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·12. August 2026

Bundeskartellamt pro 50+1: Wie antwortet die Bundesliga?

Artikelbild:Bundeskartellamt pro 50+1: Wie antwortet die Bundesliga?

Das Bundeskartellamt stärkt 50+1 erneut. Der deutsche Fußball kritisierte zuletzt lautstark Infantinos Investorenpläne für die FIFA. Konsequent wäre jetzt ein hartes 50+1.

Das Bundeskartellamt hat sein jahrelanges Prüfverfahren zur 50+1-Regel abgeschlossen und seine bisherige Linie bestätigt: 50+1 ist grundsätzlich mit dem Kartellrecht vereinbar. Die Vereinsprägung des deutschen Profifußballs und die Mitbestimmung der Mitglieder können die damit verbundenen Wettbewerbsbeschränkungen rechtfertigen.


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Das Bundeskartellamt bestätigt damit seine bisherige Linie. Die juristische Formulierung hat weitreichende Folgen. Die Bundesliga hat nun Hausaufgaben zu bearbeiten. Das Ergebnis und die Zukunft von 50+1 im deutschen Fußball sind aber weiterhin offen.

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Das Bundeskartellamt bleibt sich treu: 50+1 ist rechtmäßig, die Ausnahmen sind kritisch

Das europäische Wettbewerbsrecht schützt grundsätzlich den freien Wettbewerb. Dazu gehört auch die Möglichkeit eines Fußballvereins, eine Kapitalgesellschaft für den Spielbetrieb auszugründen und Anteile daran an Dritte zu verkaufen. Die Bundesliga schränkt diese Freiheit durch „50+1“ ein: Zwar dürfen Vereine ausgründen und Anteile verkaufen, die Stimmenmehrheit muss aber beim Mutterverein bleiben.

Die 50+1-Regel beschränkt damit den Wettbewerb. Nach der abschließenden Bewertung des Bundeskartellamts gibt es dafür im Fußball jedoch eine ausreichende Rechtfertigung: die Vereinsprägung und die Beteiligung der Mitglieder. Der besondere gesellschaftliche Charakter des Sports kann es rechtfertigen, wirtschaftlichen Wettbewerb einzuschränken.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärte: „Unsere kartellrechtliche Bewertung bleibt im Kern unverändert: Die 50+1-Regel kann weiterhin mit dem Ziel der Vereinsprägung und der Mitgliederpartizipation gerechtfertigt werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie konsequent und ohne sachlich nicht gerechtfertigte Unterschiede angewendet wird.“

Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg fallen weiterhin unter die sogenannte Förderausnahme und sind Tochtergesellschaften von Bayer beziehungsweise Volkswagen. RB Leipzig erfüllt 50+1 formal, schränkt durch seine Satzung aber die Mitgliederpartizipation stark ein. Bei Hannover 96 stellte sich die Frage, ob die Vereinsprägung in der Praxis tatsächlich durchgesetzt wurde. Auch die TSG Hoffenheim galt lange als Ausnahme. Seit Dietmar Hopp die Stimmenmehrheit an den Verein zurückgegeben hat, fällt die TSG allerdings nicht mehr darunter.

An diesen Konstruktionen sollte die Bundesliga arbeiten, wenn es nach dem Bundeskartellamt geht. 

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Folgen für die Bundesliga

Unmittelbare Rechtsfolgen hat die Einschätzung des Bundeskartellamts nicht. Die Bundesliga bat das Amt um Prüfung. Diese Prüfung ist erfolgt, das Verfahren damit  abgeschlossen. Die Bundesliga muss also nicht automatisch ihre Regeln ändern. 

Dennoch erzeugt eine öffentliche Stellungnahme des Bundeskartellamts einen gewissen Handlungsdruck. Im Prinzip hat die Bundesliga damit die gleichen Hausaufgaben wie seit Jahren: Sie muss ihre Regeln überarbeiten.

Bisher spielte die Liga auf Zeit und versuchte, mit soften Kompromissen möglichst viel vom Status quo zu bewahren – etwa durch Vorgaben zur Verlustübernahme für die Mutterkonzerne und mit dem Argument des Bestandsschutzes für die Ausnahmen. Nach Auffassung des Bundeskartellamts reicht das nicht. Das ist nachvollziehbar. Bestandsschutz kann kein Ewigkeitsschutz sein.

Die Bundesliga tut sich schwer mit einer großen Entscheidung. Ein Ende von 50+1 würde auf eine breite Ablehnung stoßen und ungewohnte Allianzen von Ultras bis zum Bundeskanzler hervorrufen. Friedrich Merz äußerte vor einem Jahr etwa, dass er ein Befürworter von 50+1 sei und dass die feste Verankerung mit den Vereinen wichtig sei.

Auf der anderen Seite sind die mächtigen 50+1-Ausnahmen, die ein Interesse daran haben, ihre Privilegien zu schützen.  Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff ist in der Branche gut vernetzt. Dem Einfluss von Red Bull hat es zudem nicht geschadet, Jürgen Klopp nicht allzu viele Steine in den Weg zum Bundestrainer zu legen. Der Volkswagenkonzern sponsert unter eigener Marke oder über Tochterfirmen den DFB und Dutzende Proficlubs in Deutschland. 

Fernando Carro von Bayer Leverkusen sitzt inzwischen sowohl im Aufsichtsrat der Bundesliga als auch im DFB-Vorstand. 

Bayern-Präsident Herbert Hainer und Ehrenpräsident Uli Hoeneß galten bisher auch als Kritiker von 50+1. Sie würden die Regel lieber heute als morgen ganz abschaffen

Brisantes Timing: Kein Platz für Investoren bei der FIFA, aber in der Bundesliga?

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Bundeskartellamts ist nicht ohne Brisanz. In den vergangenen Wochen entstand eine weltweite Debatte um die Rolle von Investoren im Fußball. Auslöser für die Debatten war der Plan von Gianni Infantino, die Veranstaltung der Weltmeisterschaft und anderer Wettbewerbe in einer neuen Gesellschaft zu bündeln und Anteile daran an Investoren zu verkaufen. 

Infantinos Plan und seine intransparente Vorgehensweise lösten massive Kritik aus, inklusive einer Boykott-Ankündigung der UEFA. Die UEFA positionierte sich sehr klar zum Vorhaben Infantinos: “In dem Moment, in dem externe Investoren Anteile an FIFA-Wettbewerben erwerben, wird sich der Fußball für immer verändern. Wirtschaftliche Renditen werden zu einer dauerhaften Verpflichtung. Erwartungen der Anleger schaffen täglich Druck. Ab diesem Moment wird jede Entscheidung – sei es über den internationalen Spielkalender, über Wettbewerbsformate oder über die Gestaltung der Zukunft des Fußballs – nicht mehr davon bestimmt, was das Beste für unseren Sport ist, sondern davon, was das Beste für die Anteilseigner ist. Dieses Modell hat im Weltfußball keinen Platz”.

Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich gegenüber Sportschau und ZDF kritisch. Er halte es für „ein fatales Zeichen, die Fußball-WM für Investoren zu öffnen. Der Fußball lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft, wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen“ 

Bayern-Präsident Herbert Hainer äußerte sich kurz vor der Asien-Reise des FC Bayern ebenfalls kritisch zu den Plänen Infantinos und dem Einfluss von Investoren: „Es ist ein Glück, dass dieser Spuk so schnell vorbeigegangen ist wie er gekommen ist, und dass diese aberwitzige Idee vom Tisch ist. (…) Fußball muss Fußball bleiben. (…) Und wenn Fremdinvestoren mitbestimmen wollen, dann besteht immer die Gefahr, dass an den Grundprinzipien und Grundstrukturen des Fußballs angegriffen wird und dass man sich vergreift.“

Auch wenn ein Verkauf von Anteile an der Weltmeisterschaft etwas anderes ist als ein Verkauf von Mehrheitsanteilen an Bundesligavereinen, sind die Parallelen offensichtlich. In beiden Fällen geht es um die Frage, wem der Fußball gehört, wer ihn kontrolliert und wie weit man ihn für Investoren öffnen will. 

Wer die FIFA-Pläne vehement ablehnte, müsste konsequenterweise den Elfmeter des Bundeskartellamts aufnehmen und für ein hartes 50+1 ohne Ausnahmen im deutschen Fußball eintreten. 

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