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·29. August 2026
1. FC Kaiserslautern: Verein und Fanszene

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Am Sonntag bekommt der FC St. Pauli Besuch vom 1. FC Kaiserslautern. Ein Blick in die Vereinsgeschichte und die Fankurve. Titelbild: Lars Baron / Getty Images via OneFootball
Neue Woche, neues Glück, Pokal abhaken. Jetzt geht es in der Liga weiter, worauf sich der FC St. Pauli nun voll konzentrieren kann. Nach so viel Veränderung nach dem Abstieg und der Eingewöhnung, wieder in der zweiten Liga zu spielen, ist es vielleicht auch ganz gut, sich nicht mehr mit dem Pokal beschäftigen zu müssen (so rede ich es mir zumindest jetzt ein, auch wenn es, ausgerechnet gegen Essen, sehr schmerzt). Den Blick richten wir also nach vorne, denn es kann nur besser werden. Sonntag steht das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern an. Die haben am Wochenende nach dem Pokal-Derby gegen Waldhof Mannheim ordentlich Schlagzeilen gemacht (dazu später ein bisschen mehr). Gucken wir genauer hin, wer uns am Sonntag am Millerntor wieder mal besuchen kommt.
Das Gründungsjahr des 1. FC Kaiserslautern ist offiziell 1900. Doch auch hier gab es viele Vorgängervereine, bevor es den FCK gab, wie wir ihn heute kennen. 1900 gründete sich der Fußballclub 1900 in Kaiserslautern. 1901 gründete sich der FC Palatia 1901 Kaiserslautern und aus einer Abspaltung des FC 1900 gründete sich 1902 der FC Bavaria. 1909 schlossen sich alle drei Clubs zusammen zum FV Kaiserslautern. Im Jahre 1920 weihte man den Sportsplatz am Betzenberg als offizielle Sportanlage ein. 1929 fusionierte man mit dem FC Phönix Kaiserslautern zum FV Kaiserslautern Phönix, bis man 1931 den Namen zu 1. FC Kaiserslautern änderte.
Auch der 1. FC Kaiserslautern wurde zu Zeiten des zweiten Weltkrieges gleichgeschaltet. Nach dem Abstieg aus der Gauliga Südwest spielte man in der Saison 1937/38 in der Bezirksklasse. Ende dieser Saison kam Fritz Walter in einem Freundschaftsspiel erstmals für den FCK zum Einsatz. Er sollte für kommenden Erfolge der 50er Jahre wichtig werden. Den ersten großen Titel, die deutsche Meisterschaft, holte die Mannschaft rund um Fritz Walter 1951. Man gewann gegen Preußen Münster im Endspiel mit 2:1. Im Jahre 1953 holte man erneut den Titel. Während der EM 1954 spielten neben Fritz Walter noch vier weitere Spieler von Kaiserslautern im Nationalkader, weshalb man sich den Weltmeistertitel gerne selbst zuschreibt.
Der 1. FC Kaiserslautern gehörte 1963 zu den Gründungsmitgliedern der neu eingeführten Bundesliga. Bis Mitte der 90er Jahre war der 1. FCK dort fester Bestandteil. 1990 holte man gegen Werder Bremen mit 3:2 den ersten DFB-Pokalsieg der Vereinsgeschichte. 1991 feierte man die deutsche Meisterschaft, außerdem wurde man Supercup-Sieger. In der Saison 1995/96 kam es für den FCK aber zum ersten Abstieg aus der Bundesliga – die Älteren erinnern sich sicher an den weinenden Andreas Brehme im Arm des gerade noch so geretteten Rudi Völler. Doch wenigstens eine Sache hatte man zu feiern: denn trotz Abstieg wurde man zum zweiten Mal DFB-Pokalsieger. Gegen den Karlsruher SC setzte man sich mit 1:0 durch. Unter Trainer Otto Rehhagel stieg man 1996/97 schließlich wieder auf und wurde als Aufsteiger in der neuen Saison sogar sensationell erneut Deutscher Meister.
In den Nuller-Jahren ging es für Kaiserslautern langsam bergab. Nachdem Rehhagel nicht mehr Trainer der FCK war, geriet der Verein in finanzielle Schwierigkeiten, 2005 stieg man in die zweite Bundesliga ab. 2010-2012 war man kurz wieder Bundesligist, blieb dann sechs Jahre in der zweiten Bundesliga und 2018 folgte ein Abstieg in die dritte Liga. Erst 2022 konnte man sich durch die Relegation gegen Dynamo Dresden wieder in die zweite Bundesliga hochspielen. Der größte Erfolg des FCK in den letzten Jahren war die Pokalfinal-Teilnahme gegen den Bayer Leverkusen 2024. Das Spiel ging am Ende mit 0:1 knapp an Bayer Leverkusen.
Der FC Kaiserslautern zählt seit 2025 circa 39.000 Mitglieder und über 500 eingetragene Fanclubs. Auch die Ultrakultur schwappte bereits früh Richtung Kaiserslautern, schon seit 1998 gibt es die Generation Luzifer. In der Westkurve der Fritz-Walter-Stadions sind außerdem die Gruppen Pfalz Inferno und Frenetic Youth anzufinden.
Im Jahre 1998 gründete sich die Generation Luzifer als erste Ultra-Gruppe beim FC Kaiserslautern. Das Ziel: „die Kurve und Fanszene sowohl optisch als auch von Art und Stil der Anfeuerung und ihres Auftretens her zu bereichern, den Zusammenhalt innerhalb der Szene zu stärken und die einzigartige Westkurve wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen zu lassen“, so GL auf ihrer Webseite. Bereits in den Anfangszeiten präsentierte die GL viele Choreos (insbesondere mit Zetteln). Lange führte die GL ein offenes Mitglieder-System, sodass sie zwischenzeitlich bereits in den 2000ern über 500 Mitglieder zählte. Im November 2023 feierte die Generation Luzifer mit einer Choreo gegen Kiel ihr 25-jähriges Bestehen.
Die Gruppe Pfalz Inferno gründete sich im Jahre 2000 aus dem Fanclub „FCK Star Deidesheim“ heraus. 2002/03 war man als Sektion ein Teil der Generation Luzifer, doch nach Differenzen mit der GL spaltete man sich voneinander ab und bildete wieder eine eigenständige Gruppe. Im Dezember 2025 feierte auch das Pfalz Inferno sein 25-jähriges Bestehen mit einer Choreo, zu sehen sind unter anderem Gruppen- und Vereinslogo als Hochziehkonstruktion mit roten und weißen Fahnen. In einem Video gab das Pfalz Inferno außerdem einen kleinen Einblick in die Entstehung der Choreo. Pfalz Inferno pflegt eine Freundschaft zur Schwaben Kompanie aus Stuttgart.
Frenetic Youth gründete sich 2006, auch aus Differenzen mit Generation Luzifer heraus. Ihre Namensgebung beschreibt die Gruppe auf ihrer Seite so: „So beschreibt „Frenetic“ die Art und Weise, wie wir als Ultras unseren Auftritt im Stadion und das Ausleben unserer Ideale gestalten. „Youth“ symbolisiert unseren Anspruch an uns selbst, stets jung und unbequem zu bleiben, den Finger ein für’s andere Mal in die Wunde zu legen und sich nicht unterkriegen zu lassen.“ Des Weiteren sieht FY Antirassismus als selbstverständlichen Bestandteil in der Gruppe. „Auch allen anderen Arten der Diskriminierung treten wir entschieden entgegen“, schreibt FY auf ihrer Webseite. Frenetic Youth schreibt das Fanzine „Unter die Haut“ und veröffentlich dieses auch online.
Auch wenn die Gruppen mit Differenzen zu kämpfen hatten, steht man heute in der Westkurve zusammen und sorgt gemeinsam für Stimmung. Außerdem hat die Fanszene viele weitere beeindruckende Choreos präsentiert. Da fällt einem als erstes natürlich die Pokal-Choreo mit dem großen roten Teufel ein, aber auch die Jubiläums-Choreo im ganzen Stadion zu 125 Jahren FCK kann sich sehen lassen. Die Fanszene der Lauterer ist neben den Stuttgartern außerdem mit der Horda Frenetik vom FC Metz aus Frankreich befreundet – seit 25 Jahren. Rivalitäten bestehen, wie letztes Wochenende nochmal deutlich wurde, zu Waldhof Mannheim und zum KSC. Ihre Abneigung zum KSC machte die Fanszene Kaiserslautern auch in einer Zettel-Choreo am zweiten Spieltag deutlich. Ein wenig mehr über die Ultras beim 1. FCK könnt ihr im Artikel von „Der Betze Brennt“ nachlesen.
Am Sonntag wäre für den FC St. Pauli ein Heimsieg mal wieder schön. Das würde nicht nur die Laune in der Mannschaft, sondern auch in der gesamten Fanszene verbessern, um den Kopf mal wieder aus dem Sand zu bekommen. Eine lange Phase ohne Sieg ist nicht so leicht, aber die Saison ist noch frisch. Da kommt noch einiges auf uns zu und darunter hoffentlich viele schöne Erinnerungen. Die letzten Spiele gegen Kaiserslautern gingen zumindest sowohl heim als auch auswärts an den FC St. Pauli. An der Bilanz kann man ja weiterschrauben. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, was uns am Sonntag erwartet und wie sich der Gästeblock präsentieren wird.
Immer weiter vor!// Nina
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