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·7. September 2026
Der breite Kader bietet taktische Alternativen – sie müssen nun genutzt werden

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Elias Schnaubelt
7 September, 2026
Die Sommertransferphase ist beendet, nun können alle Beteiligten erstmal wieder durchatmen. Thomas Kessler hat wahrlich für viel Bewegung im Kader gesorgt. Dabei stehen unter dem Strich deutlich mehr einflussreiche Zugänge als Abgänge, woraus sich laut transfermarkt.de ein Transferminus von 7,65 Millionen Euro speist. Doch weiß auch Kessler, dass nur geerntet werden kann, was zunächst gesät wird. Und der 40-Jährige hat für mehr als nur Tiefe im Kader der Kölner gesorgt. Vielmehr gibt er René Wagner das Rüstzeug für taktische Flexibilität an die Hand.
René Wagner beim Spiel des 1. FC Köln gegen Werder Bremen
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Den wohl eindeutigsten Beweis für diese Vermutung liefert der Deadline-Day-Transfer von Borna Sosa. Wer den Spieler noch aus seiner Zeit beim VfB Stuttgart kennt, weiß: Der Kroate ist alles andere als ein klassischer Linksverteidiger. In seiner sportlich besten Zeit bei den Schwaben brillierte der 28-Jährige als Schienenspieler in einer Dreierkette. Auf dieser Position offenbarte sich auch seine größte Stärke: Die Flankenqualität. Bereits 46 Vorlagen konnte Sosa in seiner bisherigen Karriere verbuchen, welche 233 Pflichtsiele umfasst. Die Verpflichtung des Kroaten wirft jedoch einige Fragen auf, so auch die nach Gideon Mensah. Der Ghanaer, der sich mit Sosa nominell die gleiche Position teilt, ist nahezu ein Gegenentwurf dessen. Mensahs Aufgabenbereich umfasst Zeit seiner Karriere hauptsächlich das Verteidigen, vornehmlich in einer Viererkette. Dass beide Spieler erst diesen Sommer in die Domstadt gewechselt sind, legt die Vermutung nahe, dass den Verantwortlichen beim FC ein klares Konzept fehlt. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Verzicht auf ein starres Spielsystem exakt die Idee ist.
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Eine Sache, die Wagner-Vorgänger Lukas Kwasniok wie keinen zweiten auszeichnete, war die Fähigkeit, sich auf jeden Gegner individuell einzustellen. Das bedeutete in der Umsetzung auch den häufigen Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette. Gerade zu Beginn seiner Amtszeit lieferte dieser Ansatz beachtliche Erfolge. Die Entlassung innerhalb seiner Debüt-Saison hatte hintenraus nur zweitrangig mit den Ergebnissen auf dem Rasen zu tun. So gelang es Kwasniok, jedem Gegner das Leben schwer zu machen. Haushohe Pleiten gegen große Konkurrenten sucht man indes vergebens.
Seinem Nachfolger wird nun das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben, um diese Flexibilität fortzuführen. Allerdings mit deutlich mehr Tiefe und Qualität auf den jeweiligen Positionen. Einen klassischen linken Schienenspieler mit Flankenqualität vermisste Kwasniok schmerzlich – zumindest lassen die Scorerwerte eben jener „Wingbacks“ nur diesen Schluss zu. Außerdem verfügt der aktuelle Kader mit beispielsweise Said El Mala oder Mikey Moore über Spieler mit Eins-gegen-Eins-Qualität, zudem über Tiefgang mit ebenfalls El Mala, Maina oder Heskey. Auch kann René Wagner verschiedene Mittelfeldkonstellationen aufstellen, so verfügt der 38-Jährige über mehrere zuverlässige Optionen, um eine Doppelsechs aufzustellen und Johannesson offensiver auflaufen zu lassen. Der Punkt ist: Egal ob Dreier- oder Viererkette, egal welcher Gegner und egal welche Anforderungen jede Partie individuell mit sich bringt – Der Kader beinhaltet für alle Positionen die passenden Spieler, um es jedem Gegner schwer zu machen. Das verschiebt aber auch die Verantwortung und verlangt viel taktisches Geschick vom neuen Coach.
Mit dem Auftaktsieg gegen Hoffenheim gelang bereits ein wichtiges Ausrufezeichen, das zunächst Druck vom Kessel nahm. Es folgte die bittere 1:4-Pleite gegen Stuttgart – mit nur einem Wechsel in der Startformation – und die erzwungener Maßen durch den Ausfall von Said El Mala. Alternative Spieler und Taktiken sind da, sie müssen eben nur genutzt werden. Es wird spannend zu sehen sein, ob gegen andere Gegner die Dreierkette zum System der Wahl wird. Kessler hat zumindest dafür gesorgt, dass für beide Formationen die richtigen Profile vorhanden sind. Damit weicht der Sportdirektor abermals die Nachwuchsphilosophie von Christian Keller auf. Dieser hatte das Ziel ausgerufen, vom Jugend- bis in den Herrenbereich ein Viererketten-System spielen zu lassen, um Jugendspielern den Wechsel zu den Profis zu erleichtern. Bestimmt wanderte damals der ein oder andere sehnsüchtige Blick zum FC Barcelona, wo genau das seit vielen Jahren auf allerhöchstem Niveau erfolgreich praktiziert wird.
Allerdings stellt die Amtszeit von Kessler keinen Bruch in der Idee der Nachwuchsförderung dar, vielmehr ist es ein anderer Ansatz. Im Nachwuchs wird auf ein starres System verzichtet. Anhand der verfügbaren Spielerprofile wird eine individuelle Ausrichtung entworfen. Somit wird verhindert, dass vielversprechende Talente dem System zum Opfer fallen, wodurch auf der anderen Seite sogar mehr Durchlässigkeit entstehen kann. Ja, beim FC Barcelona funktioniert die Idee der einheitlichen Spielphilosophie. Aber muss und sollte man sich als 1. FC Köln an einem Giganten des Weltfußballs orientieren?
Feststeht, dass René Wagner eine Mannschaft mit viel Potenzial, sowohl taktischer als auch spielerischer Natur, zur Verfügung steht. Dieser Umstand wird dem jungen Trainer viel abverlangen, ihm gleichzeitig aber auch jede Menge Entscheidungsmacht übertragen. Damit einher geht unweigerlich eine große Verantwortung – und ob Wagner dieser Verantwortung gerecht wird, kann nur die Zukunft zeigen.







































