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·17. September 2026
DFB-Bundestag: Neuendorf vor zweiter Amtszeit – Bilanz, Finanzen und die Frauen-Bundesliga

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Am Freitag, den 18. September, entscheidet der DFB-Bundestag in Frankfurt über mehrere Schwerpunkte: DFB-Präsident Bernd Neuendorf tritt ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl für eine zweite Amtszeit an, und die Delegierten stimmen zudem über die künftige Struktur der Frauen-Bundesliga ab. Die Übertragung des DFB-Bundestags beginnt um 15.00 Uhr und ist live auf DFB-TV sowie dem offiziellen YouTube-Kanal des DFB zu sehen – ein klassischer Free-TV-Sender übernimmt die Übertragung nicht. Auch die Entwicklung der Frauen-Bundesliga und das Verhältnis zwischen den Klubs und dem DFB stehen im Mittelpunkt.

Bernd Neuendorf
Bernd Neuendorf tritt beim Bundestag zur Wiederwahl an. Gegenkandidaten gibt es nicht. Seine zweite Amtszeit gilt damit als sicher. Seit März 2022 führt der frühere Journalist und NRW-Staatssekretär den Deutschen Fußball-Bund. Er übernahm in einer Phase, in der die Amtszeiten seiner drei Vorgänger jeweils mit Rücktritten und Skandalen endeten. Unter Neuendorf stabilisierte sich der Verband: Das chronische Haushaltsloch von knapp 20 Millionen Euro ist eliminiert – durch Sparmaßnahmen und bessere Verträge.
Den größten finanziellen Spielraum schafft künftig der neue Ausrüstervertrag mit Nike ab 2027. Er bringt angeblich 100 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen Medienrechte und der Grundlagenvertrag mit der DFL. Allerdings bleiben juristische Altlasten: Bei Verfahren zur früheren Gemeinnützigkeit kann über Steuerrückzahlungen von über 50 Millionen Euro entschieden werden. Eine positive Entscheidung wäre ein weiterer finanzieller Befreiungsschlag.
Kritik gibt es trotzdem an Neuendorfs internationalem Agieren. Bei der WM 2022 in Katar blieb der DFB-Chef im Machtpoker mit FIFA-Präsident Gianni Infantino blass. Auch bei der umstrittenen Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien fehlten klare Worte – für viele ein verpasstes Signal in Sachen Haltung und internationaler Einfluss.
Mit der Wiederwahl einhergehend gibt es einen personellen Umbau. Holger Blask wird neuer Generalsekretär und folgt auf Heike Ullrich. Sie wechselt ins Vizepräsidium und soll künftig den Frauenfußball verantworten. Matthias Schöck übernimmt einen neu geschaffenen Vizeposten mit Fokus auf strategische Umsetzung. Um das zweite Vize-Amt liefern sich Silke Sinning und Silke Raml eine Kampfabstimmung. Schatzmeister Stephan Grunwald bleibt im Amt.
Am Freitag tagen 256 stimmberechtigte Delegierte digital über die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga. Entscheidungsgrundlage sind die notwendigen Satzungsänderungen und der Grundlagenvertrag mit dem Ligaverband FBL e.V. Bei einer Zustimmung tritt die neue Struktur am 1. Juli 2027 in Kraft.
Der Weg dorthin war konfliktreich. Zunächst planten DFB und FBL ein Joint Venture zur Professionalisierung. Doch einen Tag nach der Vergabe der EM-Endrunde 2029 an Deutschland verschärfte sich der Streit über Entscheidungsbefugnisse. Die FBL verließ den ursprünglich gemeinsamen Kurs und gründete sich im Dezember 2025 eigenständig. Ende Juni votierten die 14 Bundesligistinnen für den im Mai mit dem DFB ausgehandelten Grundlagenvertrag.
Neuendorf bezeichnete die Einigung als entscheidenden Schritt:
„Mit der Einigung über den Pachtvertrag haben der DFB und der FBL e.V. einen entscheidenden Schritt für die Zukunft der Frauen-Bundesliga vollzogen. Beide Seiten haben in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, eine tragfähige Grundlage für die neue Struktur zu schaffen. Wir sind überzeugt, dass die Liga auf dieser Basis ihre positive Entwicklung fortsetzen und ihre sportliche wie wirtschaftliche Attraktivität weiter steigern kann.“
Nach dem Vorbild der Männer-Bundesliga, die unter dem Namen Deutsche Fußball-Liga firmiert, baut die FBL eine GmbH als operative Tochtergesellschaft auf. Diese übernimmt Spielorganisation, Vermarktung und strategische Weiterentwicklung. Eine externe Personalberatung sucht bereits nach einer hauptamtlichen Geschäftsführung. Als Standort ist die frühere DFB-Zentrale in Frankfurt am Main vorgesehen.
Die Klubs verfolgen mit der Reform ein klares Ziel: den internationalen Anschluss wiederherzustellen. Während Deutschlands höchste Spielklasse vor einigen Jahren noch europäischer Maßstab war, verabschiedeten sich zahlreiche Topspielerinnen ins Ausland. Auch die Bilanz im europäischen Vergleich fällt schwach aus. Um diesen Trend zu drehen, wollen die Vereine in den kommenden Jahren zwischen 700 und 800 Millionen Euro investieren.
Unmittelbar nach dem Bundestag stehen die Medienrechte für die kommenden zwei Spielzeiten zur Vergabe, weil die laufenden TV-Verträge auslaufen. Aktuell erlösen sie 5,17 Millionen Euro pro Saison. Alle Partien sind bei MagentaTV und DAZN zu sehen, die Montagsspiele laufen zusätzlich bei Sport1. ARD und ZDF zeigen ausgewählte Begegnungen. „Wir sind froh, wenn wir das Erlöspotenziel erhalten. Die Reichweite steht im Vordergrund“, sagte Kiel zuletzt laut ZDF.
Ein weiteres Thema: Überlegungen der FBL zu einem Playoff-Modell für mehr Spannung im oftmals einseitigen Meisterschaftskampf. Der FC Bayern und der VfL Wolfsburg, die die vergangenen 14 Meisterschaften unter sich ausmachten, lehnen das Format ab. Über die Pläne entscheidet die Vereinsversammlung am 30. November. Auch die Aufteilung der Spieltage soll reformiert werden – die bei vielen Fans unbeliebten Montagsspiele dürften verschwinden.
Langfristig denkt der DFB offenbar auch eine Bewerbung für die Männer-WM 2038 oder 2042 nach. Dazu kommen Investitionen in die Nachwuchsförderung und die Infrastruktur im Amateurfußball. Der Bundestag behandelt 15 Tagesordnungspunkte – die formelle Bestätigung Neuendorfs ist nur der Anfang von Entscheidungen, die den Verband für Jahre prägen werden.







































