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·4. Oktober 2026
Braucht es Kimmich wirklich? Die K-Frage, die Klopp nicht mehr hören will

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Thessaloniki. Jahrelang drehte sich die Debatte um Joshua Kimmich um eine Frage: Rechtsverteidiger oder Sechser? Jürgen Klopp hat sie beantwortet, indem er ihn zurück ins Zentrum holte. Jetzt gibt es eine neue Frage, und sie ist unangenehmer. Es geht nicht mehr darum, wo der Kapitän spielt – sondern ob die Mannschaft ihn überhaupt braucht.
Der Auslöser war das 2:0 gegen Serbien am Donnerstag. Ausgerechnet im ersten Spiel ohne Kimmich gelang Klopp sein erster Sieg als Bundestrainer – mit einem Mittelfeld aus Aleksandar Pavlović, Tom Bischof und Florian Wirtz, das SPOX als besten Mannschaftsteil des Abends bezeichnete. Bischof traf, Wirtz traf und bereitete vor, Pavlović räumte ab. Mit Kimmich hatte die Mannschaft zuvor 1:1 gegen die Niederlande gespielt und 0:1 gegen Griechenland verloren, wobei der Kapitän das Gegentor unglücklich ins eigene Netz abfälschte.
Die Rechnung war schnell aufgemacht. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel fragte ein Journalist, ob Wirtz es neben Pavlović und Bischof leichter gehabt habe. Den Namen Kimmich nannte er nicht.
Klopp hörte ihn trotzdem. „Ohne es anzusprechen, möchtet ihr ein Thema aufmachen, das kein Thema ist“, entgegnete er. Als der Reporter widersprach, blieb der Bundestrainer dabei: „Am Ende wird es eine Jo-Kimmich-Geschichte. Ihr seid gut darin.“ Der Erzählung, Deutschland spiele ohne seinen Kapitän besser, widersprach er ausdrücklich: „Da kann ich leider nicht mitsingen bei dem Lied.“
Dazu formulierte er das Prinzip seiner Rotation: „Der Fußball muss konstant bleiben, die Aufstellung nicht.“ Er habe bewusst sehen wollen, wie andere Spieler auftreten, wenn etablierte Führungskräfte nicht auf dem Platz stehen.
Zwei Tage später kam das Thema erneut, und Klopps Ton wurde ironischer. „Jetzt stellt euch vor, wir hätten in Deutschland genau drei Mittelfeldspieler. Wie kacke wäre das denn?“, fragte er die anwesenden Journalisten. Und dann: „Macht, was ihr wollt. Ich bin total happy und freue mich, dass Jo Kimmich deutscher Nationalspieler ist.“ Er habe keine Chance, die Frage so zu beantworten, dass sie nicht medial zum Thema werde.
Es ist die Reaktion eines Trainers, der weiß, dass er die Debatte nicht beenden kann, und deshalb aufhört, es zu versuchen.
Ganz unschuldig ist der Bundestrainer an der Lage allerdings nicht. Kimmich hatte nach der Niederlage gegen Griechenland erkennen lassen, dass er nur ungern mit dem ersten Kader abreist. Klopp verriet vor dem Serbien-Spiel, wie nachdrücklich: „Er hat tatsächlich ein paar Mal nachgefragt.“ SPOX nannte die Formulierung „überraschend schnippisch“. Im ZDF-Interview unmittelbar vor dem Anpfiff versuchte Klopp dann, die Wogen zu glätten, und betonte, Kimmich habe in der gemeinsamen Zeit einen „überragenden Eindruck“ gemacht.
Dazu kam ein Moment, der Kimmich selbst unglücklich aussehen ließ. Nach dem 0:1 gegen Griechenland stimmte er Bastian Schweinsteigers Urteil zu, Deutschland sei „im Mittelmaß angekommen“. Ein Kapitän, der seiner Mannschaft Mittelmaß attestiert und drei Tage später zusieht, wie sie ohne ihn gewinnt – das ist der Stoff, aus dem Debatten gemacht werden.
Die Zahlen tragen sie nicht. Erstens die Gegner: Kimmich spielte gegen die Niederlande und gegen Griechenland, den späteren Tabellenführer. Der Sieg ohne ihn gelang gegen Serbien, einen punktlosen Tabellenletzten, der seinen ersten Torschuss erst in der 78. Minute abgab. Zweitens die Bedingungen: Gegen Serbien fehlten Kimmich, aber auch alle anderen Stammkräfte der ersten beiden Spiele – Klopp hatte die komplette Startelf ausgetauscht. Wer den Sieg Kimmichs Abwesenheit zuschreibt, müsste ihn mit derselben Logik auch der Abwesenheit von Tah, Nmecha oder Adeyemi zuschreiben.
Drittens die Rollen: Schweinsteiger hatte nach dem Griechenland-Spiel gesagt, Kimmich sei der Einzige, der im Spielaufbau kreative Pässe spielen könne. Gegen Serbien musste niemand unter Druck aufbauen – der Gegner stand tief und ließ Deutschland den Ball.
Weltmeister Pierre Littbarski hält die ganze Diskussion für verfehlt: „Auf diese Diskussion würde ich mich nicht einlassen.“
Und doch ist die Debatte nicht vollständig aus der Luft gegriffen. Das Mittelfeld aus Pavlović, Bischof und Wirtz hat gezeigt, dass Deutschland in der Zentrale mehr Optionen hat, als die vergangenen Jahre vermuten ließen. Der 31-jährige Kimmich ist als Kapitän gesetzt, als Spieler aber nicht mehr konkurrenzlos. Genau das war Klopps erklärtes Ziel, als er 44 Spieler in zwei Kadern nominierte.
Die eigentliche K-Frage lautet deshalb nicht, ob Deutschland ohne Kimmich besser ist. Sondern wie Klopp eine Hierarchie verwaltet, in der der Kapitän erstmals seit Jahren echte Konkurrenz hat. An diesem Sonntagabend in Thessaloniki spielt Deutschland erneut ohne ihn. Im November wird die Frage wieder gestellt – dann mit ihm.







































