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·23. Februar 2026

Der Schiedsrichter ist nie Schuld!

Artikelbild:Der Schiedsrichter ist nie Schuld!

Das steht varscheinlich auch in irgendeinem Regelbuch, Unterpunkt: „Unfehlbarkeit der Unparteiischen“, womöglich auf englisch mit einer Abkürzung: “Referees are always right“ (RAAR). Aber es stimmt auch: Wenn ein Club ein Spiel verliert oder nicht das gewünschte Ergebnis erzielt, ist der Schiedsrichter nicht Schuld.

Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass der VfB nach dem Blitzstart durch Chris Führich die Heidenheimer im Spiel ließ.


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Die Schiedrichter ist nicht Schuld, dass die Heidenheimer den VfB auf ihr Niveau runter zogen und den Stuttgartern ihr wildes Spiel aufzwangen.

Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Lorenz Assignon die rechte Seite nicht besetzt hielt, als Sirlord Conteh den Ball auf Eren Dinkci spielen konnte, den Maxi Mittelstädt aus dem Auge verlor.

Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Ramon Hendriks zu lange zur Ballverarbeitung benötigte vor dem 3:2.

Der Schiedsrichter ist nicht Schuld, dass Deniz Undav in der Nachspielzeit ins kurze Eck zielte statt ins lange zu schlenzen.

Aber der Schiedsrichter nimmt zusammen mit dem VAR massiv Einfluss auf das Spiel. Dadurch Ermedin Demirovic auf den Spuren von Mario Gomez, der einst gegen Sandhausen einen VAR-Hattrick schoss. Der VfB traf fünf Mal gegen den Tabellenletzten, wovon zwei Tore aberkannt wurden. Der VfB kassierte drei Treffer gegen den Tabellenletzten – zwei Mal mit Hilfe der Schiedsrichter. Das Team der Unparteiischen agiert nicht auf konsistente Art und Weise. Wer Sascha Stegemann beim Zweikampf zwischen Mittelstädt und Dinkci an den Bildschirm ruft, sollte dies konsequenterweise auch bei der Bewertung der Auseinandersetzung zwischen Hendriks und Stefan Schimmer vor dem 3:2 machen.

Der VAR ist nicht Schuld. Und liegt auch bei der Einschätzung einer „klaren Fehlentscheidung“ nie daneben – das bescheinigen sie sich bequemerweise selbst. Wo kämen wir denn da hin, Fehlerkultur und Kritikfähigkeit zu zeigen. Es mag an der schwammigen Formulierung „klare Fehlentscheidung“ liegen, aber die Eingriffe des VAR sind Woche für Woche immer weniger nachzuvollziehen.

Das gilt auch für die halbautomatische Abseitserkennung namens „SAOT“. Mir fällt da nur „LMAA“ ein, wenn ich die pixligen Bilder aus den 70er Jahren sehe, die erklären sollen, dass die Entscheidung die richtige ist. Das erhöht weder die Glaubwürdigkeit noch die Akzeptanz mit solchen Bilder zu arbeiten, denn man erkennt einfach nichts. Es wirkt beliebig und wahllos zusammen gestellt. “Bessere” Bilder einen halben Tag später machen es auch nicht besser. Man hat zudem den Eindruck, dass die Bilder konstruiert werden, um die eigenen (Fehl-)Entscheidung zu legitimieren.

Selbst wenn man Stegemann eine gute Leistung attestiert (der kicker vergab allen Ernstes die Note 2,5,): Verhalten, Linie und Entscheidungskonsistenz beeinflussen das Spiel, die Spielverläufe, die Emotionen. Man macht es sich zu einfach, den Schiedsrichter als Alleinverantwortlichen für den Ausgang eines Spiels zu sehen. Aber er ist ein Faktor, der das Spiel in die eine wie die andere Richtung lenken kann.

Die Schiedsrichter machen es sich ebenso zu einfach, sich selbst mit fadenscheinigsten Begründungen aus der Verantwortung zu nehmen. Schiedsrichter sind Teil des Spiels und am besten sind sie, wenn man sie nicht bemerkt. Wann ist das einem Unparteiischen zuletzt gelungen?

Was bleibt: Die Schieds- und Videoschiedsrichterlogik ist so kompliziert geworden, dass die Schiris mit der korrekten und kongruenten Umsetzung überfordert sind.

Und: Du kriegst den VfB nicht kaputt. Auch nicht wenn das Team glaubt, das 1:2 geschossen zu haben, um dann wenige Minuten 2:1 hinten zu liegen. Du bekommst es auf einen Pferdeacker nicht klein, Du brichst ihren Widerstand nicht mit Starkregen und Du entmutigst es auch nicht mit unangenehmen und talentfreien Gegenspielern wie Benedikt Gimber, die mangels eigener Qualität mehr den Gegner treten als den Ball.

Das Team „rettet“ sich immerhin zu einem Remis – das für die Ambitionen des Clubs aber zu wenig ist.

Zum Weiterlesen: Die Süddeutsche Zeitung meint: “Alle, die schon immer was gegen den Videoreferee hatten, durften sich von dieser Partie bestätigt fühlen. Und alle, die den Videobeweis für eine gute Idee halten, erst recht.“

Rund um den Brustring stellt wütend fest: “Grotesk ist die selektive Anwendung des VAR. Die Eingriffsschwelle wird so angepasst, wie man es gerade braucht, um dem Kollegen auf dem Feld den Allerwertesten zu retten”, meint aber auch, dass der VfB mental zu wenig investiert habe.

Bild: Sebastian Widmann/Getty Images

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