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·4. Oktober 2026

Kahn legt den Finger in die Wunde – und es ist nicht die, über die alle reden

Artikelbild:Kahn legt den Finger in die Wunde – und es ist nicht die, über die alle reden

Thessaloniki. Seit dem 2:0 gegen Serbien wird über Joshua Kimmich gesprochen, als ginge es um eine Taktikfrage: Funktioniert das Mittelfeld ohne ihn besser? Jürgen Klopp hat darauf am Samstag mit „Ich gebe auf. Offiziell. Jetzt schon“ reagiert. Am Sonntagabend, in der RTL-Vorberichterstattung vor dem Rückspiel gegen Griechenland, hat Oliver Kahn eine andere Frage gestellt – eine, die tiefer geht und die Klopp nicht mit einer Pointe beantworten kann.

Was Kahn sagt

Der frühere Nationaltorhüter und Kapitän sieht in Kimmich weiterhin einen wichtigen Spieler. Nach einem Trainerwechsel aber müsse sich jeder neu beweisen: „Alle müssen das Gefühl bekommen, sich ihren Status erarbeiten zu müssen.“


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Dann kam der Satz, der die Debatte verschiebt. Für eine Führungsfigur wie Kimmich sei es „wichtig, dass andere zu ihm aufschauen. Dafür fehlen ihm die Erfolge mit der Nationalmannschaft. Das macht es schwierig.“

Es ist keine Kritik an seiner Leistung, sondern an seiner Bilanz. Und sie trifft einen Punkt, den Kimmich selbst kennt.

Drei Turniere, drei frühe Abschiede

Kimmich war bei drei Weltmeisterschaften dabei, und dreimal verpasste Deutschland das Achtelfinale: 2018 in Russland, 2022 in Katar, 2026 in Nordamerika, zuletzt mit dem Aus gegen Paraguay. Vor dem ersten Lehrgang unter Klopp hatte er das selbst angesprochen: „Rückblickend gehören diese drei WM-Ausscheiden zu meiner Karriere.“

Bei Bayern hat Kimmich alles gewonnen, was man gewinnen kann. Im Nationaltrikot fehlt ihm genau das, was einen Kapitän über die Binde hinaus legitimiert: ein Abend, an dem er eine Mannschaft durch ein großes Turnier geführt hat. Kahn, der als Kapitän 2002 ein WM-Finale erreichte, weiß, wovon er spricht.

Kahns Linie ist nicht neu

Es passt zu dem, was er schon früher über Kimmich gesagt hat. Als es beim FC Bayern um Kimmichs Vertragsverlängerung ging, nannte Kahn ihn das „Gesicht des FC Bayern“, der die Werte des Klubs verkörpere – und fügte hinzu: „Kein Spieler ist unersetzlich. Auch nicht ein Joshua Kimmich.“ Wichtig, aber nicht unantastbar – das ist seine Haltung damals wie heute.

Ballack sieht keinen Ersatz

Michael Ballack, ebenfalls früherer Kapitän und am selben Abend im RTL-Studio, setzte einen anderen Akzent. Dass Klopp Kimmich für die beiden Spiele gegen Serbien und Griechenland nach Hause geschickt hat, sei keine Degradierung: „Damit schwächt er ihn nicht.“ Klopp teste seine Optionen. „Und ich sehe auch niemanden, der ihn derzeit ersetzen könnte.“

Lothar Matthäus formulierte die Bedingung, unter der beides stimmt. Kimmich sei „natürlich gesetzt, wenn er die Leistung bringt“. Spiele aber ein anderer auf seiner Position im defensiven Mittelfeld stärker, „wird Kimmich es schwer haben“.

Was Klopp dazu gesagt hat

Der Bundestrainer hatte sich vor dem Serbien-Spiel bewusst gegen Kimmich im zweiten Kader entschieden. „Er hat einen großartigen Eindruck gemacht. Toller Kapitän. Es war alles gut. Aber wir wollten einen Schnitt machen“, sagte er im BR24. Kimmich habe „ein paar Mal nachgefragt“, ob er bleiben dürfe. Am Samstag, nach dem Sieg ohne ihn, folgte der Satz, der Kahns Argument von der anderen Seite stützt: „Warum sollte ein Spieler in Zukunft immer spielen? Man muss auch in Form sein, um zu spielen.“

Zusammen ergeben die Stimmen ein klares Bild. Kimmichs Platz ist nicht in Gefahr, aber sein Status ist nicht mehr selbstverständlich. Klopp hat das durch die Rotation sichtbar gemacht, Matthäus durch die Leistungsfrage, Kahn durch die Erfolgsfrage. Letztere ist die härteste, weil sie sich nicht in einem Spiel beantworten lässt. Sie braucht ein Turnier.

Die nächste Gelegenheit dafür ist die EM 2028. Bis dahin wird Kimmich 33 sein.

90PLUS Redaktion

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