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·23. September 2026
Blessin in Gladbach: Der sechste Trainer erbt den schlechtesten Start aller Zeiten

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·23. September 2026

Vier Spieltage, null Punkte, 16 Gegentore. Kein Trainer in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach hat eine schlechtere Ausgangslage übernommen als Alexander Blessin am Mittwoch – und keiner hat sie bei seiner Vorstellung so genannt, wie sie ist.
„Ich will aus der scheiß Zeit eine gute Zeit machen“, sagte der 53-Jährige im Borussia-Park. Es war kein Ausrutscher, sondern eine Standortbestimmung. Blessin sieht in der Mannschaft Potenzial, aus dem sich „mehr rauskitzeln“ lasse, gleichzeitig aber Probleme, die man nicht wegdiskutieren könne. Beides stimmt. Das Ausmaß des zweiten Punktes hat der Klub in vier Wochen selbst offengelegt.
Eugen Polanski musste nach drei Spieltagen gehen, das 0:5 im Breisgau war die Zahl, die alles beendete. Interimscoach Jan-Moritz Lichte stellte auf Dreierkette um und kassierte gegen Mainz trotzdem vier Gegentore, 3:4. Zwölf Gegentore in drei Spielen unter Polanski, vier in einem unter Lichte: Die Formation war nie das Problem. Das Problem ist, dass diese Mannschaft in keiner Grundordnung verteidigt, als würde sie es wollen.
Dazu kommt, was Sport Bild als „mental zerrüttet“ beschreibt. Kapitän Tim Kleindienst hat seine Mitspieler öffentlich angezählt. Vize Kevin Diks und Shuto Machino stritten sich auf dem Platz um die Ausführung eines Elfmeters. Das sind keine Details am Rand, das ist der Zustand, in den ein neuer Trainer hineinkommt.
Rouven Schröder hatte nach dem Mainz-Spiel von einer mündlichen Einigung gesprochen, ohne den Namen zu nennen. Dass es Blessin wurde, hatte sich abgezeichnet, nicht zuletzt weil der Ex-St.-Pauli-Coach bei Instagram genau drei deutschen Klubs folgt: seinen alten Vereinen Leipzig und St. Pauli – und Gladbach. Der Sportchef will die Personalie ausdrücklich nicht als Notlösung verstanden wissen: „Es war nie ein Feuerwehrmann gesucht.“ Vertrag bis 2028.
Die Bedingungen, unter denen Blessin kam, sagen viel über den Klub. Laut Sport Bild musste er akzeptieren, dass Lichte und Markus Gellhaus im Trainerteam bleiben, und darf höchstens einen eigenen Assistenten mitbringen. Dass er das schluckte, wurde ihm intern als Pluspunkt angerechnet. Man kann das als Kontinuität lesen. Man kann es auch als Hinweis darauf lesen, wer in Gladbach die Struktur vorgibt – und wer den Job hat, mit ihr zu gewinnen.
Marco Rose, Adi Hütter, Daniel Farke, Gerardo Seoane, Polanski, jetzt Blessin. Seit dem Champions-League-Achtelfinale im März 2021 hat Gladbach sechs Cheftrainer verbraucht, ohne einmal in den Europapokal zurückzukehren. Das Muster ist immer dasselbe: Der Nachfolger bekommt Zeit versprochen und Ergebnisse abverlangt, meist in dieser Reihenfolge und innerhalb weniger Wochen.
Der Mann hat Erfahrung mit Situationen, in denen wenig geht. Er hat Union Saint-Gilloise in Belgien geformt, Genua in Italien stabilisiert, St. Pauli zwei Jahre lang trainiert und im Sommer den Abstieg mitgenommen. Sein Fußball ist intensiv, laufstark, gegnerorientiert – genau das, was einer Mannschaft mit 16 Gegentoren fehlt, wenn man es positiv sieht. Wenn man es kritisch sieht: Er hat noch nie eine Mannschaft übernommen, die derart auseinanderfällt, und er bringt ein Trainerteam mit, das er sich nicht ausgesucht hat.
Köln wird zeigen, ob die Pause gereicht hat. Nicht für ein neues System, dafür ist die Zeit zu kurz. Sondern dafür, dass elf Spieler in einem Derby denselben Job machen. Gelingt das, ist die „scheiß Zeit“ vielleicht in drei Wochen vorbei. Gelingt es nicht, hat Gladbach seinen siebten Trainer seit 2021 nicht mehr weit weg. Blessin weiß das. Schröder weiß es auch. Der Unterschied ist, wer es am Ende ausbaden muss.















