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·23. September 2026
Blessins Zeitfenster: Kann Gladbach die Länderspielpause nutzen?

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·23. September 2026

Borussia Mönchengladbach steht nach vier sieglosen Bundesliga-Spieltagen vor dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Mit Alexander Blessin hat der Klub nun einen neuen Trainer verpflichtet – und ausgerechnet die ungewöhnlich lange Länderspielpause könnte darüber entscheiden, ob aus der Notlösung ein echter Neuanfang wird.
Die Zahlen sprechen für sich: null Punkte, 6:16 Tore, vier Niederlagen in vier Spielen. Mit 16 Gegentreffern egalisierte Gladbach zunächst den bisherigen Bundesliga-Negativrekord nach vier Spieltagen, den zuvor Schalke 04 in der Saison 2020/21 gehalten hatte – kurz darauf unterbot ausgerechnet Union Berlin diesen Wert noch mit 17 Gegentoren. Besonders alarmierend: Allein sieben der 16 Gegentore fielen in der Schlussviertelstunde der jeweiligen Partien – ein Hinweis darauf, dass es nicht nur an der Grundordnung, sondern auch an läuferischer und mentaler Stabilität fehlte.
Eugen Polanski musste nach der 0:5-Klatsche in Freiburg am dritten Spieltag gehen. Unter Interimscoach Jan-Moritz Lichte kassierte Gladbach beim 3:4 gegen Mainz die nächste Niederlage, ehe der Klub mit Blessin einen Nachfolger präsentierte, der zuvor zwei Jahre den FC St. Pauli trainiert hatte – zuletzt mit dem Abstieg in die Zweite Liga.
Dass die Wahl ausgerechnet auf Blessin fiel, ist kein Zufall. In seiner Aufstiegssaison 2024/25 kassierte St. Pauli lediglich 41 Gegentore – die zweitbeste Defensivbilanz der gesamten Liga hinter Meister Bayern München. Genau diese Fähigkeit, eine löchrige Abwehr zu stabilisieren, dürfte Sportchef Rouven Schröder bei der Suche überzeugt haben.
Dabei ist Blessin kein Trainer, der einfach nur hinten dicht macht. Seine Mannschaften setzen auf aggressives Pressing, Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel, meist ausgehend von einer Dreierkette, die gegen den Ball zur Fünferkette wird – je nach Situation als 3-5-2, 3-4-2-1 oder 3-4-3. Es ist ein mutiger, keineswegs risikoloser Ansatz, mit dem er seine Stationen von KV Oostende über den FC Genua bis zu Union Saint-Gilloise und St. Pauli geprägt hat.
Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung der Länderspielpause. Polanski hatte im Sommer einen Kader erhalten, der auf seine eigene Spielidee zugeschnitten war – vergeblich, wie sich zeigte. Nun muss Blessin in kürzester Zeit eine Mannschaft, die eigentlich für ein anderes System zusammengestellt wurde, auf eine Dreierkette umstellen. Schröders eigene Entscheidung, im Sommer an Polanski festzuhalten, gilt inzwischen selbst als Fehleinschätzung – was auch den Sportchef unter Druck setzt, sollte auch Blessin nicht schnell für Besserung sorgen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ausgerechnet die Innenverteidiger fehlen, mit denen Blessin diese Umstellung proben müsste. Kevin Diks ist mit Indonesien beim FIFA ASEAN Cup unterwegs, Ko Itakura bestreitet vier Testspiele mit Japan, Jan Leszczyński hofft bei der Elite League auf sein Debüt für Polens U20, und Fabio Chiarodia wurde für die EM-Qualifikationsspiele der italienischen U21 nominiert. Damit sind alle vier gelernten Innenverteidiger des Kaders gleichzeitig abwesend – ausgerechnet in der Mannschaftsposition, die am dringendsten Stabilität braucht.
Weil der reguläre Spielbetrieb erst am 11. Oktober mit dem Rheinderby beim 1. FC Köln wieder aufgenommen wird, bleiben Blessin knapp drei Wochen, um seine Ideen zu vermitteln – allerdings ohne einen Großteil seiner Stammkräfte. Zur Überbrückung hat der Klub Testspiele angesetzt, unter anderem gegen die Sportfreunde Siegen sowie ausgerechnet gegen Blessins Ex-Klub St. Pauli. Für den neuen Trainer sind das die einzigen Gelegenheiten, seine Spielidee vor dem Pflichtspieldebüt überhaupt unter Wettkampfbedingungen zu testen – wenn auch nicht mit der Elf, die später gegen Köln auflaufen dürfte.
Immerhin bekommt Blessin mit Yukhym Konoplia, der nach einem Innenbandanriss zurückkehrt, personellen Zuwachs in der Defensive. Auch der 18-jährige Mathieu Nguefack, der auf eine Nominierung für das Fünf-Nationen-Turnier der deutschen U19 verzichtete, um sich direkt bei Blessin zu empfehlen, könnte von der Situation profitieren.
Die Ausgangslage ist paradox: Die Länderspielpause verschafft Blessin wertvolle Zeit, sich einzuarbeiten und Strukturen zu vermitteln, entzieht ihm aber gleichzeitig genau jene Spieler, mit denen er die dringendste Baustelle – die Abwehr – beheben müsste. Ob aus der erzwungenen Verschnaufpause tatsächlich eine Neuerfindung wird, dürfte sich erst am 11. Oktober im Rheinderby zeigen, wenn Blessin erstmals unter Pflichtspielbedingungen mit annähernd voller Kadergröße antreten kann.















