen. Und dann gucken wir, für was es reicht.“ Der Schlossberg werde „beben“, ist sich der 52-Jährige sicher, der mit seinem Team im vergangenen Jahr bereits in der Relegation erfolgreich war.

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Im Vergleich zu den direkten Konkurrenten spricht die aktuelle Form und die Stimmung im Klub klar für den FCH, der am wenigsten zu verlieren hat. Da Wolfsburg und St. Pauli aber direkt aufeinandertreffen, muss die Schmidt-Elf gegen Mainz unbedingt gewinnen und auf ein Unentschieden der Rivalen oder einen knappen Sieg der Hamburger hoffen.
Sollte es am Ende nicht für den Klassenerhalt reichen, wird auf dem Schlossberg niemand panisch werden. Der Weg mit Trainer Schmidt wird in aller Ruhe weitergegangen, mit der Teilnahme an der Conference League und drei Jahren Bundesliga hat man ohnehin alle Erwartungen übertroffen. Genau diese Gelassenheit könnte den Traum von der Erstklassigkeit zumindest bis zur Relegation am Leben halten.
Mit dem Aufstieg des HSV kehrte zur laufenden Saison endlich das Hamburger Stadtderby in die Bundesliga zurück. Nach zwei Duellen müssen die Anhänger bald womöglich wieder auf die emotionalen Partien verzichten. Denn der FC St. Pauli steht vor dem Abstiegs-Showdown mit dem Rücken zur Wand.
Die Mannschaft von Alexander Blessin muss gegen den VfL Wolfsburg als Sieger vom Platz gehen und hoffen, dass Heidenheim gegen Mainz nicht oder weniger deutlich gewinnt als man selbst. Gewinnen und Tore schießen – das sind zwei Dinge, die dem Traditionsverein in dieser Spielzeit schwerfallen. Seit neun Spielen wartet St. Pauli auf einen Sieg und stellt mit 28 Toren die mit Abstand schlechteste Offensive der Liga.

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Dabei starteten die Hamburger mit sieben Punkten aus drei Spielen in die Saison und spielten dabei ansehnlichen Kombinationsfußball. Auf den folgenden Einbruch fand Blessin jedoch keine Antwort, zudem fehlt es der Mannschaft im Sturm schlicht an Bundesliga-Qualität. Spieler wie Morgan Guilavogui, Elias Saad und Oladapo Afolayan konnten nicht ersetzt werden, Neuzugänge wie Martijn Kaars floppten komplett.
Ein Abstieg in die 2. Bundesliga ist für den Kiezklub gewiss kein Beinbruch, der Verein steht auf solidem Fundament und würde mittelfristig wohl wieder an die Tür zur Erstklassigkeit klopfen. Dennoch bleibt das Gefühl, dass man in dieser Saison nicht so tief in den Tabellenkeller gerutscht wäre, wenn die offensichtlichen Schwachstellen im Kader behoben worden wären und Blessin einen Plan B in der Tasche gehabt hätte.


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